Schlagwort: innsbruck

  • Öffentlichkeit entsteht nicht von selbst. Die Innsbrucker Bogenmeile als geteilter Stadtraum

    Ein Stadtfest ist nie automatisch gesellschaftlich relevant. Es kann auch bloß Programm sein, Bühne, Gastronomie, Frequenz, ein paar schöne Bilder und ein voller Platz. Das ist nicht nichts, aber es bleibt zu wenig, wenn ein Fest den öffentlichen Raum nur kurz bespielt, ohne etwas über ihn sichtbar zu machen. Der Unterschied liegt nicht in der Größe eines Festes, sondern in seiner Herkunft, seinem Zugang, seiner Beteiligung und seiner lokalen Tragfähigkeit.

    An den Innsbrucker Viaduktbögen lässt sich das besonders gut zeigen, denn die Bögen sind kein neutraler Ort. Im Alltag sind sie Verkehrsraum, Arbeitsort, Ausgehmeile, Durchgangszone, Kulturraum, Nachbarschaft, Konfliktfläche und Projektionsfläche zugleich. Züge fahren darüber, Autos und Fahrräder bewegen sich darunter, Menschen gehen zur Arbeit, holen etwas zu essen, treffen sich vor Lokalen, verschwinden in Proberäumen, Bars, Werkstätten, Clubs oder Kulturorten. Vieles passiert nebeneinander – nicht immer miteinander.

    Für manche sind die Bögen vor allem Nachtleben, Lärm und Unordnung. Für andere sind sie seit Jahren ein Ort, an dem Kultur, Gastronomie, Musik, soziale Praxis, Alltag und Stadt auf besondere Weise ineinandergreifen. Genau diese Gleichzeitigkeit macht sie interessant. Die Bögen sind kein glatt inszenierter Stadtraum. Sie sind widersprüchlich, dicht, lebendig und manchmal auch anstrengend. Gerade deshalb eignen sie sich für ein Fest, das mehr kann als zu unterhalten.

    Beim Bogenfest verschiebt sich für einen Tag die Wahrnehmung dieses Ortes. Was sonst oft Durchgang ist, wird Aufenthaltsraum. Was sonst nur nebeneinander existiert, tritt in Beziehung. Zwischen Viadukt, Straße, Bühnen, Betrieben und offenen Türen entsteht ein anderer Blick auf die Bogenmeile: Kinderprogramm und Clubkultur, Familien und Nachtpublikum, Nachbar:innen und Passant:innen, Musik, Tanz, Gespräche, Kunst, Gastronomie und die alltäglichen Orte der Bögen teilen sich denselben Raum.

    Das ist keine kleine Verschiebung – denn die Bögen werden dabei nicht einfach dekoriert. Sie werden anders erfahrbar. Menschen, die sonst vielleicht nur abends dort sind, kommen am Nachmittag mit ihren Kindern vorbei. Menschen, die die Gegend sonst meiden, gehen durch die Bögen, bleiben stehen, hören zu, machen sich ihr eigenes Bild. Orte, die im Alltag hinter Türen, Routinen oder Vorurteilen verschwinden, treten nach außen. Ein Stadtteil, der oft über einzelne Konflikte gelesen wird, zeigt seine soziale und kulturelle Dichte.

    Das Bogenfest ist in diesem Sinn nicht über die Bogenmeile gelegt worden – es ist aus ihr heraus entstanden. Aus Orten, Initiativen, Vereinen, Clubs, Betrieben, Künstler:innen und Menschen, die dort ohnehin arbeiten, organisieren, streiten, feiern, aufbauen und Verantwortung übernehmen. Genau darin liegt der Unterschied zu bloßer Eventisierung: Hier wird kein fertiges Spektakel auf einen Stadtraum gesetzt, hier wird eine vorhandene Struktur verdichtet und für einen Tag sichtbar gemacht. Ein solches Fest zeigt, was Stadt sein kann, wenn sie nicht nur verwaltet, sondern geteilt wird.

    Natürlich liegt die einfache Lesart nahe: Ein Stadtfest belebt die Stadt. Es bringt Menschen hinaus, schafft Atmosphäre, stärkt Gemeinschaft, zeigt kulturelle Vielfalt. Das stimmt. Aber die größere Frage lautet: Wer kann an dieser Öffentlichkeit teilnehmen? Wer fühlt sich eingeladen? Wer bleibt außen vor? Welche Gruppen nutzen denselben Raum? Welche Konflikte werden sichtbar? Und welche Bilder eines Ortes werden dadurch verändert?

    Urbanität entsteht nicht schon dort, wo viel los ist. Sie entsteht dort, wo Unterschiedlichkeit nicht nur nebeneinander existiert, sondern öffentlich ausgehandelt werden kann. Stadt ist kein harmonischer Raum. Sie ist dicht, widersprüchlich, manchmal laut, oft unübersichtlich. In ihr begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen Gewohnheiten, Bedürfnissen, Sprachen, Alter, Körpern, Einkommen und Vorstellungen davon, was ein öffentlicher Ort sein soll. Ein gutes Stadtfest darf diese Spannung nicht übermalen – es muss sie organisieren.

