Kategorie: events

  • Öffentlichkeit entsteht nicht von selbst. Die Innsbrucker Bogenmeile als geteilter Stadtraum

    Ein Stadtfest ist nie automatisch gesellschaftlich relevant. Es kann auch bloß Programm sein, Bühne, Gastronomie, Frequenz, ein paar schöne Bilder und ein voller Platz. Das ist nicht nichts, aber es bleibt zu wenig, wenn ein Fest den öffentlichen Raum nur kurz bespielt, ohne etwas über ihn sichtbar zu machen. Der Unterschied liegt nicht in der Größe eines Festes, sondern in seiner Herkunft, seinem Zugang, seiner Beteiligung und seiner lokalen Tragfähigkeit.

    An den Innsbrucker Viaduktbögen lässt sich das besonders gut zeigen, denn die Bögen sind kein neutraler Ort. Im Alltag sind sie Verkehrsraum, Arbeitsort, Ausgehmeile, Durchgangszone, Kulturraum, Nachbarschaft, Konfliktfläche und Projektionsfläche zugleich. Züge fahren darüber, Autos und Fahrräder bewegen sich darunter, Menschen gehen zur Arbeit, holen etwas zu essen, treffen sich vor Lokalen, verschwinden in Proberäumen, Bars, Werkstätten, Clubs oder Kulturorten. Vieles passiert nebeneinander – nicht immer miteinander.

    Für manche sind die Bögen vor allem Nachtleben, Lärm und Unordnung. Für andere sind sie seit Jahren ein Ort, an dem Kultur, Gastronomie, Musik, soziale Praxis, Alltag und Stadt auf besondere Weise ineinandergreifen. Genau diese Gleichzeitigkeit macht sie interessant. Die Bögen sind kein glatt inszenierter Stadtraum. Sie sind widersprüchlich, dicht, lebendig und manchmal auch anstrengend. Gerade deshalb eignen sie sich für ein Fest, das mehr kann als zu unterhalten.

    Beim Bogenfest verschiebt sich für einen Tag die Wahrnehmung dieses Ortes. Was sonst oft Durchgang ist, wird Aufenthaltsraum. Was sonst nur nebeneinander existiert, tritt in Beziehung. Zwischen Viadukt, Straße, Bühnen, Betrieben und offenen Türen entsteht ein anderer Blick auf die Bogenmeile: Kinderprogramm und Clubkultur, Familien und Nachtpublikum, Nachbar:innen und Passant:innen, Musik, Tanz, Gespräche, Kunst, Gastronomie und die alltäglichen Orte der Bögen teilen sich denselben Raum.

    Das ist keine kleine Verschiebung – denn die Bögen werden dabei nicht einfach dekoriert. Sie werden anders erfahrbar. Menschen, die sonst vielleicht nur abends dort sind, kommen am Nachmittag mit ihren Kindern vorbei. Menschen, die die Gegend sonst meiden, gehen durch die Bögen, bleiben stehen, hören zu, machen sich ihr eigenes Bild. Orte, die im Alltag hinter Türen, Routinen oder Vorurteilen verschwinden, treten nach außen. Ein Stadtteil, der oft über einzelne Konflikte gelesen wird, zeigt seine soziale und kulturelle Dichte.

    Das Bogenfest ist in diesem Sinn nicht über die Bogenmeile gelegt worden – es ist aus ihr heraus entstanden. Aus Orten, Initiativen, Vereinen, Clubs, Betrieben, Künstler:innen und Menschen, die dort ohnehin arbeiten, organisieren, streiten, feiern, aufbauen und Verantwortung übernehmen. Genau darin liegt der Unterschied zu bloßer Eventisierung: Hier wird kein fertiges Spektakel auf einen Stadtraum gesetzt, hier wird eine vorhandene Struktur verdichtet und für einen Tag sichtbar gemacht. Ein solches Fest zeigt, was Stadt sein kann, wenn sie nicht nur verwaltet, sondern geteilt wird.

    Natürlich liegt die einfache Lesart nahe: Ein Stadtfest belebt die Stadt. Es bringt Menschen hinaus, schafft Atmosphäre, stärkt Gemeinschaft, zeigt kulturelle Vielfalt. Das stimmt. Aber die größere Frage lautet: Wer kann an dieser Öffentlichkeit teilnehmen? Wer fühlt sich eingeladen? Wer bleibt außen vor? Welche Gruppen nutzen denselben Raum? Welche Konflikte werden sichtbar? Und welche Bilder eines Ortes werden dadurch verändert?

