Schlagwort: interview

  • Der Kubus und das strukturelle Versagen der Kulturraumpolitik

    Der Fall Kubus steht nicht einfach für den Verlust eines weiteren Kulturortes. Er legt eine grundsätzliche kulturpolitische Schwäche der Stadt Innsbruck offen: Kulturraumentwicklung wird bis heute nicht strukturell geplant, sondern situativ, intransparent und meist erst dann bearbeitet, wenn öffentlicher Druck entsteht.

    Dass der Glaskubus am Vorplatz des Tiroler Landestheaters künftig einer rein gastronomischen Nutzung zugeführt wird, ist deshalb nicht nur ernüchternd. Es ist vor allem bezeichnend. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob an diesem Ort auch Gastro denkbar wäre. Die entscheidende Frage lautet, warum ein funktionierender Kulturort in Innsbruck politisch so prekär bleibt, obwohl seit Jahren über Kulturraumpolitik gesprochen wird.

    Reich für die Insel war im Kubus keine beliebige Zwischennutzung. Die Initiative war eine schlüssige inhaltliche Ergänzung zu einem Umfeld, das stark von großen, institutionellen und finanziell wie kulturell höherschwelligen Formaten geprägt ist. Zwischen Landestheater, Haus der Musik, Hofburg und Congress schuf Reich für die Insel einen Ort, der niederschwelliger, offener und beweglicher funktioniert hat. Genau darin lag sein Wert: nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Institutionen, sondern als Ergänzung zu ihnen.

    Solche Orte sind kulturpolitisch relevant, weil sie Lücken schließen, die große Häuser strukturell nicht schließen können. Sie bieten Raum für kleinere Formate, für Szenen, für Übergänge zwischen Kunst, Öffentlichkeit und Alltag, für spontane Kooperationen, für lokale Akteur:innen und für jene kulturellen Praxen, die in institutionell durchgeplanten Häusern oft keinen selbstverständlichen Platz finden. Wer Kulturraumentwicklung ernst meint, müsste genau solche Orte nicht als behelfsmäßige Zwischennutzung behandeln, sondern als Teil einer bewussten städtischen Infrastruktur.

    Hinzu kommt, dass Reich für die Insel nicht nur programmatisch wichtig war, sondern auch infrastrukturell. Die Anbindung an relevante Festivals und Akteur:innen der Stadt war gegeben, gleichzeitig wurden eigene Formate entwickelt und umgesetzt. Auch für das von uns entwickelte Festival Alles Gute war diese Zusammenarbeit zentral. Reich für die Insel hat sich nicht nur inhaltlich eingebracht, sondern der Kubus war auch als Produktions-, Backstage- und Lagerräumlichkeit wesentlich. Gerade daran zeigt sich, wie verkürzt der Blick auf Kulturorte oft ist: Es geht nicht nur um Sichtbarkeit und Programm, sondern auch um die oft unsichtbare Infrastruktur, ohne die kulturelle Produktion in Städten gar nicht funktioniert.

    Genau deshalb reicht es nicht, diese Entscheidung als bedauerlichen Einzelfall abzuhaken. Sie verweist auf ein tiefer liegendes Problem: In Innsbruck wird bis heute nicht überzeugend beantwortet, nach welchen langfristigen Zielen Kulturorte gesichert, entwickelt oder ersetzt werden sollen. Statt eines nachvollziehbaren kulturpolitischen Gesamtbildes entsteht immer wieder der Eindruck, dass auf einzelne Situationen isoliert reagiert wird. Mal wird öffentlicher Druck abgefangen, mal ein Konflikt verwaltet, mal eine Ausschreibung nachgereicht, mal auf spätere Lösungen verwiesen. Was fehlt, ist eine erkennbare Linie.

    Das ist umso bemerkenswerter, als die Debatte über Kulturräume in Innsbruck keineswegs neu ist. Seit Jahren ist bekannt, dass es an leistbaren, flexibel nutzbaren und nicht-kommerziell verengten Räumen fehlt. Ebenso lange ist bekannt, dass funktionierende Initiativen für die Stadt einen realen Mehrwert erzeugen: kulturell, sozial, atmosphärisch und nicht zuletzt auch für jene Form von Urbanität, mit der Innsbruck sich gerne schmückt. Trotzdem bleiben diese Orte politisch prekär. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Kulturpolitik, die Räume noch immer zu selten als dauerhafte Infrastruktur begreift.

