Kategorie: kulturpolitik

  • Statement der p.m.k zur aktuellen Situation rund um die Talstation

    Seit der Verein im Jahr 2022 die von ihm bespielten Räumlichkeiten nicht mehr verwenden darf, konnte er in der p.m.k zumindest Teile seines ambitionierten Kulturprogramms fortsetzen. Wir freuen uns, dass die Talstation in dieser Übergangszeit Teil der p.m.k-Familie geworden ist. Von Beginn an war aber klar: Diese Lösung kann und darf nur vorübergehend sein.

    Die p.m.k vereint derzeit 35 ehrenamtlich geführte Kulturvereine, die mit großem Engagement und unter oftmals prekären Bedingungen einen wesentlichen Teil des freien Kulturprogramms dieser Stadt realisieren. Schon jetzt sind unsere räumlichen Kapazitäten an der Belastungsgrenze. Innsbruck braucht dringend weitere selbstbestimmte Kulturorte, die diesen Namen auch verdienen – Orte, die kulturelle Nutzung nicht nur ermöglichen, sondern aktiv fördern. Das bedeutet: rechtlich gesicherte Strukturen, technische Adaptionen, langfristige Perspektiven und faire Rahmenbedingungen für jene, die Kulturarbeit leisten.

    Seit Jahren ist bekannt, dass Innsbruck über keine ausreichend großen, niederschwellig zugänglichen Räume für mehrere hundert Menschen verfügt. Die Talstation könnte einen dieser dringend benötigten Orte darstellen – ein Raum für Musik, Diskurs, Kunst und Begegnung. Ein Ort, der zeigt, was kulturelle Arbeit jenseits kommerzieller Logiken leisten kann.

    Es ist positiv, dass die Vorgänge rund um die Talstation endlich auch politisch rezipiert werden und nun ein Sondergemeinderat dazu einberufen wurde. Bedenklich bleibt jedoch, dass es dafür erst massiven öffentlichen Druck gebraucht hat, um dieses Thema ernsthaft auf die Agenda zu bringen.

    Hier geht es nicht um Einzelinteressen oder parteipolitische Positionen, sondern um eine langfristige kulturpolitische Perspektive für Innsbruck. Die Talstation ist ein Symbol dafür, wie diese Stadt mit ihrem kulturellen Erbe, ihren Initiativen und ihren kreativen Potenzialen umgeht.

    Als Kulturarbeiter*innen – und als Bürger*innen dieser Stadt – erwarten wir uns einen professionellen, wertschätzenden Austausch auf Augenhöhe.
    Das bedeutet auch politische Verantwortung zu übernehmen, unangenehme Gespräche zu führen, Entscheidungsprozesse transparent zu gestalten und endlich gemeinsam an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

    Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie lähmend politische Blockaden und parteitaktische Grabenkämpfe für die Entwicklung dieser Stadt sein können. Ignoranz und Sprachlosigkeit dürfen aber ebenfalls kein Ersatz für demokratischen Diskurs sein.

    Wir fordern daher:

    Die dauerhafte Sicherung der Talstation als Kulturstandort, einschließlich der dafür notwendigen Sanierungs- und Adaptierungsmaßnahmen.

    Die Einbindung des Vereins Talstation und der freien Kulturszene in alle weiteren Entscheidungs- und Planungsprozesse – von Beginn an, nicht nachträglich.

    Eine verbindliche Perspektive bis Frühjahr 2026, wie die Talstation wieder kulturell genutzt werden kann.

    Ein klares politisches Bekenntnis zur Förderung und finanziellen Absicherung

    Kulturinitiativen müssen in die Gestaltung solcher Prozesse aktiv eingebunden werden – nicht nur angehört, sondern beteiligt. Nur so entsteht Vertrauen, Nachhaltigkeit und ein Verständnis dafür, dass kulturelle Arbeit in dieser Stadt kein Freizeitvergnügen ist, sondern ein gesellschaftlich relevanter Beitrag: für Vielfalt, Teilhabe, Sichtbarkeit und soziale Kohäsion.

    Die Arbeit der freien Kulturszene basiert auf Professionalität, Leidenschaft und oft unbezahltem Engagement. Sie verdient Respekt, verlässliche Rahmenbedingungen und politische Unterstützung. Wer diese Strukturen schwächt, riskiert den Verlust eines wesentlichen Teils urbaner Lebendigkeit und sozialer Innovation.