    Urbanität entsteht nicht schon dort, wo viel los ist. Sie entsteht dort, wo Unterschiedlichkeit nicht nur nebeneinander existiert, sondern öffentlich ausgehandelt werden kann. Stadt ist kein harmonischer Raum. Sie ist dicht, widersprüchlich, manchmal laut, oft unübersichtlich. In ihr begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen Gewohnheiten, Bedürfnissen, Sprachen, Alter, Körpern, Einkommen und Vorstellungen davon, was ein öffentlicher Ort sein soll. Ein gutes Stadtfest darf diese Spannung nicht übermalen – es muss sie organisieren.

    Das ist der Unterschied zwischen Event und öffentlicher Kulturarbeit. Ein Event kann eine Stadt kurzfristig als Kulisse benutzen. Es kann Bilder produzieren, Frequenz erzeugen und den öffentlichen Raum für einige Stunden bespielen. Ein Stadtfest, das gesellschaftlich relevant sein will, muss mehr leisten. Es muss den Raum nicht nur füllen, sondern öffnen. Es muss nicht nur Publikum erzeugen, sondern auch Zugang. Es muss nicht nur Sichtbarkeit herstellen, sondern Begegnung ermöglichen. Das klingt einfach, ist es aber nicht.

    Denn öffentlicher Raum ist nie leer. Er ist bereits belegt: durch Gewohnheiten, Eigentumsverhältnisse, Verkehrslogiken, Sicherheitsvorstellungen, Nachbarschaften, Konsumregeln, unausgesprochene Codes und politische Entscheidungen. Wenn ein Fest in diesen Raum tritt, greift es in bestehende Ordnungen ein. Es verändert Wege, Lautstärken, Aufenthaltsformen und Blickachsen. Es erzeugt Freude, aber auch Reibung. Es schafft Nähe, aber auch Konflikte. Diese Konflikte sind kein Argument gegen solche Räume, sie zeigen vielmehr, dass Stadt gestaltet werden muss.

    Die politische Frage ist nicht, ob Reibung entsteht. Die Frage ist, ob es Strukturen gibt, die mit ihr umgehen können. Gibt es klare Zuständigkeiten? Gibt es faire Verfahren? Gibt es ein Verständnis dafür, dass Kultur im öffentlichen Raum nicht bloß Dekoration ist, sondern eine gesellschaftliche Funktion erfüllt? Hier wird ein Stadtfest zu mehr als einem kulturellen Anlass. Es wird zu einem Test für demokratische Stadtpolitik.

    Denn Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen, Gremien und Debatten. Sie braucht auch Erfahrungsräume. Orte, an denen Menschen nicht nur als Konsument:innen, Anrainer:innen, Zielgruppen oder Verkehrsteilnehmer:innen vorkommen, sondern als Teil einer gemeinsamen Stadt. Orte, an denen Unterschiedlichkeit nicht nur behauptet, sondern praktisch ausgehalten wird.

    Für einen Tag kann die Bogenmeile so ein Ort sein. Nicht perfekt, nicht konfliktfrei, nicht losgelöst vom Alltag. Aber offen genug, um andere Begegnungen möglich zu machen. Zwischen Bühnen und Betrieben, zwischen Nachmittagsprogramm und Abendmusik, zwischen Straße und Kulturort entsteht eine Situation, in der Menschen die Bögen nicht nur als Problemraum, Ausgehzone oder Verkehrsachse erleben, sondern als geteilten Stadtraum.

    Viele gesellschaftliche Spaltungen entstehen nicht nur durch unterschiedliche Meinungen, sondern auch durch getrennte Erfahrungsräume. Menschen leben nebeneinander, aber begegnen sich kaum. Sie sprechen über Orte, ohne sie zu kennen. Sie urteilen über Gruppen, ohne mit ihnen in Kontakt zu kommen. Öffentlichkeit zerfällt dort, wo gemeinsame Räume fehlen. Ein Stadtfest kann das nicht lösen, aber es kann für einen Moment zeigen, dass es anders möglich ist.