    Das ist der Unterschied zwischen Event und öffentlicher Kulturarbeit. Ein Event kann eine Stadt kurzfristig als Kulisse benutzen. Es kann Bilder produzieren, Frequenz erzeugen und den öffentlichen Raum für einige Stunden bespielen. Ein Stadtfest, das gesellschaftlich relevant sein will, muss mehr leisten. Es muss den Raum nicht nur füllen, sondern öffnen. Es muss nicht nur Publikum erzeugen, sondern auch Zugang. Es muss nicht nur Sichtbarkeit herstellen, sondern Begegnung ermöglichen. Das klingt einfach, ist es aber nicht.

    Denn öffentlicher Raum ist nie leer. Er ist bereits belegt: durch Gewohnheiten, Eigentumsverhältnisse, Verkehrslogiken, Sicherheitsvorstellungen, Nachbarschaften, Konsumregeln, unausgesprochene Codes und politische Entscheidungen. Wenn ein Fest in diesen Raum tritt, greift es in bestehende Ordnungen ein. Es verändert Wege, Lautstärken, Aufenthaltsformen und Blickachsen. Es erzeugt Freude, aber auch Reibung. Es schafft Nähe, aber auch Konflikte. Diese Konflikte sind kein Argument gegen solche Räume, sie zeigen vielmehr, dass Stadt gestaltet werden muss.

    Die politische Frage ist nicht, ob Reibung entsteht. Die Frage ist, ob es Strukturen gibt, die mit ihr umgehen können. Gibt es klare Zuständigkeiten? Gibt es faire Verfahren? Gibt es ein Verständnis dafür, dass Kultur im öffentlichen Raum nicht bloß Dekoration ist, sondern eine gesellschaftliche Funktion erfüllt? Hier wird ein Stadtfest zu mehr als einem kulturellen Anlass. Es wird zu einem Test für demokratische Stadtpolitik.

    Denn Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen, Gremien und Debatten. Sie braucht auch Erfahrungsräume. Orte, an denen Menschen nicht nur als Konsument:innen, Anrainer:innen, Zielgruppen oder Verkehrsteilnehmer:innen vorkommen, sondern als Teil einer gemeinsamen Stadt. Orte, an denen Unterschiedlichkeit nicht nur behauptet, sondern praktisch ausgehalten wird.

    Für einen Tag kann die Bogenmeile so ein Ort sein. Nicht perfekt, nicht konfliktfrei, nicht losgelöst vom Alltag. Aber offen genug, um andere Begegnungen möglich zu machen. Zwischen Bühnen und Betrieben, zwischen Nachmittagsprogramm und Abendmusik, zwischen Straße und Kulturort entsteht eine Situation, in der Menschen die Bögen nicht nur als Problemraum, Ausgehzone oder Verkehrsachse erleben, sondern als geteilten Stadtraum.

    Viele gesellschaftliche Spaltungen entstehen nicht nur durch unterschiedliche Meinungen, sondern auch durch getrennte Erfahrungsräume. Menschen leben nebeneinander, aber begegnen sich kaum. Sie sprechen über Orte, ohne sie zu kennen. Sie urteilen über Gruppen, ohne mit ihnen in Kontakt zu kommen. Öffentlichkeit zerfällt dort, wo gemeinsame Räume fehlen. Ein Stadtfest kann das nicht lösen, aber es kann für einen Moment zeigen, dass es anders möglich ist.

    Dabei darf man solche Formate nicht romantisieren – auch Stadtfeste können ausschließen. Sie können zu teuer, zu laut, zu konsumorientiert, zu unübersichtlich oder zu sehr auf bestimmte Milieus zugeschnitten sein. Sie können öffentliche Räume privatisieren, Marketing über Teilhabe stellen oder kulturelle Vielfalt nur als Oberfläche benutzen. Gerade deshalb reicht es nicht, von Offenheit zu sprechen – Offenheit muss auch organisiert werden. Durch freien oder leistbaren Zugang, durch Programm, das unterschiedliche Gruppen nicht nur adressiert, sondern tatsächlich einbindet, durch Räume zum Verweilen, nicht nur zum Konsumieren. Durch Barrierefreiheit, verständliche Kommunikation, sichere Wege, Rückzugsmöglichkeiten und die Bereitschaft, Konflikte nicht als Störung, sondern als Teil öffentlicher Verantwortung zu begreifen. Vielfalt ist kein Plakat. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Menschen denselben Raum nutzen können, ohne sich vollständig aneinander angleichen zu müssen.

    Darin liegt die eigentliche Bedeutung eines Stadtfestes im öffentlichen Raum. Es ist nicht bloß ein kulturelles Ereignis. Es kann für kurze Zeit zeigen, was im Alltag oft verdeckt bleibt: welche Beziehungen, Initiativen, Orte und Konflikte eine Stadt tatsächlich tragen. Beim Bogenfest wird diese Struktur sichtbar, weil sie nicht erfunden werden muss, sondern längst da ist.

    Vielleicht ist genau das heute wichtiger, als es zunächst klingt. In einer Zeit, in der digitale Öffentlichkeiten fragmentierter werden, politische Debatten härter und viele Räume stärker durch Konsum, Kontrolle oder Rückzug geprägt sind, gewinnen reale gemeinsame Räume wieder an Bedeutung. Nicht als nostalgische Gegenwelt, sondern als praktische Voraussetzung dafür, dass Stadtgesellschaft erfahrbar bleibt.