    Die Talstation könnte zu einem Modellprojekt werden – für offene, generationenübergreifende und partizipative Kulturarbeit. Ein Ort, an dem sich Künstler*innen, Vereine, Nachbar*innen und junge Menschen gleichermaßen begegnen können. Dafür braucht es Mut, Zusammenarbeit und den politischen Willen, Kultur nicht als Problem, sondern als Chance für die Stadtentwicklung zu begreifen.

    Wer Räume für Kultur, Begegnung und Vielfalt erhalten will, muss jetzt handeln – mit Offenheit, Weitsicht und echtem Respekt gegenüber jener Arbeit, die Tag für Tag von hunderten Kulturarbeiter*innen in dieser Stadt geleistet wird.

    Die p.m.k steht solidarisch an der Seite der Talstation – und für eine Kulturpolitik, die auf Dialog, Verlässlichkeit und gemeinsames Gestalten setzt.

    – plattform mobile kulturinitiativen, 2025

  • Statement zur Schließung der Talstation in Innsbruck

    Dass die Talstation in Innsbruck jetzt leer steht, ist eine Schande für die ganze Stadt. Dem bis vor Kurzem dort angesiedelten Kulturverein, der dazu beigetragen hat, das Gebäude und die Gegend insgesamt zu beleben, gebührt hingegen mein größter Respekt für die langjährige Arbeit und die Ausdauer im Bestreben, diesen Ort als lebendige Plattform zu erhalten. Danke für euer Herzblut, euren Schweiß und die vielen Stunden, die ihr dort investiert habt. Danke für die Proberäume, Ausstellungen, Konzerte und Begegnungsmöglichkeiten für viele junge Menschen in Innsbruck, die sich mittlerweile nicht mehr wirklich gehört fühlen und vielerorts unerwünscht sind.

    Die Stadt fühlt sich nun schon wieder ein wenig kleiner an. Grundsätzlich ist es aktuell überhaupt schwer abzuschätzen, wie es weitergehen soll. Dass privatwirtschaftlich geführte Nachtclubs international der Reihe nach zusperren, ist das eine – dass aber interdisziplinär arbeitende Kulturzentren, die die öffentliche Hand erhalten könnte, fallen gelassen werden, ist skandalös und kurzsichtig. Vor allem in einer Stadt, die aufgrund topografischer Gegebenheiten ohnehin nur wenig Platz und Möglichkeiten bietet.

    Ein Gebäude wie die Rotunde (die man nicht mal geschenkt haben möchte, weil sich die Sanierung niemand leisten kann) steht nun leer neben einer verlassenen Talstation, von der alle wissen, dass sie jetzt erstmal ein paar Jahre vor sich hinrotten wird, bevor man sich in fünf bis zehn Jahren und ein paar Bürgerbeteiligungsprozessen dazu entschließen wird, das Thema noch ein wenig weiter zu vertagen. Auch das Siebenkapellenareal sifft währenddessen munter weiter. Und kennt ihr noch das Stöcklgebäude nahe der Triumphpforte, das vor ein paar Jahren UNBEDINGT geräumt werden musste, weil man dort dringend etwas bauen wollte? Auch hier feiert der Ranz fröhliche Urständ.

    Es wäre doch besser zu sagen: Leute, wir haben keine Kohle und vor allem keinen Bock, irgendetwas mit diesen Gebäuden anzufangen, deshalb lassen wir diese leer stehen und konzentrieren uns auf andere Dinge. Es ist besser, der Raum verkommt, als ihr seid drin. Ansonsten wird es laut für die Anrainer und für uns teuer, weil wir euch dann über Jahre durchfüttern müssen. Sucht’s euch einfach einen richtigen Job. Ein Hochkulturbetrieb zahlt sich zwar auch nicht von selbst, und hier indexieren wir sogar die Gehälter, aber das ist etwas anderes, weil es repräsentativer und meistens ein bissl weniger deppert ist.

    Und falls das nicht die Message sein sollte, dann kommt sie halt zumindest so an. Das ist zwar nichts Neues (wer die Arbeit des Sub-Archivs Innsbruck verfolgt, kann diese Haltung über die vergangenen Jahrzehnte fast durchgängig beobachten – mal mehr, mal weniger), aber immer noch unverständlich. Mal sind es schwierige Besitzverhältnisse, die freche Miete, „es Land“ oder „de in Wien“, die es nicht interessiert. Irgendwas is immer. Manchmal trennen die Lebensrealitäten von Kulturräumen nur wenige Meter: Der Artspace Reich für die Insel kann ein Lied davon singen. Dieser wird mittlerweile überhaupt geghostet, obwohl er ein Top-Konzept vorgelegt hat – sich aber offensichtlich bitte einfach schleichen soll. Alle wissen, dass man das Gebäude nicht von heute auf morgen nutzbar machen kann. Aber auch hier gilt: Bitte geht einfach, damit man den Ort und euch vergisst. Irgendwann wird schon etwas damit passieren.