    Dabei darf man solche Formate nicht romantisieren – auch Stadtfeste können ausschließen. Sie können zu teuer, zu laut, zu konsumorientiert, zu unübersichtlich oder zu sehr auf bestimmte Milieus zugeschnitten sein. Sie können öffentliche Räume privatisieren, Marketing über Teilhabe stellen oder kulturelle Vielfalt nur als Oberfläche benutzen. Gerade deshalb reicht es nicht, von Offenheit zu sprechen – Offenheit muss auch organisiert werden. Durch freien oder leistbaren Zugang, durch Programm, das unterschiedliche Gruppen nicht nur adressiert, sondern tatsächlich einbindet, durch Räume zum Verweilen, nicht nur zum Konsumieren. Durch Barrierefreiheit, verständliche Kommunikation, sichere Wege, Rückzugsmöglichkeiten und die Bereitschaft, Konflikte nicht als Störung, sondern als Teil öffentlicher Verantwortung zu begreifen. Vielfalt ist kein Plakat. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Menschen denselben Raum nutzen können, ohne sich vollständig aneinander angleichen zu müssen.

    Darin liegt die eigentliche Bedeutung eines Stadtfestes im öffentlichen Raum. Es ist nicht bloß ein kulturelles Ereignis. Es kann für kurze Zeit zeigen, was im Alltag oft verdeckt bleibt: welche Beziehungen, Initiativen, Orte und Konflikte eine Stadt tatsächlich tragen. Beim Bogenfest wird diese Struktur sichtbar, weil sie nicht erfunden werden muss, sondern längst da ist.

    Vielleicht ist genau das heute wichtiger, als es zunächst klingt. In einer Zeit, in der digitale Öffentlichkeiten fragmentierter werden, politische Debatten härter und viele Räume stärker durch Konsum, Kontrolle oder Rückzug geprägt sind, gewinnen reale gemeinsame Räume wieder an Bedeutung. Nicht als nostalgische Gegenwelt, sondern als praktische Voraussetzung dafür, dass Stadtgesellschaft erfahrbar bleibt.

    Ein Stadtfest kann keine Demokratie retten, aber es kann sichtbar machen, worauf demokratische Kultur angewiesen ist: Zugang, Begegnung, Konfliktfähigkeit, gemeinsame Erfahrung und Räume, die nicht vollständig durch Markt oder Verwaltung definiert sind.

    Wer Stadtfeste nur als Unterhaltung betrachtet, unterschätzt ihre politische Funktion. An den Viaduktbögen zeigt sich für einen Tag, was Stadt sein kann: nicht behauptet, nicht plakatiert, sondern gemeinsam erlebt.

  • Zehn Jahre DIAMETRALE. Zehn Jahre „nutzlos und schön“.

    Als Kulturarbeiter bewegt man sich in einem Bereich, den man politisch und wirtschaftlich niemals wirklich ernst nimmt – und den man deshalb ständig verteidigen muss.

    „nutzlos und schön“ – das Motto unseres Filmfestivals klingt deshalb auf den ersten Blick nach strategischer Selbstsabotage. Ist es aber nicht. Oder zumindest: nicht nur. Das Nutzlose und das Schöne zu ehren bedeutet für mich eine unerschütterliche Liebe zum (zwischen)menschlichen Tun, zur Intensität und zum Scheitern. Es wirft dem Drang, sämtliche Lebensbereiche durchzuökonomisieren, mit Freude Prügel vor die Füße. Und es nickt wohlwollend all jenen zu, die sich der Verzögerung der Zeit verschrieben haben – innezuhalten, wo blinder Aktivismus und partikulare Interessen Scheinlösungen produzieren.

    Das diesjährige, beigestellte Jubiläumsmotto lautet: Apokalypse LOL. Auch dieses lässt erahnen: Im Grunde geht’s um nicht so viel. Was natürlich gleichzeitig bedeutet, dass es irgendwie um alles geht.

    Denn weshalb streben wir nach Erfolg, Selbstoptimierung, Likes, Karriere? Weil wir uns wohlfühlen, gut essen, schön lieben und uns von Menschen – die wir im Idealfall schätzen – gut behandelt fühlen wollen. Mehr steckt da eigentlich nicht dahinter. Und im Idealfall erlauben wir uns, das auch zuzulassen.