    Ein Stadtfest kann keine Demokratie retten, aber es kann sichtbar machen, worauf demokratische Kultur angewiesen ist: Zugang, Begegnung, Konfliktfähigkeit, gemeinsame Erfahrung und Räume, die nicht vollständig durch Markt oder Verwaltung definiert sind.

    Wer Stadtfeste nur als Unterhaltung betrachtet, unterschätzt ihre politische Funktion. An den Viaduktbögen zeigt sich für einen Tag, was Stadt sein kann: nicht behauptet, nicht plakatiert, sondern gemeinsam erlebt.

  • Politische Bekenntnisse retten keine Kulturräume

    Politische Bekenntnisse retten keine Kulturräume

    Der Kulturort Halle 6 in St. Bartlmä steht aktuell massiv unter Druck. Laut aktuellen Verordnungen soll dort nur noch an maximal zehn Tagen im Jahr Kultur stattfinden dürfen. Und wir sprechen hier nicht von Veranstaltungen, die die ganze Nacht laufen. Nach aktuellem Stand: Musik bis 00:00 Uhr, Veranstaltungsende um 01:00 Uhr.

    Selbst großzügig gerechnet sollte klar sein: Mit zehn Veranstaltungstagen im Jahr lässt sich kein vernünftiger Kulturbetrieb finanzieren. Schon gar nicht an einem Ort, der nicht gewinnorientiert arbeitet, seine Veranstaltungen korrekt anmeldet und dabei mit fast allen relevanten Festivals verbunden ist und sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Treffpunkt der Innsbrucker Kultur (und ja, auch der sogenannten Hochkultur) entwickelt hat.

    Und genau deshalb geht es hier nicht nur um die Halle 6. Es geht um ein wiederkehrendes Muster in Innsbruck: Kulturorte entstehen durch enorme Eigeninitiative. Menschen investieren Zeit, Arbeit, Geld, Netzwerke und Risiko. Sie schaffen Räume, die die Stadt selbst nicht schafft. Irgendwann wird sichtbar, dass diese Orte funktionieren. Dann werden sie politisch gelobt. Dann wird mit ihnen gerne Stadtprofil gemacht. Dann tauchen sie in Hochglanzkommunikation auf. Dann werden Erfolge in „Innsbruck informiert“ gefeiert. Dann stellen sich Parteien vor Kulturstätten und produzieren Instagram-Reels.

    Aber bevor es so weit ist, müssen diese Orte offenbar erst eine erstaunliche Leidensfähigkeit beweisen. Bei der Talstation. Bei Reich für die Insel im Kubus. Und jetzt bei der Halle 6.

    Immer wieder braucht es zuerst Aufschrei, Medienberichte, Empörung und öffentlichen Druck, bevor Bewegung entsteht. Immer wieder kommt die politische Reaktion erst im Anschluss. Das ist keine vorausschauende Kulturraumpolitik – das ist Krisenverwaltung.

    Dabei liegt die Analyse längst auf dem Tisch. Die Kulturstrategie Innsbruck 2030 benennt selbst, dass Innsbruck nur wenige kostengünstige Räume für künstlerische und kulturelle Aktivitäten hat, dass in den letzten Jahren Subkulturinitiativen und Veranstaltungsorte verschwunden sind und nicht adäquat ersetzt werden konnten. Sie hält außerdem fest, dass Kultur als Teil von Stadtentwicklung und Stadtplanung aufgefasst und Räume für Kultur geschaffen werden sollen. Genau daran muss sich die Stadt jetzt messen lassen.

    Deshalb reicht es nicht, wenn politisch wieder einmal gesagt wird, man wolle die Halle 6 erhalten. Natürlich ist dieses Bekenntnis besser als Gleichgültigkeit. Aber ein Bekenntnis ist noch keine Struktur. Ein freundliches Zitat ist noch keine Absicherung. Und ein spätes Bemühen ist noch keine Strategie.

    Die eigentliche Frage lautet: Warum geraten funktionierende Kulturorte in Innsbruck überhaupt immer wieder in diese Lage?

    Warum müssen selbst gut vernetzte, korrekt arbeitende und nicht profitorientierte Initiativen immer wieder darum kämpfen, überhaupt weiterarbeiten zu dürfen?

    Warum wird Kulturraum politisch gewollt, aber verwaltungstechnisch nicht ausreichend ermöglicht?

    Die Halle 6 ist kein Luxusproblem. Solche Orte sind kulturelle Infrastruktur. Sie sind nicht bloß Veranstaltungsflächen. Sie sind Produktionsorte, Treffpunkte, Szeneanker und Möglichkeitsräume. Sie schaffen jene Form von Öffentlichkeit, die große Institutionen allein nicht herstellen können: niederschwellig, selbstorganisiert, experimentell, offen und nah an den Menschen, die diese Stadt kulturell tatsächlich mittragen.

    Wenn eine Stadt solche Orte ernst nimmt, behandelt sie sie nicht wie zufällige Einzelfälle. Dann schafft sie Verfahren, Zuständigkeiten und Lösungen, bevor der nächste Konflikt eskaliert. Dann gibt es frühzeitige baurechtliche und veranstaltungsrechtliche Beratung, koordinierte Abstimmung zwischen Kultur, Bau, Stadtentwicklung und Verwaltung und eine politische Linie, die nicht erst unter öffentlichem Druck sichtbar wird.