    Gerade der Standort rund um den Vorplatz des Tiroler Landestheaters zeigt das besonders deutlich. Seit Jahren stockt dort nicht nur die räumliche und städtebauliche Entwicklung, auch inhaltlich fehlt eine erkennbare, konsistente Vorstellung davon, was dieser Ort für die Stadt eigentlich sein soll. Der Platz verharrt in einem Zustand des Ungefähren, halb repräsentativ, halb Transitraum, halb Aufenthaltsfläche, ohne klare städtische Idee. Umso wichtiger wäre es gewesen, Nutzung nicht nur verwaltungstechnisch, sondern stadt- und kulturpolitisch zu denken. Ein Ort wie der Kubus hätte Teil einer ernst gemeinten Gesamtstrategie für diesen Raum sein können.

    Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob Reich für die Insel den Kubus “verdient” hat. Die eigentliche Frage ist, warum funktionierende Kulturorte in Innsbruck selbst dann keinen stabilen politischen Status haben, wenn sie längst bewiesen haben, dass sie für den Standort, für Szenen und für konkrete Produktionen relevant sind. Wenn solche Orte jederzeit wieder zur Verfügungsmasse werden, dann fehlt es nicht an engagierten Akteur:innen, sondern an politischer Verlässlichkeit.

    Großen Respekt an Severin, Hannah, Xi und das gesamte Team für das, was ihr dort in den letzten Jahren aufgebaut und getragen habt. Ihr habt gezeigt, was ein solcher Ort leisten kann, wenn man ihn nicht bloß verwaltet, sondern mit Haltung, Energie und inhaltlichem Gespür betreibt. Dass das an diesem Standort künftig fehlen wird, ist nicht nur ein Verlust für euch, sondern ein Verlust für die Stadt.

    Und genau darin liegt die kulturpolitische Pointe dieses Falls: Innsbruck reagiert in Fragen von Kulturraum noch immer zu oft zergliedert, situationsbezogen und unter Druck, statt vorausschauend, transparent und strukturell. Solange sich daran nichts ändert, wird man weiter über einzelne verlorene Orte diskutieren, ohne das zugrunde liegende Problem zu lösen.

  • Demokratie ist kein Komfortzustand

    Demokratie ist kein Komfortzustand

    Vergangene Woche war ich im Rahmen der Gesprächsreihe „Museum im Werden“ der Tiroler Landesmuseen eingeladen, um über das Verhältnis zwischen freier Kulturszene und großen Institutionen zu sprechen. Ausgangspunkt war die scheinbar einfache Frage: Wo liegen die Unterschiede – und wo ergeben sich sinnvolle Schnittstellen der Zusammenarbeit?

    Im Verlauf des Gesprächs wurde für mich aber deutlich, dass die eigentliche Frage weniger darin liegt wer welche Rolle erfüllt, sondern vielmehr darin, wofür wir gemeinsam stehen und welche gesellschaftliche Verantwortungen wir teilen. Wir befinden uns mMn längst in einem Kulturkampf, der international – insbesondere in den USA – bereits offen ausgetragen wird und der auch Europa zunehmend erfasst.

    Es geht dabei nicht mehr ausschließlich um Kunstproduktion im engeren Sinn, sondern um Deutungshoheit, um Sichtbarkeit und letztlich um die Frage, wessen Perspektiven, Geschichten und Erfahrungen präsent sind – und welche systematisch ausgeblendet werden.

    Die freie Szene agiert schneller, beweglicher und experimenteller. Sie testet Formate, setzt Impulse, irritiert etablierte Narrative und schafft Räume, in denen sich Menschen ermächtigen, vernetzen und organisieren können. Gerade diese Offenheit und Reaktionsfähigkeit machen sie politisch exponiert. International lässt sich beobachten, wie rechte Akteur:innen deshalb gezielt jene Orte unter Druck setzen, an denen Gegenöffentlichkeit entsteht – unabhängige Medien, subkulturelle Räume, soziale Initiativen. Denn sie wissen: Wer kulturelle Infrastruktur schwächt, schwächt damit auch die demokratische Resilienz einer Gesellschaft.