    Ein kleiner Gruß an die Nachgeborenen, die sich aktuell mit einem schauderhaften Vergleichsdruck herumschlagen müssen: Lasst euch von ein paar Menschen, die sich ihrer Lebensmitte nähern, diesen einen Rat mitgeben – Im Grunde geht’s um nicht so viel. Oder: Man darf sich den Investment-Punk als scheiternden Menschen vorstellen.

    Ich habe in meinen 30ern begonnen, neben den zugegeben inspirierenden Kräften Wut, Schmerz und Abgründigkeit auch die entspannteren Dinge des Lebens zu schätzen. Ein bisschen spazieren. Im Schatten auf der Bank sitzen. Schauen, ob die Schneeglöckchen schon blühen. Und je älter ich werde, desto lieber esse ich ein bisschen Kuchen.

    Was ich zusätzlich dazugelernt habe: Man muss nicht immer erreichbar sein – auch wenn man die Leute gerne mag. Man sollte sich aber immer wieder bewusst melden – wenn man die Leute gerne mag. Und FOMO ist etwas für Menschen, die noch ihre Bezugsgruppen suchen. Wer seine gefunden hat, kann sich zurücklehnen und das Buffet genießen.

    Damit das Böse in der Welt seinen Schrecken verliert, brauchen wir das Nutzlose und das Schöne. Wir befinden uns gesamtgesellschaftlich gerade an der Kippe zur Verrohung – die kommenden fünf Tage sollen hierfür ein wohlschmeckendes Gegengift darstellen.

    DIAMETRALE #10 | Apokalypse LOL | 11.–15. März 2026 | Innsbruck
    Filmfestival für Experimentelles & Komisches – nutzlos und schön, seit 10 Jahren.
    www.diametrale.at

  • Bogenpunsch – Punschen für den guten Zweck

    Heute ist es soweit: Der Kulturverein Bögen Innsbruck und seine Mitglieder laden von 16:00 bis 21:00 Uhr zum „Bogenpunsch“ – einem gemeinsamen solidarischen Abend, bei dem Gastronom*innen, eine Brauerei, Clubs, Kreativräume und ein Tanzstudio zusammenkommen, um gemeinsam einen netten Raum zu schaffen und dabei Spenden für die Kinderkrebshilfe zu generieren.

    Was euch erwartet:

    Punsch, Kasspatzeln, Bagels und weitere Schmankerln

    – Direkt in den Bögen gebrautes Bier

    DJ Fu & Friends sorgen für Sound zwischen Hip-Hop und Elektronik

    Der Bogenpunsch versteht sich als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot der Weihnachtsmärkte: ein niedrigschwelliger Treffpunkt, getragen von Innsbrucks Sub- und Clubkultur. Hier zeigen die unterschiedlichsten Bogen-Initiativen – von Gastronomie über Musikräume bis zu Tanzstudios gemeinsam Haltung:

    Aus der Szene, für die Stadt – und für den guten Zweck.

    Mit jedem eingenommenen Euro unterstützen wir krebskranke Kinder.

  • Podiumsdiskussion: Junge Kulturszene Innsbruck – was ist da los?

    Am 3. Dezember 2025 nahm ich auf Einladung des Jugendzentrums mk an einer Podiumsdiskussion zur aktuellen Situation der Innsbrucker Club- und Kulturszene teil. Vertreterinnen aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen diskutierten dabei gemeinsam mit Akteurinnen aus der Praxis über zentrale Fragen urbaner Kulturpolitik: die Bedeutung konsumfreier Räume, steigende Miet- und Gewerbekosten, die Zukunft bestehender Kulturorte sowie die strukturellen Bedingungen, unter denen junge Menschen heute eigene Projekte entwickeln können.

    In meinem Beitrag habe ich betont, dass Kunst und Kultur nicht als freiwillige Zusatzleistung einer Stadt verstanden werden sollten. Kulturorte – Clubs, Jugendzentren, selbstorganisierte Räume oder Festivals – sind Teil urbaner Infrastruktur. Viele kulturelle und soziale Entwicklungen, die heute selbstverständlich erscheinen, sind in solchen Kontexten entstanden: in Räumen, in denen Menschen experimentieren, sich organisieren und gemeinsam handeln können.

    Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass diese Räume keineswegs selbstverständlich sind. Steigende Kosten, administrative Hürden und konkurrierende Nutzungsinteressen erhöhen den Druck auf bestehende Strukturen. Kulturpolitik steht daher vor der Aufgabe, nicht nur einzelne Projekte zu fördern, sondern langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für kulturelle Infrastruktur zu schaffen.

    Ein konkretes Beispiel dafür ist die Situation rund um die „Junge Talstation“. Dass es zunächst öffentlichen Druck gebraucht hat, bevor eine notwendige Sanierung politisch zugesagt wurde, zeigt, wie fragil viele dieser Orte sind. Die mittlerweile formulierte Zusage ist ein wichtiger Schritt – sie macht aber auch sichtbar, dass Kulturorte oft erst dann politisch wahrgenommen werden, wenn ihr Fortbestand akut gefährdet ist.

    Ein weiterer Punkt, der mir wichtig war: Junge Menschen müssen ihre Interessen organisieren und artikulieren können. Selbstorganisation war historisch immer eine zentrale Kraft der Kulturentwicklung. Gleichzeitig braucht es eine Stadtpolitik, die solchen Initiativen nicht mit Misstrauen begegnet, sondern sie als legitimen Teil urbaner Entwicklung ernst nimmt.

    Die Diskussion hat einmal mehr gezeigt, dass Innsbruck vor einer grundlegenden kulturpolitischen Frage steht: Wie positioniert sich die Stadt zwischen touristischer Vermarktung und einer lebendigen, selbstorganisierten Kulturszene? Diese beiden Perspektiven schließen einander nicht zwingend aus. Damit sie koexistieren können, braucht es jedoch eine klare politische Haltung – und das Verständnis, dass lebendige Kulturarbeit Zeit, Räume und Ressourcen braucht.

    (Fotos: Felix Schaich)

  • VCC Podiumsgespräch: Visions of Black Club Culture – Past, Present, and Future

    22. November 2025 | 18:00–20:00 | Villa Vida Café
    In Kooperation mit: oltreoceano
    Anmeldung: viennaclubcommission.at

    Über die Veranstaltung

    Wie hat Black Club Culture den Sound, die Bewegung und die Politik des Dancefloors geprägt?
    Wie ist sie mit der Arbeiter*innenkultur Schwarzer Communities verbunden?
    Und was bedeutet es, Clubkultur heute als Raum der Befreiung in einem europäischen Kontext zu verstehen?

    Dieses Podium bringt Wiener Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen der Black Community zusammen,
    in Kooperation mit dem unabhängigen Magazin oltreoceano.
    Gemeinsam beleuchten sie die Ursprünge Schwarzer Clubkultur in Widerstand, Kreativität und Gemeinschaft –
    und diskutieren, wie diese Grundlagen heutige und zukünftige Clubkulturen in Europa und Österreich prägen.

    Die Diskussion widmet sich den Erfahrungen und Herausforderungen Schwarzer Kulturarbeiter*innen,
    insbesondere in mehrheitlich weißen Szenen, und fragt nach Perspektiven für eine solidarische, diverse
    und selbstbestimmte Clublandschaft.


    Mitwirkende

    Kassandra Mona Steiner (she/her) | ORF
    Kassandra Mona Steiner wurde in ländlichen Regionen Österreichs geboren und hat österreichisch-beninische Wurzeln.
    In Wien arbeitet sie als Journalistin beim ORF Wien mit Fokus auf Themen wie Diversität, Kultur, Politik und junge Generationen.
    Sie engagiert sich außerdem in der Musik- und Kulturszene, wo sie neue Räume der Sichtbarkeit für Schwarze Perspektiven schafft.

    Gawdesque (they/she) | Booster Club
    Kreative*r Multitalent: Poet*in, DJ und Organisator*in. Mitglied des DJ- und Skillsharing-Kollektivs Booster Club.
    Mit Black TLC kuratierte Gawdesque 2025 ein multidisziplinäres Event mit Ausstellung, Konzert und Clubnacht.
    Der Künstler*innenname steht für die kreative und göttliche Kraft in uns – ein Ausdruck kollektiver Selbstermächtigung
    der Schwarzen Diaspora.