    Innsbruck braucht keine weitere Sonntagsrede über die Bedeutung freier Kultur. Innsbruck braucht eine Kulturraumpolitik, die funktioniert.

    Es gibt motivierte Menschen in dieser Stadt, die etwas wollen, aufbauen und Verantwortung übernehmen. Die Frage ist nur, wie lange man ihnen zumuten kann, sich das immer wieder anzutun.

    Eine Stadt, die ihre Kulturorte immer erst dann rettet, wenn sie gefährdet sind, spart nicht an Luxus. Sie beschädigt ihre eigene kulturelle Infrastruktur.

    Die Halle 6 braucht eine tragfähige Lösung.  

    Und Innsbruck braucht endlich eine Kulturraumpolitik, die handelt, bevor der nächste Ort auf der Kippe steht.

    Foto: Imo Kd

  • Zehn Jahre DIAMETRALE. Zehn Jahre „nutzlos und schön“.

    Als Kulturarbeiter bewegt man sich in einem Bereich, den man politisch und wirtschaftlich niemals wirklich ernst nimmt – und den man deshalb ständig verteidigen muss.

    „nutzlos und schön“ – das Motto unseres Filmfestivals klingt deshalb auf den ersten Blick nach strategischer Selbstsabotage. Ist es aber nicht. Oder zumindest: nicht nur. Das Nutzlose und das Schöne zu ehren bedeutet für mich eine unerschütterliche Liebe zum (zwischen)menschlichen Tun, zur Intensität und zum Scheitern. Es wirft dem Drang, sämtliche Lebensbereiche durchzuökonomisieren, mit Freude Prügel vor die Füße. Und es nickt wohlwollend all jenen zu, die sich der Verzögerung der Zeit verschrieben haben – innezuhalten, wo blinder Aktivismus und partikulare Interessen Scheinlösungen produzieren.

    Das diesjährige, beigestellte Jubiläumsmotto lautet: Apokalypse LOL. Auch dieses lässt erahnen: Im Grunde geht’s um nicht so viel. Was natürlich gleichzeitig bedeutet, dass es irgendwie um alles geht.

    Denn weshalb streben wir nach Erfolg, Selbstoptimierung, Likes, Karriere? Weil wir uns wohlfühlen, gut essen, schön lieben und uns von Menschen – die wir im Idealfall schätzen – gut behandelt fühlen wollen. Mehr steckt da eigentlich nicht dahinter. Und im Idealfall erlauben wir uns, das auch zuzulassen.

    Ein kleiner Gruß an die Nachgeborenen, die sich aktuell mit einem schauderhaften Vergleichsdruck herumschlagen müssen: Lasst euch von ein paar Menschen, die sich ihrer Lebensmitte nähern, diesen einen Rat mitgeben – Im Grunde geht’s um nicht so viel. Oder: Man darf sich den Investment-Punk als scheiternden Menschen vorstellen.

    Ich habe in meinen 30ern begonnen, neben den zugegeben inspirierenden Kräften Wut, Schmerz und Abgründigkeit auch die entspannteren Dinge des Lebens zu schätzen. Ein bisschen spazieren. Im Schatten auf der Bank sitzen. Schauen, ob die Schneeglöckchen schon blühen. Und je älter ich werde, desto lieber esse ich ein bisschen Kuchen.

    Was ich zusätzlich dazugelernt habe: Man muss nicht immer erreichbar sein – auch wenn man die Leute gerne mag. Man sollte sich aber immer wieder bewusst melden – wenn man die Leute gerne mag. Und FOMO ist etwas für Menschen, die noch ihre Bezugsgruppen suchen. Wer seine gefunden hat, kann sich zurücklehnen und das Buffet genießen.

    Damit das Böse in der Welt seinen Schrecken verliert, brauchen wir das Nutzlose und das Schöne. Wir befinden uns gesamtgesellschaftlich gerade an der Kippe zur Verrohung – die kommenden fünf Tage sollen hierfür ein wohlschmeckendes Gegengift darstellen.

    DIAMETRALE #10 | Apokalypse LOL | 11.–15. März 2026 | Innsbruck
    Filmfestival für Experimentelles & Komisches – nutzlos und schön, seit 10 Jahren.
    www.diametrale.at

  • Kulturräume als demokratische Infrastruktur: Warum „Reich für die Insel“ erhalten werden muss

    Im Zukunftsvertrag 2024–2030 bekennt sich die Innsbrucker Stadtregierung ausdrücklich zu Transparenz, nachvollziehbaren Entscheidungsprozessen, verantwortungsvollem Umgang mit öffentlichen Mitteln und echter Bürger:innenbeteiligung. Diese Grundsätze sind kein rhetorischer Rahmen. Sie sind Maßstab politischen Handelns.

    Genau an diesen Maßstäben muss sich der Umgang mit dem Glaskubus und der dort angesiedelten Kulturinitiative „Reich für die Insel“ messen lassen. Es geht nicht um einen einzelnen Raum, sondern um den größeren Zusammenhang.