    Große Institutionen verfügen über stabilere Budgets, längerfristige Strukturen und eine formale Legitimation, die sie weniger unmittelbar angreifbar erscheinen lässt. Doch Stabilität ist nicht gleichbedeutend mit Neutralität. Museen, Theater oder Archive treffen ebenfalls Entscheidungen darüber, was gesammelt, ausgestellt und erinnert wird – und was nicht. In diesen Auswahlprozessen manifestiert sich Verantwortung. Wenn demokratische Räume unter Druck geraten, genügt es also nicht mehr Programme zu kuratieren; dann ist Haltung und auch Solidarität gefragt.

    Kooperationen zwischen freier Szene und Institutionen können sinnvoll sein, sofern sie nicht auf symbolische Imagepflege reduziert werden. Kooperationen, bei denen strukturell schwächere Akteur:innen Risiken tragen, während andere von Legitimation profitieren, untergraben langfristig Vertrauen. Ebenso verkürzt wäre es aber auch, Institutionen ausschließlich auf schwerfällige Apparate zu reduzieren oder die freie Szene auf den fleissigen Ideenlieferanten. Beide sind Teil demokratischer Infrastruktur – mit unterschiedlichen, aber komplementären Funktionen; irritieren, stabilisieren; beide tragen zur Legitimation kultureller Öffentlichkeit bei.

    Was richtig nervt ist, dass Kulturorte, sobald sie recht gut gefördert werden, gern anfangen die Pappm zu halten – auch in der freien Szene. Reibung, besonders nach außen, wird dann gerne vermieden. Aber Demokratie ist kein Komfortzustand, sondern ein dauernder Aushandlungsprozess. Sie lebt von Widerspruch, von Differenz, und auch von produktiver Spannung. Kultur ist kein bloßes Unterhaltungsangebot, sondern ein Raum, in dem gesellschaftliche Bruchlinien sichtbar werden. Wer diesen Raum neutralisieren möchte, versteht seine Funktion nicht.

    Freie Szene und Institutionen müssen nicht in allen Fragen übereinstimmen – das wäre weder realistisch noch wünschenswert. Entscheidend ist aber, dass wir gemeinsam dafür einstehen, dass kulturelle Freiheit, künstlerische Autonomie und demokratische Offenheit nicht in Frage gestellt werden dürfen. Wenn wir uns in einem enger werdenden politischen Handlungsspielraum primär als Konkurrent:innen sehen, verlieren wir nicht nur Energie, sondern bald auch die Räume, in denen wir arbeiten und wirken.

    Deshalb ist Kulturpolitik für mich ist kein Randthema, sondern ein Gradmesser demokratischer Verfasstheit. Und genau deshalb ist die Frage nach Zusammenarbeit zwischen freier Szene und Institutionen keine organisatorische Detailfrage, sondern auch eine politische.

    ____

    too long; didn’t read: Wir stehen längst in einem Kulturkampf – es geht nicht um Programme, sondern um Macht, Sichtbarkeit und darum, wessen Stimmen zählen.

  • Beitrag zum Clubkultur-Sterben im 6020 Stadtmagazin

    September 2025-Ausgabe des 6020 Stadtmagazins

  • Wie zu erwarten war, bleibt’s schwierig: Zur aktuellen Lage der Innsbrucker (Sub)kultur

    Wie zu erwarten war, bleibt’s schwierig: Die junge Kulturszene in Innsbruck steigt seit Monaten regelmäßig auf die Barrikaden und macht ihrem Ärger Luft – aus Notwehr, aus Verzweiflung und trotzdem stets mit grundsätzlich positivem Ansatz: bewundernswert. Aber auch verständlich, wenn vorne und hinten entsprechende Ressourcen für qualitätsvolle Kulturarbeit fehlen – Raum auf der einen Seite, langfristige Perspektiven auf der anderen. Dazwischen herrschen prekäre Förderbedingungen für junge Initiativen, die zwar unglaublich motiviert, aber nicht bereits seit zwanzig oder vierzig Jahren in dieser Stadt tätig sind. Die keine eigenen Häuser, keinen eigenen Viaduktbogen, keinen eigenen Keller, keinen eigenen Turm bespielen können.