    DJ Taff | Na Nang Club
    DJ Taff leitet den Na Nang Club im 17. Wiener Gemeindebezirk, ein Non-Profit-Space, der seit 2016 Festivals,
    Konzerte und kulturelle Formate organisiert. Der Club vernetzt Künstler*innen aus Österreich, Senegal und Gambia,
    fördert kreativen Austausch und stärkt die afro-diasporische Community in Wien und darüber hinaus.

    Solo (he/him)
    Solo schafft und kuratiert Räume für queere, intime und interaktive Clubformate.
    Nach seiner Zeit im Technokollektiv hausgemacht liegt sein Fokus nun auf Veranstaltungen mit BIPoC-geführten Teams
    und der Schaffung von Räumen für Ausdruck, Begegnung und Sichtbarkeit.

    Naomi Kelechi Di Meo (she/her) | oltreoceano
    Naomi Kelechi Di Meo ist Schriftstellerin und Herausgeberin von oltreoceano, einer Plattform, die Schwarze Perspektiven
    in Europa durch einen kritischen kulturellen und politischen Blick beleuchtet.
    Sie studierte Medien- und Informationswissenschaft in Amsterdam und Storytelling in Mailand.
    Ihre Arbeiten erschienen u. a. in Vogue Italia, GRIOT Mag, Vice Italia und C41 Magazine.


    Details

    • Datum: Samstag, 22. November 2025
    • Zeit: 18:00–20:00
    • Ort: Villa Vida Café, Wien
    • Anmeldung: viennaclubcommission.at
  • #diskursiv: „Weil es immer schon so war“ – Braucht · Identität · Tradition?

    Mi, 5. November 2025 | p.m.k Innsbruck

    Einlass: 19:00 · Beginn: 19:30 · Eintritt: Pay as you can

    Zwischen Brauchtum und Bruch

    Das Kulturkollektiv ContrApunkt lädt zur nächsten Ausgabe der Diskursreihe #diskursiv in die p.m.k Innsbruck.

    Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den Begriffen „Tradition“ und „Brauch“, die sich in Tirol in einer Vielzahl von Praktiken verdichten: von den Absamer Matschgerern, Axamer Wampelern und Thaurer Mullern über die großen Fasnachten in Imst, Nassereith und Telfs bis hin zu den Krampus- und Tuiflvereinen der Wintermonate.

    Diese Formen erscheinen auf den ersten Blick als selbstverständlich tradierte Rituale – doch sie sind geprägt von komplexen sozialen Dynamiken, von Fragen nach Zugehörigkeit und Ausschluss, Geschlechterrollen und Identitätsentwürfen. Zwischen Gemeinschaft und Abgrenzung wird die Ambivalenz von „Tradition“ und „Brauchtum“ sichtbar.

    Die Macht der Begründung: „Weil es immer schon so war“

    Die scheinbar harmlose Formel dient bis heute dazu, Ausschlussmechanismen zu legitimieren und bestehende Strukturen als „natürlich“ oder „unveränderlich“ darzustellen.

    Tradition wirkt dabei weniger als Beschreibung, sondern als politische Argumentationsfigur – sie verleiht Ansprüche auf Authentizität, Schutzwürdigkeit und Deutungsmacht.

    Bräuche wiederum sind alles andere als starr: Sie verändern sich, werden angepasst, inszeniert oder aufgegeben – etwa, wenn Fasnachten touristisch aufgeladen oder performativ umgedeutet werden.

    Gespräch & Reflexion

    Gemeinsam mit unseren Gästen wollen wir fragen, wie Bräuche Zugehörigkeiten markieren, Grenzen ziehen oder Identitäten behaupten – und wo zugleich Spielräume für Veränderung, Öffnung und kreative Neugestaltung bestehen.

    Mit dabei:

    • Julia Jenewein, Regisseurin & Kulturarbeiterin, Theater praesent, Verein subvolée
    • Konrad Kuhn, assoziierter Professor für Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck
    • Staad, alpines Dark-Ambient-Projekt von Lucas Passenberger

    Im Anschluss: Konzert von STAAD & Tuiflverein ContrApunkt in der PMK-Lounge-Hölle.

    Kontext

    „Weil es immer schon so war“ lädt dazu ein, kulturelle Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen – ohne sie pauschal zu verurteilen.

    Es geht nicht darum, ob Faschingsumzüge oder Krampusläufe „gut“ oder „schlecht“ sind, sondern darum, wie über den Verweis auf Tradition gesellschaftliche Machtverhältnisse stabilisiert oder verschoben werden.