    Kulturräume sind keine dekorativen Ergänzungen einer Stadt. Sie sind soziale Infrastruktur. Sie sind jene „dritten Orte“, die nicht primär Wohnen oder Arbeiten dienen, sondern Begegnung ermöglichen. Orte, an denen Menschen einander nicht als Kund:innen oder Konkurrent:innen begegnen, sondern als Mitgestaltende.

    Viele kulturelle und gesellschaftliche Innovationen entstehen nicht in durchoptimierten Institutionen. Sie entstehen in Experimentierfeldern. In Zwischenräumen. In selbstorganisierten Strukturen. Der Glaskubus ist ein solcher Ort. Er ist kein fertiges Produkt, er ist ein Möglichkeitsraum. Und genau solche Räume sind in einer Stadt wie Innsbruck, die mit steigenden Mieten und hohen Eintrittsschwellen konfrontiert ist, strukturell gefährdet. Wenn diese Räume verschwinden, entstehen sie nicht automatisch neu. Sie entstehen nur dort, wo politische Entscheidungen sie ermöglichen.

    Transparenz ist kein Versprechen – sie ist Verpflichtung
    Die Stadt Innsbruck hat 2025 öffentlich betont, dass neue Kulturräume in Kooperation mit der IIG entwickelt werden sollen – mit dem Ziel eines „fairen, transparenten Prozesses“. Auch in der medialen Darstellung wurde die Schaffung von mehr Raum für die alternative Szene als politisches Ziel formuliert. Diese Aussagen sind verbindliche politische Setzungen. Sie erzeugen Erwartungen.

    Transparenz bedeutet in diesem Zusammenhang:

    • klare Kriterien für Auswahl und Weiterführung von Standorten
    • nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen
    • dokumentierte Bewertungsprozesse
    • transparente Kommunikation über Alternativen, Fristen und Perspektiven

    Gerade weil im Kulturbereich häufig mit befristeten Nutzungen, individuellen Vertragsmodellen und projektbezogenen Lösungen gearbeitet wird, braucht es besonders saubere Verfahren. Ein intransparenter oder situativer Umgang mit einem bestehenden Kulturort untergräbt die Glaubwürdigkeit jener Offensive, die gleichzeitig neue Räume verspricht. Beteiligung ist kein Informationsformat – sie ist Mitgestaltung

    Im Zukunftsvertrag wird Bürger:innenbeteiligung als Leitlinie definiert. Wenn über die Zukunft eines bestehenden Kulturortes entschieden wird, betrifft das nicht nur eine einzelne Initiative. Es betrifft Netzwerke, Szenen, Nutzer:innen, Anrainer:innen und die kulturelle Identität eines Stadtteils.

    Beteiligung bedeutet hier:

    • frühzeitige Einbindung
    • transparente Diskussion von Szenarien
    • nachvollziehbare Abwägung öffentlicher Interessen

    Nicht nachträgliche Information, sondern Mitgestaltung im Prozess.

    Gerade „Reich für die Insel“ steht exemplarisch für eine Form von Stadtproduktion von unten. Wenn solche Orte ohne klar kommunizierte Perspektive verschwinden, entsteht nicht nur räumlicher Verlust, sondern politischer Vertrauensverlust.

    Kulturelle Gerechtigkeit ist soziale Gerechtigkeit
    Im Zukunftsvertrag bekennt sich die Stadtregierung zur Verantwortung gegenüber allen Menschen dieser Stadt – unabhängig von sozialem Status oder ökonomischer Leistungsfähigkeit.

    Freie Kulturräume sind oft die einzigen Orte, an denen Menschen ohne große finanzielle Ressourcen Sichtbarkeit erlangen können. Sie sind Labore für junge Initiativen, Underdogs, neue Formate.

    Wenn der Zugang zu Raum ausschließlich über Marktmechanismen funktioniert, entsteht strukturelle Ungleichheit. Der Glaskubus muss kein Luxusobjekt sein. Er kann ein Instrument kultureller Durchlässigkeit darstellen.

    Wer solche Orte als verzichtbar betrachtet, verengt den Zugang zu kultureller Teilhabe.

    Innsbruck hat zuletzt öffentlich den Bedarf an alternativen Kulturräumen anerkannt. Es wurden neue Liegenschaften präsentiert, Exposés veröffentlicht, Interessensbekundungen eingefordert. Diese Schritte sind wichtig. Doch es wäre widersprüchlich, neue Räume in Aussicht zu stellen und gleichzeitig bestehende funktionierende Strukturen ohne klaren, transparenten Entwicklungsplan aufzugeben.

    Die zentrale Frage lautet daher: Werden Kulturräume als austauschbare Zwischennutzungen behandelt oder als Teil demokratischer Infrastruktur?

    Wenn wir akzeptieren, dass Orte wie „Reich für die Insel“ verschwinden, weil sie nicht dauerhaft abgesichert oder nicht maximal verwertbar sind, dann verschiebt sich die Logik urbaner Entwicklung dauerhaft. Dann werden Möglichkeitsräume zur Ausnahme. Dann wird kulturelle Innovation dem Zufall überlassen. Dann verlieren wir nicht nur einen Kulturraum, sondern soziale Verdichtungsräume, solidarische Netzwerke und Experimentierfelder. Und vor allem verlieren wir Vertrauen in politische Verlässlichkeit.