    Wie soll man als junge, motivierte Kulturinitiative heute auf Dauer hier arbeiten, ohne sich eher früher als später in den nächsten Railjet oder die Sillschlucht hinunterzustürzen? Man kann mittlerweile förmlich spüren, wie sich bereits alle auf die Saison der illegalisierten Open-Air-Raves in Tirol freuen – jene Formate, die abseits von Anrainerbeschwerden, Privatwirtschaft oder Bittsteller*innentum existieren; bei denen man sich einfach wieder auf das konzentrieren kann, worum es eigentlich einmal gegangen ist.

    Doch der letzte Feind des Raves ist bekanntlich das Vogelbrut-Schutzgebiet – und die unvorhersehbare Böe des warmen Föhns. Der Anrainer ergötzt sich schon jetzt am störenden Bass, die Exekutive wird vermutlich bereits gestern unterwegs gewesen sein.

    Neben den Problemen, mit denen sich Initiativen wie Talstation, Pembau, Bale, Reich für die Insel & Co. herumschlagen müssen (anstatt ihrer eigentlichen Tätigkeit – der Kulturarbeit – nachzugehen), brechen nun auch substanzielle Lobbystrukturen und Netzwerke wie die Innsbruck Club Commission und das Projekt Luisa ist hier zusammen.

    Man kann zum Handlungsleitfaden der Kampagne stehen, wie man möchte, aber ein zentrales Ziel von LUISA IST HIER war immer die Bewusstseinsschärfung für sexualisierte Gewalt im Nachtleben; und das hat ziemlich gut funktioniert. Mittlerweile hat sich die Zeit bekanntlich weitergedreht, und neue Sicherheits- bzw. Awarenesskonzepte wären notwendig. Aber die Mühlen der Politik und Verwaltung mahlen langsam – ein flexibles Reagieren auf veränderte Umstände spielt’s hier nicht. Also werden diese Strukturen mühsam aus dem subkulturellen Umfeld aufgebaut werden, bis ihre Wichtigkeit politisch anerkannt wird – und vielleicht ein bisschen Geld dafür fließen darf. Und dann dreht sich das Rad vielleicht wieder ein Stückchen weiter.

    Man sieht also aktuell, was passiert, wenn man eine Interessensvertretung wie die ICC über Jahre auf absoluter Sparflamme arbeiten lässt. Dann ist es selbstverständlich nicht möglich, auf Dauer hochwertige Arbeit mit entsprechender Qualitätssicherung sicherzustellen. Mit sechs Stunden pro Woche kann man nirgendwo große Würfe erwarten, ohne dass die dahinterstehenden Personen ausbrennen. Das ist extrem schade – denn gerade diese Strukturen wären essenziell für eine lebendige Kulturszene im Westen. In anderen Bundesländern sieht man bereits, welchen Impact solche Strukturen haben können – besonders, wenn sie gut mit der Lokalpolitik zusammenarbeiten.

    Ohne eine Lobby wie die Tiroler Kulturinitiativen wäre die Kulturlandschaft in Tirol – und in Innsbruck im Speziellen – wahrscheinlich mittlerweile so verroht, dass man abseits von Traditions- und Repräsentationskultur kaum noch etwas vorfinden würde. Manchen wäre vielleicht auch das recht.

    Aber man darf davon ausgehen, dass der derzeitige Widerstand nicht so schnell brechen wird – nicht so schnell brechen darf.

    Wir steuern aktuell auf einen interessanten Sommer zu.

  • Über Generationenkonflikte im Kulturbetrieb

    Dieser Text ist in der aktuellen Ausgabe des IG Kultur Magazins erschienen.