    Ort: p.m.k – Plattform mobile Kulturinitiativen, Innsbruck

    Einlass: 19:00 | Beginn: 19:30

    Eintritt: Pay as you can

    contrapunkt.net

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  • Danke WAVES VIENNA!

    Waves Vienna 2025

    Ich freue mich sehr, beim Waves Vienna Festival 2025 erstmals als Head of Conference Production mitgewirkt zu haben – einem der wichtigsten Treffpunkte für zeitgenössische Popmusik, Clubkultur und Musikwirtschaft in Europa.
    Mit über 15.000 Besucher:innen, 118 Acts aus 24 Ländern und rund 1.500 Delegierten aus über 30 Nationen hat sich Wien einmal mehr als Knotenpunkt internationaler Pop- und Clubkultur manifestiert.

    Zentral für mich war in diesem Jahr die Conference rund um den Yppenplatz – in meiner neuen Wiener Nachbarschaft –, wo sich Akteur:innen aus Kunst, Kultur, Aktivismus und Wirtschaft über Diversität, Machtstrukturen und neue Formen von Zusammenarbeit austauschten. Die Atmosphäre war von jener produktiven Offenheit geprägt, die Wien gegenwärtig zu einer der spannendsten Städte für zeitgenössische Musikentwicklung macht.

    Ein besonderes Signal war auch die Grußbotschaft von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim Opening, die den Stellenwert unabhängiger Kulturarbeit und den Beitrag der freien Szene für ein offenes, pluralistisches Europa unterstrich.

    Das Festival zeigt eindrucksvoll, welches kreative und ökonomische Potenzial in interdisziplinärer, international vernetzter Popkultur steckt – und wie stark Wien von einer solchen Haltung profitiert.
    Es wäre wünschenswert, wenn auch in Innsbruck vergleichbare Strukturen und Fördermodelle entwickelt würden, um bestehende Initiativen, Räume und Festivals in ihrer internationalen Relevanz zu stärken.

    Ich bedanke mich bei allen Beteiligten, besonders bei meinem Team und den Volunteers, und für die Zusammenarbeit – und für das gemeinsame Bewusstsein, dass Popkultur weit mehr ist als Unterhaltung: Sie ist ein Labor für gesellschaftliche Reflexion, Zukunft und Zusammenhalt.

    © Alexander Galler

  • coll:b am hof – Neue Allianzen für den Stadtraum

    Das aktuell laufende Projekt Coll:b am Hof zeigt, dass Innsbruck bereit ist, neue Wege im Umgang mit öffentlichem Raum zu gehen – und dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um zu experimentieren und neue Allianzen zu bilden. Das Projekt wird von Innsbruck Tourismus und unserem Kulturverein, dem Verein zur Förderung der Hofkultur, getragen und gemeinsam entwickelt. Wenn Kultur und Tourismus Verantwortung teilen, entstehen Formate, die weit über Eventlogik hinausreichen: Orte, an denen Stadtbewohner:innen, Gäste und Kunst auf konstruktive Weise zusammenfinden.

    Collab am Hof hat geschafft, was im urbanen Kontext oft schwer gelingt: Einen Durchzugsort – einen sogenannten Nicht-Ort – in einen Ort der Begegnung und Bereicherung zu verwandeln. Damit wurde deutlich, welches Potenzial in einer bewussten, gestalterischen Nutzung des öffentlichen Raums liegt. Schade ist, dass es in Innsbruck nach wie vor so viele ungenutzte Flächen gibt, die grundsätzlich als gesellschaftliche Austauschplattformen und Reibepunkte funktionieren könnten – Räume, die Impulse setzen, Dialog ermöglichen und Stadt im eigentlichen Sinn lebendig machen.

    Ich sehe darin großes Potenzial – und zugleich die Herausforderung, dass beide Welten, Kultur und Tourismus, noch voneinander lernen und Schritte aufeinander zugehen müssen. Während die Kultur oft reflexhaft kritisch gegenüber institutionellen Strukturen agiert, reagiert der Tourismus noch zu vorsichtig auf künstlerische Freiräume. Umso wichtiger sind Projekte wie dieses, die Brücken schlagen, Unsicherheiten aushalten und neue Narrative im Stadtraum erproben.