  • Podiumsdiskussion: Junge Kulturszene Innsbruck – was ist da los?

    Am 3. Dezember 2025 nahm ich auf Einladung des Jugendzentrums mk an einer Podiumsdiskussion zur aktuellen Situation der Innsbrucker Club- und Kulturszene teil. Vertreterinnen aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen diskutierten dabei gemeinsam mit Akteurinnen aus der Praxis über zentrale Fragen urbaner Kulturpolitik: die Bedeutung konsumfreier Räume, steigende Miet- und Gewerbekosten, die Zukunft bestehender Kulturorte sowie die strukturellen Bedingungen, unter denen junge Menschen heute eigene Projekte entwickeln können.

    In meinem Beitrag habe ich betont, dass Kunst und Kultur nicht als freiwillige Zusatzleistung einer Stadt verstanden werden sollten. Kulturorte – Clubs, Jugendzentren, selbstorganisierte Räume oder Festivals – sind Teil urbaner Infrastruktur. Viele kulturelle und soziale Entwicklungen, die heute selbstverständlich erscheinen, sind in solchen Kontexten entstanden: in Räumen, in denen Menschen experimentieren, sich organisieren und gemeinsam handeln können.

    Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass diese Räume keineswegs selbstverständlich sind. Steigende Kosten, administrative Hürden und konkurrierende Nutzungsinteressen erhöhen den Druck auf bestehende Strukturen. Kulturpolitik steht daher vor der Aufgabe, nicht nur einzelne Projekte zu fördern, sondern langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für kulturelle Infrastruktur zu schaffen.

    Ein konkretes Beispiel dafür ist die Situation rund um die „Junge Talstation“. Dass es zunächst öffentlichen Druck gebraucht hat, bevor eine notwendige Sanierung politisch zugesagt wurde, zeigt, wie fragil viele dieser Orte sind. Die mittlerweile formulierte Zusage ist ein wichtiger Schritt – sie macht aber auch sichtbar, dass Kulturorte oft erst dann politisch wahrgenommen werden, wenn ihr Fortbestand akut gefährdet ist.

    Ein weiterer Punkt, der mir wichtig war: Junge Menschen müssen ihre Interessen organisieren und artikulieren können. Selbstorganisation war historisch immer eine zentrale Kraft der Kulturentwicklung. Gleichzeitig braucht es eine Stadtpolitik, die solchen Initiativen nicht mit Misstrauen begegnet, sondern sie als legitimen Teil urbaner Entwicklung ernst nimmt.

    Die Diskussion hat einmal mehr gezeigt, dass Innsbruck vor einer grundlegenden kulturpolitischen Frage steht: Wie positioniert sich die Stadt zwischen touristischer Vermarktung und einer lebendigen, selbstorganisierten Kulturszene? Diese beiden Perspektiven schließen einander nicht zwingend aus. Damit sie koexistieren können, braucht es jedoch eine klare politische Haltung – und das Verständnis, dass lebendige Kulturarbeit Zeit, Räume und Ressourcen braucht.

    (Fotos: Felix Schaich)

  • Interview KUPF-Zeitung:

    Für ein lebendiges und kreatives Innsbruck

    Interview mit Verena Humer (GF der KUPF) der Zeitung der KUPF, erschienen am 12.09.2024
    LINK

    Die Stadt Innsbruck hat im April 2024 gewählt und wird nun von einer Koalition aus JA – Jetzt Innsbruck, den Grünen und der SPÖ regiert. Was bedeutet das für Kulturpolitik und Freie Szene? Verena Humer hat bei David Prieth, der u.a. Vorstandsmitglied der TKI – Tiroler Kulturinitiativen ist, nachgefragt. 

    Innsbruck hat gewählt
    In Innsbruck wurde am 14. und 28. April 2024 gewählt. Seit 16. Mai steht die neue Stadtkoalition. Sie besteht aus JA – Jetzt Innsbruck, den Grünen und der SPÖ. Im Stadtsenat sind Bürgermeister Johannes Anzengruber (Ja – Jetzt Innsbruck), der 1. Vizebürgermeister Georg Willi (Grüne), die 2. Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (SPÖ), Stadträtin Mariella Lutz (Ja – Jetzt Innsbruck) und Stadträtin Janine Bex (Grüne) als ressortführende Mitglieder vertreten, der FPÖ obliegt keinerlei Amtsausführung. Mit dem Leitsatz „Kulturräume erhalten und neue schaffen“ werden die Kulturförder- und Unterstützungsmaßnahmen, die bereits in der Kulturstrategie 2030 festgelegt sind, im Ende Mai präsentierten Zukunftsvertrag weiter fortgeschrieben. Dem Thema „Feiern im öffentlichen Raum“ ist ein eigenes Unterkapitel gewidmet, was die Notwendigkeit von Maßnahmen in diesem Bereich unterstreicht.

    Entgeltliche Einschaltung

    Verena HumerWas kann diese Regierung, was verspricht sie und was wird sie halten?