    Brücken bauen und Sessel sägen

    Dass die freie Kulturszene derzeit in einem Generationenumbruch begriffen ist, ist kein Geheimnis. Viele etablierte und geförderte Kulturzentren, die als gemeinnützige Vereine organisiert sind, identifiziert man mit „der einen“ Person oder einem eingeschworenen Grüppchen, das seit Jahrzehnten aus denselben Mitgliedern besteht. In dieser Hinsicht ähneln diese Initiativen Firmen mit langjährigen Senior- und Juniorchef*innen. Ebenso ist bekannt, dass Generationenwechsel oft schwierig bis gar nicht funktionieren. Man landet im Gespräch schnell bei Vorwürfen der Sesselkleberei oder dass „die Jungen“ ohnehin keine Chance bekommen würden, bevor „die Alten“ nicht das Zeitliche segnen würden. Dementsprechend schnell können Gespräche verletzende Wendungen nehmen und hart an der Ignoranzgrenze oder überhaupt weit darunter verlaufen. Es sind Momente wie diese, in denen klar wird, dass der freie Kulturbetrieb eben auch nur ein Teil der Gesellschaft mit all ihren Konflikten ist.

    Ein großes Problem entsteht aber dann, wenn sämtliche Schlüsselfähigkeiten und Weisungsbefugnisse auf eine oder wenige Personen konzentriert werden und eine Übergabe nicht einmal für den Fall der Fälle vorbereitet wird.

    Vereinbarungen werden überlicherweise zu einem Zeitpunkt getroffen, wenn man sich (noch) versteht; doch was tun, wenn der Haussegen bereits schief hängt oder man nicht mehr miteinander reden kann oder gar nicht will? Es ist selbstverständlich nicht einfach, eine Struktur und ein geliebtes Projekt, mit dem man im Laufe vieler Jahre verwachsen ist, hinter sich zu lassen. Oder auch die eigene Expertise in Frage zu stellen, nachdem man einer Sache den Gutteil seines Lebens gewidmet, sowie wertvolle Netzwerk- und Aufbauarbeit geleistet hat. Kulturinitiativen sind zudem meist anders strukturiert als große Firmen mit starren Hierarchien, in denen ganz klar ist, welche Position einer anderen welche Weisungen erteilen kann. Vieles ergibt sich im Tun oder wechselt über die Jahre. Ein großes Problem entsteht aber dann, wenn sämtliche Schlüsselfähigkeiten und Weisungsbefugnisse auf eine oder wenige Personen konzentriert werden und eine Übergabe nicht einmal für den Fall der Fälle vorbereitet wird. Sollten diese Personen dann wirklich längerfristig ausfallen, steht der gesamte Betrieb still. Genauso problematisch ist die „pro forma“-Übergabe, bei der im täglichen Betrieb alles weiterläuft wie bisher und die neue Person in Wirklichkeit nichts entscheiden kann, ohne überwacht und sofort zurückgepfiffen zu werden. Beide Varianten verhindern, dass sich ein fruchtbarer Generationendialog unter Kulturarbeiter*innen ergibt, der Wissen und Expertise wertschätzt, weitertragen, langfristig sichern und das Beste für die Kulturinitiative erwirken kann. Zumindest hinterfragt werden darf auch das „dynastische“ Denken, bei dem – wie in einem Familienbetrieb – selbstverständlich die eigenen Kinder den Betrieb weiterführen sollten, auch wenn es dazu klare Alternativen gäbe: Ausschreibungen.