    In einem Bundesland wie Tirol, in dem der Tourismus eine so gewichtige Rolle spielt, braucht es Mut zur Veränderung – und den Mut zum Städtischen. Innsbruck ist eine Landeshauptstadt, kein Dorf. Sie sollte sich zutrauen, urbane Qualitäten zuzulassen, Experimente zu fördern und jene Menschen stärker mitzudenken, die authentische kulturelle Erlebnisse erst möglich machen und ganzjährig hier verortet sind.

    Dieser Mut, nicht nur zu verwalten, sondern zu gestalten, ist entscheidend, wenn Innsbruck in Zukunft eine lebendige, offene und selbstbewusste Stadtkultur entwickeln will.

    Link: collabamhof.at

    Fotos: ORF & Innsbruck Tourismus/Christoph Schwarz

  • Granpa (FKA Justice Yeldham) & Fall Into Dry Lungs hosted by skin on marble

    Glassplitter. Blut. Frequenzen am Limit.
    Am 25. September 2025 verwandelte Lucas Abela die Kult Bogenbar in Innsbruck in ein vibrierendes Experimentallabor zwischen Noise, Performance und Grenzerfahrung.

    Seit über zwei Jahrzehnten zerlegt der australische Künstler die Idee von Musik – und setzt sie aus Klang, Risiko und Energie neu zusammen. Mit seiner unverwechselbaren Technik, verstärktes Glas wie ein Instrument zu spielen, führt Abela die Zuhörer*innen an die Schwelle zwischen Klang und Schmerz, Improvisation und Ritual. Jeder Ton, jede Vibration wird live in modulare Synths gespeist, bis daraus ein anarchisches Klanggewebe entsteht, das irgendwo zwischen eruptivem Free Jazz und apokalyptischer Elektronik schwebt.

    FALL INTO DRY LUNGS, das österreichische Harsh-Noise-Duo, eröffnete den Abend – frisch von seiner Mexiko-Tour zurück – mit einer kompromisslosen Soundwand aus Dissonanz und Druck. Gemeinsam entstand ein Abend, der weniger Konzert als körperliche Erfahrung war: intensiv, roh, hypnotisch.

    Ort: Kult Bogenbar, Viaduktbogen 38, Innsbruck
    Datum: Donnerstag, 25. September 2025
    Doors: 20:30 Uhr
    Show: 21:00 Uhr
    Hosted by skin on marble

    Ein Abend für all jene, die Musik nicht nur hören, sondern spüren wollen – mit offenem Ohr für das Unkontrollierbare.

  • Film & Gespräch: Bürglkopf (2025)

    9.6.2025 #diskursiv Bürglkopf – Filmvorführung und Gespräch
    Wir laden als Kulturkollektiv ContrApunkt in Kooperation mit dem IFFI — International Film Festival Innsbruck ins Leokino ein und präsentieren Lisa Polsters neuen Film „Bürglkopf“. Im Anschluss führen wir ein Gespräch mit der Regisseurin und Bewohner*innen des ”Rückkehrberatungszentrums“.
    Lisa Polster hat für ihren Asylessay „Bürglkopf“ vor Kurzem den Großen Diagonale-Preis des Landes in der Kategorie „Dokumentarfilm“ zugesprochen bekommen.


    BÜRGLKOPF 

    2025
    Produktionsland: Österreich
    Regie: Lisa Polster
    Sprachfassung: Somali-arabisch-Dari-deutsch-englische OmdU
    Länge: 78min

    Montag, 09.06.2025
    19:20
    Leokino 1


    Der Tiroler Bürglkopf könnte ein Hort des Friedens sein. Für viele bedeutet der Berg aber Ausweglosigkeit: Hoch oben befindet sich ein sogenanntes Rückkehrzentrum, in dem Asylwerber*innen, deren Antrag abgelehnt wurde, abgeschnitten von der Außenwelt untergebracht sind. In Lisa Polsters Dokumentation erzählen aktuelle und ehemalige Insass*innen von ihrer Flucht und ihrem Zwangsaufenthalt – einander, am Telefon oder in die Kamera. Die Anrainer*innen aus der Gegend sind geteilter Meinung über das Zentrum – und die Bundesagentur, die es verwaltet, versucht gar, das Filmteam davon fernzuhalten. 

    (C) Lisa Polster