    David Prieth: Positiv ist, dass das Veranstaltungsressort bei Bürgermeister Hannes Anzengruber und das Kulturressort bei Vizebürgermeister Georg Willi liegen. In dieser Kombination erwarten wir uns als Freie Szene eine produktive Arbeit sowie einen konstruktiven Austausch. Es gibt z. B. von der neuen Stadtregierung endlich auch Pläne zur Indexierung des Kulturbudgets, was wir seit Jahren gefordert haben. Dies würde sicherstellen, dass das Budget an die Inflation angepasst wird und kontinuierlich wächst. Außerdem soll ein Kulturbeirat auf Stadtebene etabliert werden, ähnlich wie in anderen Städten wie Linz. Dieser Beirat soll als Beratungsorgan fungieren und die Expertise der Kulturszene in die Politik einbringen. Diese Maßnahmen sind entscheidend für eine nachhaltige Kulturförderung.

    Inwieweit hat sich die Mobilisierung der Freien Szene bei den Innsbrucker Wahlen niedergeschlagen?

    Die Freie Szene hat durch Demonstrationen und Veranstaltungen im öffentlichen Raum viel Druck ausgeübt. Themen wie Feiern im öffentlichen Raum und die Schaffung von Kulturquartieren waren entscheidend und haben die Wahl beeinflusst. Es gab große Demonstrationen, wie den Tag der Kulturarbeit mit tausenden Teilnehmer*innen, die gezeigt haben, wie wichtig diese Themen für die junge Bevölkerung sind. Die Stadt hat mittlerweile  eine Stelle für Veranstaltungsberatung für Freiluftkultur und Feiern im öffentlichen Raum initiiert, was ein wichtiger Schritt ist.

    Die junge Freie Szene hat im Vorfeld der Wahlen gegenüber der Stadt-Politiker*innen viel mobilisiert. Die Szene hat sich stark für neue Kulturzentren und Veranstaltungsräume im öffentlichen Raum eingesetzt, nachdem in Innsbruck sehr viele Kultur- und Club-Räume geschlossen wurden. Besonders hervorzuheben sind das Kulturzentrum BALE und das Industriegelände in St. Bartlmä, die nun beide als dauerhafte Kulturorte etabliert werden sollten. Innsbruck hat ein großes Raumproblem, und diese Projekte könnten wesentlich zur Lösung beitragen.

    Wie war die Kommunikation zwischen der Freien Szene und der Politik bisher?

    Der Austausch war oft informell und basierte auf Eigeninitiative. Es gab Arbeitskonferenzen mit der Stadtpolitik. Auf diese gehen Projekte wie das stadt_potenziale-Förderprogramm zurück, das Kulturprojekte von einer externen Jury bewerten lässt. Mit der neuen Stadtregierung und dem Kulturbeirat erhoffen wir uns eine bessere, institutionalisierte Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass die Expertise der Szene ernst genommen und in die Politik integriert wird.

    Was erwartest du konkret von der neuen Stadtregierung?

    Wir erwarten, dass die neue Stadtregierung die Notwendigkeit der zentralen Punkte erkennt und offensiv angeht. Diese wurden bereits in der Vergangenheit in Gesprächen und in Podiumsdiskussionen thematisiert und von den Parteien, die jetzt koalieren, unterstützt. Es ist an der Zeit, dass diese Themen in die Tat umgesetzt werden.

    Wie hat die Freie Szene bisher ihre Anliegen an die Politik gebracht?

    Die Zusammenarbeit mit den früheren Stadtregierungen war teilweise schwierig, da hier meistens jede*r gegen jede*n gearbeitet hat. Wir hatten drei Jahre lang ein “freies Spiel der Kräfte” ohne Koalition. Dementsprechend gab es wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Freien Szene. Die ehemalige Kulturstadträtin Uschi Schwarz war jedoch eine positive Ausnahme. Sie hatte ein gutes Verständnis für die Freie Szene und war immer offen für Gespräche. Mit der neuen Stadtregierung erhoffen wir uns eine Fortsetzung dieses offenen Austauschs. Bisher geschah dies oft informell, durch Treffen und Arbeitskonferenzen. Es gab immer wieder Initiativen wie die battlegroup for art, die sich aus verschiedenen Kulturplattformen zusammensetzt. Diese Gruppen haben Projekte wie das stadt_potenziale-Förderprogramm initiiert und sich für die Schaffung neuer Räume eingesetzt. Mit der neuen Stadtregierung und dem Kulturbeirat hoffen wir auf eine bessere, institutionalisierte Kommunikation.

    Welche Rolle nimmt die FPÖ in der Kulturpolitik Innsbrucks ein?

    Die FPÖ hat in Innsbruck bei der letzten Wahl schlecht abgeschnitten, was positiv für die Freie Szene ist. Sie hat regelmäßig gegen kritische Initiativen wie freie Radios, freie Medien, Kulturinitiativen gestimmt und versucht, diese zu diskreditieren. Das sind alles Initiativen, die regelmäßig von der FPÖ als nicht förderwürdig betrachtet worden sind. Da ist es natürlich positiv, wenn es jetzt Mehrheiten gibt, die die Notwendigkeit solcher Institutionen begreifen. Eine stärkere FPÖ-Präsenz wäre problematisch für Kulturinitiativen in Innsbruck. Seit einigen Monaten gibt es bei der FPÖ auch auf Landesebene Versuche, Kulturinitiativen zu diskreditieren. Es wird versucht, ein Bild von den “bösen Kulturinitiativen” zu malen. Das geht auch damit einher, dass die FPÖ auf Bundesebene seit Herbst 2023 verstärkt versucht, ominöse Argumente „gegen Linksextremismus“ anzubringen. Wir hoffen, dass wir mit der neuen Regierung vernünftig arbeiten und langfristige Projekte etablieren können. 

