In den vergangenen Monaten häufen sich Berichte über Streitfälle rund um die AKM – also jene Organisation, die Musiknutzung einsammelt und die Einnahmen an Urheber:innen verteilt. DJs melden ihre Playlists, Veranstalter reichen ihre Veranstaltungsdaten ein – und dennoch bleibt für viele Beteiligte unklar, wie genau abgerechnet und ausgeschüttet wird. Das ist mehr als eine Detailfrage. Es berührt die Governance eines monopolistisch organisierten Systems.
Was passiert konkret?
Zwei Konfliktlinien sind sichtbar.
Erstens: die Ausschüttung im DJ-Bereich. Wie Der Standard (16.02.2026) berichtet, werden DJ-Sets häufig nicht titelgenau abgerechnet. Stattdessen basiert die Verteilung auf Stichproben eines Meinungsforschungsinstituts – es wird also nicht alles gemessen; ein Ausschnitt entscheidet darüber, welche Werke berücksichtigt werden. Gleichzeitig investiert die AKM in ein KI-Startup, ohne konkrete Angaben zu Kosten oder Zeitplan zu machen.
Zweitens: die Rechnungslegung gegenüber Veranstalter:innen. Laut Der Standard (24.11.2025) sind Rechnungen vielfach nicht prüfbar. Berechnungsmethode, verwendete Parameter und angewandte Rabatte scheinen nicht auf. Ein von der Aufsichtsbehörde eingeleitetes Vermittlungsverfahren (§64 VerwGesG) wurde von der AKM abgelehnt.
Die KUPF OÖ dokumentiert in einem Blogbeitrag vom 24.11.2025 darüber hinaus operative Folgen der Zentralisierung: Entpersonalisierung, erhöhte Fehlerquote bei automatisierter Rechnungserstellung und Rechnungskorrekturen ohne nachvollziehbare Erläuterung. Die zentrale Forderung: Berechnungsmethode, Kriterien und Rabatt transparent ausweisen.
Warum das strukturell ist
Die AKM verwaltet ein gesetzlich eingeräumtes Monopol. Wer Musik öffentlich nutzt, muss darüber lizenzieren. Es gibt faktisch keine Alternative. In solchen Strukturen entsteht ein asymmetrisches Machtverhältnis: Nutzer:innen können nicht ausweichen, sie sind auf die Fairness und Nachvollziehbarkeit des Systems angewiesen.
Transparenz ist hier keine Servicequalität. Sie ist Voraussetzung demokratischer Legitimation. Wenn Rechnungen nicht überprüfbar sind oder Ausschüttungslogiken nicht nachvollziehbar erscheinen, verschiebt sich das Problem von der operativen Ebene auf die Ebene institutioneller Glaubwürdigkeit.
Kulturpolitische Relevanz
Für Politik und Verwaltung ist das keine Randfrage. Veranstalter:innen – insbesondere in der freien Szene – arbeiten mit engen Budgets und Förderlogiken, die Planbarkeit voraussetzen. Wenn Abrechnungen monatelang offenbleiben oder methodisch nicht nachvollziehbar sind, wirkt sich das unmittelbar auf Budgetierung, Liquidität und Risikobewertung aus.
Ebenso stellt sich die Frage nach Verteilungsgerechtigkeit: Wenn im DJ-Bereich nicht titelgenau erfasst wird, sondern mit Stichproben gearbeitet wird, können strukturelle Verzerrungen entstehen. Das betrifft nicht nur einzelne Akteur:innen, sondern die Breite und Vielfalt musikalischer Produktion.
Was jetzt sachlich notwendig wäre
Aus den dokumentierten Konflikten lassen sich drei Mindeststandards ableiten:
1. Rechnungen müssen Berechnungsmethode, verwendete Parameter und angewandte Rabatte transparent ausweisen.
2. Umstrukturierungen dürfen nicht zu einem Verlust an Zuständigkeit und Reaktionsfähigkeit führen; nachvollziehbare Service- und Bearbeitungsstandards sind erforderlich.
3. Für die digitale Erfassung und Ausschüttung – insbesondere im DJ-Bereich – braucht es einen transparenten Zeitplan und Klarheit über Implementierungsschritte.
Diese Punkte stellen das Prinzip kollektiver Rechtewahrnehmung nicht infrage. Im Gegenteil: Sie stärken es.
Verwertungsgesellschaften sind zentrale Infrastruktur für Kunst und Kultur. Gerade deshalb müssen sie in ihrer Funktionsweise nachvollziehbar sein. In monopolistischen Strukturen ist Transparenz keine optionale Serviceleistung – sie ist demokratische Mindestbedingung.
Quellen:
https://kupf.at/blog/fehlende-transparenz-warum-wir-ein-verfahren-gegen-die-akm-anstrengen/
https://www.derstandard.at/story/3000000297708/117-millionen-zu-verteilen-musiker-fordern-transparenz-bei-akm-abrechnungen
https://www.derstandard.at/story/3000000308792/wachsender-missmut-bei-musikern-ueber-tantiemen-berechnung-der-akm