    Wenn man mit Menschen aus verschiedenen Bereichen (teilweise auch in offiziellen Funktionen) spricht, dann wird hinter vorgehaltener Hand immer wieder mal davon gesprochen, dass man im Prinzip nur darauf hoffen kann, dass sich manche dieser Themen von selbst lösen. Siehe Hofgarten-Café. (Für diejenigen, die von außerhalb Innsbrucks mitlesen und den Kontext nicht kennen: Das jahrelang leerstehende Nachtlokal ging irgendwann spätnächtens in Flammen auf. Viele Leute waren danach sehr erleichtert.) Dann kann man zumindest sagen: Leider hat man nichts mehr machen können – und kann das Ding gesichtswahrend wegbaggern.

    Dass man es nicht allen Menschen recht machen kann, ist klar. Aber die Zeiten ändern sich, und man muss schauen, dass man sich auch in kleineren und mittelgroßen Städten ein Umfeld bewahrt, das ansprechend bleibt – ansonsten bleibt nicht viel übrig, als sich das bisschen Motivation, das man noch hat, zu bewahren und wegzuziehen. Klar, wir sind immer noch sehr dankbar, dass uns die Urgroßeltern die Alpen hingebaut haben, damit wir damit ein gutes Geld verdienen können. Aber davon können wir nicht alle leben. So groß ist die Adlerrunde dann auch wieder nicht.

    Danke (junge) Talstation – danke Reich für die Insel – und danke an alle, die in Innsbruck noch stabil bleiben wollen. Auf eine weitere leerstehende Halle in einer kleinen Stadt. Zum Glück ist es im Saggen endlich wieder still.

    Bildcredit (c) ORF

  • coll:b am hof – Neue Allianzen für den Stadtraum

    Das aktuell laufende Projekt Coll:b am Hof zeigt, dass Innsbruck bereit ist, neue Wege im Umgang mit öffentlichem Raum zu gehen – und dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um zu experimentieren und neue Allianzen zu bilden. Das Projekt wird von Innsbruck Tourismus und unserem Kulturverein, dem Verein zur Förderung der Hofkultur, getragen und gemeinsam entwickelt. Wenn Kultur und Tourismus Verantwortung teilen, entstehen Formate, die weit über Eventlogik hinausreichen: Orte, an denen Stadtbewohner:innen, Gäste und Kunst auf konstruktive Weise zusammenfinden.

    Collab am Hof hat geschafft, was im urbanen Kontext oft schwer gelingt: Einen Durchzugsort – einen sogenannten Nicht-Ort – in einen Ort der Begegnung und Bereicherung zu verwandeln. Damit wurde deutlich, welches Potenzial in einer bewussten, gestalterischen Nutzung des öffentlichen Raums liegt. Schade ist, dass es in Innsbruck nach wie vor so viele ungenutzte Flächen gibt, die grundsätzlich als gesellschaftliche Austauschplattformen und Reibepunkte funktionieren könnten – Räume, die Impulse setzen, Dialog ermöglichen und Stadt im eigentlichen Sinn lebendig machen.

    Ich sehe darin großes Potenzial – und zugleich die Herausforderung, dass beide Welten, Kultur und Tourismus, noch voneinander lernen und Schritte aufeinander zugehen müssen. Während die Kultur oft reflexhaft kritisch gegenüber institutionellen Strukturen agiert, reagiert der Tourismus noch zu vorsichtig auf künstlerische Freiräume. Umso wichtiger sind Projekte wie dieses, die Brücken schlagen, Unsicherheiten aushalten und neue Narrative im Stadtraum erproben.

    In einem Bundesland wie Tirol, in dem der Tourismus eine so gewichtige Rolle spielt, braucht es Mut zur Veränderung – und den Mut zum Städtischen. Innsbruck ist eine Landeshauptstadt, kein Dorf. Sie sollte sich zutrauen, urbane Qualitäten zuzulassen, Experimente zu fördern und jene Menschen stärker mitzudenken, die authentische kulturelle Erlebnisse erst möglich machen und ganzjährig hier verortet sind.

    Dieser Mut, nicht nur zu verwalten, sondern zu gestalten, ist entscheidend, wenn Innsbruck in Zukunft eine lebendige, offene und selbstbewusste Stadtkultur entwickeln will.

    Link: collabamhof.at

    Fotos: ORF & Innsbruck Tourismus/Christoph Schwarz