    Klar ist: Es muss sichergestellt werden, dass die jahrzehntelange Arbeit der Vorgängergeneration wertgeschätzt wird und daran angeknüpft werden kann. Klar ist aber auch: Es frustriert jüngere Initiativen, wenn diese keinen Zugriff auf Ressourcen oder kulturelle Gestaltungsmöglichkeiten bekommen. Gegenüber Fördergeberinnen argumentieren „die Jungen“ dann, warum es jetzt „schon wieder“ etwas Neues braucht, obwohl doch bereits tolle kulturelle Räume vorhanden sind. Bereits stärker verankerte Initiativen sind oft mit anderen Themen oder sich selbst beschäftigt und nicht bereit, bestehende Ressourcen (Raum oder Geld) abzugeben – gerade weil in der freien Kulturlandschaft so gut wie niemand im Überfluss arbeitet und lebt. Ressourcen, die man sich hart erarbeitet hat, wollen also bewahrt werden. Fest steht: Einfach nur für einen Abend Untermieterin in einem bestehenden Kulturzentrum zu sein, ist wenig motivierend und hat in den wenigsten Fällen mit jener leidenschaftlichen Kulturarbeit zu tun, die viele eigentlich anstreben. Häufig passiert es aber, dass Grenzen innerhalb der Kulturszene härter verteidigt werden als gegenüber Dritten, da man auf demselben „Schlachtfeld“ um Ressourcen, Prestige und gesellschaftlichen Einfluss kämpft. Dazu gesellt sich gerne die Gewissheit, dass man selbst besser wüsste, was „gute“ und „wertvolle“ Kulturarbeit wäre, wohingegen die anderen deutlich weniger spannende Projekte verfolgten – aus welchen Gründen auch immer. Das Auftreten gegenüber Politik, Verwaltung und Fördergeber*innen fällt in diesen Fällen sogar leichter, als sich mit anderen Kulturinitiativen zu streiten, die es ja „eigentlich eh wissen müssten“. Im Laufe der letzten 13 Jahre Kulturarbeit habe ich genügend Situationen miterlebt, die sich genau so oder in leichter Variation abgespielt haben.

    Aus diesem Grund möchte ich auch nicht anderen Kulturzentren im Detail erklären, wie sie ihre Generationenübergabe organisieren sollen. Es ist immer leichter, die vermeintlichen und offensichtlichen Fehler von anderen zu bekritteln, als die in den eigenen Projekten zu bearbeiten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einen Blick auf meine eigene Arbeit und meine Eindrücke im Kulturzentrum p.m.k richten. Dieses kenne ich sehr gut, da ich dort seit mittlerweile acht Jahren als Geschäftsführer tätig bin.

    Die p.m.k – plattform mobile kulturinitiativen ist ein Kulturzentrum in Innsbruck und besteht aktuell aus 35 Kulturvereinen mit über zweihundert Mitgliedern. Die Altersspanne der einzelnen Mitglieder beträgt um die vierzig Jahre, von Anfang zwanzig bis Mitte sechzig. Der Schwerpunkt liegt auf dem Veranstalten von Konzerten, performativen und diskursiven Kulturveranstaltungen. Alle Veranstaltungen werden dabei eigenständig von den Mitgliedsvereinen organisiert und umgesetzt, die p.m.k bildet als Dachverband bzw. Zusammenschluss den Überbau, das Forum und die Struktur. Die p.m.k als Verein wurde 2004 von Kulturarbeiterinnen aus der freien Innsbrucker Szene gegründet, als Reaktion auf einen eklatanten Raummangel. Mit der Umsetzung schuf man einen Raum, der durch seine Mitgliedsvereine niederschwellig bespielbar ist und vor allem Möglichkeiten zur Mitgestaltung bietet. Alle zwei Wochen werden im Rahmen einer Beiratssitzung (Plenum) sämtliche größere und kleinere Entscheidungen per Mehrheitsvotum getroffen. Dies ist auch der Ort, an dem Wissen weitergegeben wird, in dem bereits erfahrene Vereine Tipps und Arbeitsweisen weitergeben können. Viele tun sich hier leichter, Fragen zu stellen, als bei einer Interessensgemeinschaft anzurufen, die sich vielleicht noch nicht persönlich kennengelernt haben. Ja, auch hier muss man sich als neu dazu gekommene Initiative zuerst einmal orientieren, hat aber sofort ein Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht, was die Identifikation mit dem gemeinsamen Kulturzentrum schnell verstärkt. Die eigene Expertise kann somit in das Projekt einfließen, ohne dass man lediglich wie ein:e Untermieterin oder ein Schulkind behandelt wird.