    Die FPÖ stimmt aber wie gesagt grundsätzlich gegen alle Projekte, die von uns kommen – da ist es egal, worum es im Einzelnen geht. Das betrifft die Jahresförderung der Kulturinitiative p.m.k genauso wie Diskussionsreihen, sonstige Spezialformate oder mit uns in Verbindung stehende Festivals. Sollte die Partei auf Stadtebene also mehr mitzureden haben, gehen wir natürlich davon aus, dass das für uns problematisch wäre.

    Welche langfristigen Ziele verfolgt die Freie Szene?

    Langfristig wollen wir sicherstellen, dass die Kulturpolitik in Innsbruck nachhaltig aufgestellt ist. Dazu gehören die genannten Punkte wie die Indexierung des Kulturbudgets, die Schaffung neuer Räume und die Etablierung eines Kulturbeirats. Wir wollen, dass die Kulturpolitik über Legislaturperioden hinweg Bestand hat und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Es ist zudem wichtig, dass die Expertise der Szene in die Politik einfließt und ernst genommen wird.

    Gibt es abschließend noch etwas, das du hervorheben möchtest?

    Es ist entscheidend, dass die neue Stadtregierung die Notwendigkeit erkennt, Kultur als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung zu sehen. Kultur schafft Identität und Gemeinschaft. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die kulturelle Vielfalt gefördert und unterstützt wird. Nur so kann Innsbruck zu einer lebendigen und kreativen Stadt werden, die für alle Menschen lebenswert ist.

    Forderungen an die Kulturpolitik

    • Schaffung neuer Räume für Kunst und Kultur: Dies umfasst sowohl Proberäume als auch Veranstaltungsorte, die dringend benötigt werden.
    • Indexierung des Kulturbudgets: Um finanzielle Sicherheit zu gewährleisten und die Inflation auszugleichen, sollte das Kulturbudget regelmäßig angepasst werden. 
    • Etablierung eines Kulturbeirats: Dieser soll als Schnittstelle zwischen der Szene und der Politik fungieren und die kulturelle Entwicklung der Stadt unterstützen.
    • Anpassung der Lärmschutzverordnung: Um mehr Freiräume für kulturelle Veranstaltungen zu schaffen, ist eine zeitgemäße Lärmschutzverordnung notwendig. Aktuell liegt es immer noch in der Zuständigkeit des zufällig anwesenden Organs festzustellen, was als “zu laut” gilt.
    • Förderschiene stadt_potenziale: Dieser speziell für die Freie Szene gewidmete Kulturfördertopf, der jährlich ausgeschrieben wird und Projekte unterstützt, die sich mit dem Thema Stadt im Allgemeinen und Innsbruck im Besonderen beschäftigen, soll wieder auf €100.000 aufgestockt werden.

    Die meisten dieser Forderungen wurden durch jahrelange Lobbyarbeit und verschiedene Initiativen, wie die Arbeitskonferenzen der battlegroup for art, entwickelt und forciert.

  • Antrag im Tiroler Landhaus zur Unterstützung der Jugend- und Nachtkulturszene einstimmig angenommen

    Good News! Viele werden es im aktuellen Kuddelmuddel vielleicht überlesen haben, aber der dringliche Antrag der SPÖ im Tiroler Landtag mit dem Titel „Die Tiroler Jugendkulturszene ruft nach Hilfe – und wir werden helfen“ wurde einstimmig angenommen. Wiederhole: SÄMTLICHE Fraktionen – ungeachtet des politischen Hintergrunds – konnten sich im Tiroler Landtag darauf einigen, dass das Thema extrem wichtig ist und raschestens bearbeitet gehört. Dass ein Thema von allen Fraktionen mitgetragen wird, erlebt man aktuell auch nicht mehr jeden Tag.

    Ich zitiere an dieser Stelle SP-Jugendsprecher Christian Kovacevic: „Darin geht es um rasche, effektive Maßnahmen zur Absicherung der Klubkultur- und Nachtklubszene in Tirol.“
    Es ist schön zu sehen, dass die konsequente Mobilisierung und Energie der Szene etwas bewirkt und die gegebene Dringlichkeit im Tiroler Landtag Gehör findet.

    Next Stop: Termin im Jänner mit Vertreter:innen von Land, Wirtschaft und der Szene! Gemma Gemma 🙂

  • Flashback: Föhnfest 2015 feat. ESOC

    Impressions of the 2015 festival edition of „Föhnfest – Platform Days for Interactors“ featuring my favourite Spanish performance crew ESOC and my friend Anarella Martínez presenting Lucia Pola’s glowing dress. Thanks to Lucia for the amazing video/editing work.
    I’m looking forward to this year’s edition of the festival and I’m proud to be part of this amazing series. Big respect to my friends Asolcija Mamaril, Daniela Rückner, Yvonne Neyer and Alberto Sanchez for their time and organization.

    FÖHNFEST on tumblr
    FÖHNFEST on Facebook