    Zwanzig Jahre später existiert unser Verein noch immer, die Struktur und der Zweck der p.m.k sind ebenfalls gleich geblieben. Trotzdem fühlt sich die p.m.k heute anders an als vor zehn oder zwanzig Jahren. Diese Transformation hat nicht nur mit personellen Veränderungen und räumlichen Adaptionen zu tun, sondern ergibt sich vor allem aus den Menschen, die in die Entscheidungsprozesse der vergangenen Jahre eingebunden wurden. Unsere jungen Mitgliedsvereine bringen andere Themen ein, die ihnen wichtig sind, als Vereine, die schon seit zwanzig Jahren tätig sind. Ich selbst habe ebenfalls andere Schwerpunkte und Impulse gesetzt als meine geschätzte Vorgängerin Ulrike Mair, die die p.m.k vor allem in den ersten Jahren mit viel juristischem und kulturpolitischem Know-how unterstützte. Aktuell teilen sich mein Kollege Chris Koubek und ich die Geschäftsführung und Büroarbeit, wobei wir anstreben, eine dritte Person ins Büroteam einzugliedern, die einen anderen Background mitbringt als wir selbst. Es liegt auf der Hand, dass divers besetzte Gruppen anders entscheiden und anders miteinander umgehen als eine homogenere Gruppe. Dazu sei gesagt: Der Anteil von BIPoC-Mitgliedern in der p.m.k ist aktuell immer noch sehr niedrig, die Anzahl von FLINTA-Personen bei Beiratssitzungen und bei Vorstandsmitgliedern hat sich in den letzten Jahren etwas erhöht, könnte und sollte jedoch selbstverständlich höher sein. Dieser Umstand gilt grundsätzlich für fast alle Kulturinitiativen, die ich in Tirol kenne.

    Auch aktuell, nach zwei Jahrzehnten, entwickelt sich die p.m.k weiter. Im Rahmen einer gemeinsamen Klausur wurde klar, dass sich der Großteil der Mitglieder Veränderungen im Bereich der Kommunikation wünscht. Das betrifft zum einen die Kommunikation mit den Besucher*innen (Social Media, Werbung, Website), sowie mit potentiellen Mitgliedern und nach innen, was mit der Erarbeitung eines gemeinsamen Selbstverständnisses einhergeht. Vieles, was über die Jahre informell gewachsen ist, soll endlich explizit festgehalten werden. Gleichzeitig muss und soll an gemeinsamen Strategien zum besseren Umgang mit Konflikten innerhalb des Vereins gearbeitet werden. All diese Aspekte sind wichtig, um eine Kulturinitiative langfristig und motiviert am Leben zu erhalten. Hier bin ich zuversichtlich, auch wenn es selbstverständlich Themen gibt, an denen wir sensibler arbeiten und die wir entschlossener angehen müssen.

    Grundsätzlich bin ich zuversichtlich, dass die p.m.k in Innsbruck langfristig ein spannender Ort bleibt, der Kulturvereine aktiv einbinden und inspirieren kann. Sollte das einmal nicht mehr der Fall sein, muss man sich anschauen, was schief läuft und entsprechend reagieren. Zentral bleibt, dass es nicht „die eine“ Person in der p.m.k gibt, die alles entscheidet und mit aller Gewalt ihr Ding durchdrücken will. Das wäre nie die Idee unseres Kulturzentrums gewesen. Ich hoffe jedenfalls ernsthaft, dass es nicht soweit kommen muss, dass „die Jungen“ mir einmal sagen müssen, dass ich ihnen die Möglichkeit verbaue, selbst aktiv zu werden oder den Zugriff auf kulturelle Ressourcen verstelle. Spätestens dann müsst ihr mich rausschmeißen, versprochen?! Ich freue mich aber, wenn ich die p.m.k noch ein Stückchen begleiten darf und wir gemeinsam als Brückenbauer*innen innerhalb und über die Szene hinaus aktiv sind.

  • Alumni-Portrait Komparatistik Innsbruck

    Vor Kurzem hatte ich die Ehre, von meiner Alma Mater, der Universität Innsbruck, einmal wieder zu einem Alumni-Portrait eingeladen zu werden. Auf ihrem Instagram-Kanal durfte ich meine Erfahrungen und Perspektiven teilen – darüber, was man mit einem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft (Komparatistik) erreichen kann.

    Für mich war das Studium eine prägende Zeit, die nicht nur meine analytischen und sprachlichen Fähigkeiten geschärft hat, sondern mir auch die Tür zu meiner Leidenschaft und meinem Berufsfeld geöffnet hat: dem Veranstaltungs- und Kulturbereich. Hier kann ich mein Wissen über unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen und Narrative nutzen, um Veranstaltungen zu planen, kreative Projekte umzusetzen und kulturellen Austausch zu fördern.

    Es war mir eine Freude, angehenden Absolvent:innen und Interessierten zu zeigen, dass ein geisteswissenschaftliches Studium vielfältige Möglichkeiten eröffnet. Mein Weg ist nur ein Beispiel dafür, wie man Leidenschaft für Literatur, Kultur und Organisation in einem erfüllenden Beruf vereinen kann.

  • 6020 Magazin: Beitrag zu 20 Jahre p.m.k

    Beitrag im aktuellen 6020 Magazin zum 20 jährigen Jubiläum des Kulturzentrums p.m.k. Vielen Dank für die Unterstützung und die Berichterstattung!
    NOVEMBER 2024

  • Interview KUPF-Zeitung:

    Für ein lebendiges und kreatives Innsbruck

    Interview mit Verena Humer (GF der KUPF) der Zeitung der KUPF, erschienen am 12.09.2024
    LINK

    Die Stadt Innsbruck hat im April 2024 gewählt und wird nun von einer Koalition aus JA – Jetzt Innsbruck, den Grünen und der SPÖ regiert. Was bedeutet das für Kulturpolitik und Freie Szene? Verena Humer hat bei David Prieth, der u.a. Vorstandsmitglied der TKI – Tiroler Kulturinitiativen ist, nachgefragt. 

    Innsbruck hat gewählt
    In Innsbruck wurde am 14. und 28. April 2024 gewählt. Seit 16. Mai steht die neue Stadtkoalition. Sie besteht aus JA – Jetzt Innsbruck, den Grünen und der SPÖ. Im Stadtsenat sind Bürgermeister Johannes Anzengruber (Ja – Jetzt Innsbruck), der 1. Vizebürgermeister Georg Willi (Grüne), die 2. Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (SPÖ), Stadträtin Mariella Lutz (Ja – Jetzt Innsbruck) und Stadträtin Janine Bex (Grüne) als ressortführende Mitglieder vertreten, der FPÖ obliegt keinerlei Amtsausführung. Mit dem Leitsatz „Kulturräume erhalten und neue schaffen“ werden die Kulturförder- und Unterstützungsmaßnahmen, die bereits in der Kulturstrategie 2030 festgelegt sind, im Ende Mai präsentierten Zukunftsvertrag weiter fortgeschrieben. Dem Thema „Feiern im öffentlichen Raum“ ist ein eigenes Unterkapitel gewidmet, was die Notwendigkeit von Maßnahmen in diesem Bereich unterstreicht.

    Entgeltliche Einschaltung

    Verena HumerWas kann diese Regierung, was verspricht sie und was wird sie halten?

    David Prieth: Positiv ist, dass das Veranstaltungsressort bei Bürgermeister Hannes Anzengruber und das Kulturressort bei Vizebürgermeister Georg Willi liegen. In dieser Kombination erwarten wir uns als Freie Szene eine produktive Arbeit sowie einen konstruktiven Austausch. Es gibt z. B. von der neuen Stadtregierung endlich auch Pläne zur Indexierung des Kulturbudgets, was wir seit Jahren gefordert haben. Dies würde sicherstellen, dass das Budget an die Inflation angepasst wird und kontinuierlich wächst. Außerdem soll ein Kulturbeirat auf Stadtebene etabliert werden, ähnlich wie in anderen Städten wie Linz. Dieser Beirat soll als Beratungsorgan fungieren und die Expertise der Kulturszene in die Politik einbringen. Diese Maßnahmen sind entscheidend für eine nachhaltige Kulturförderung.

    Inwieweit hat sich die Mobilisierung der Freien Szene bei den Innsbrucker Wahlen niedergeschlagen?

    Die Freie Szene hat durch Demonstrationen und Veranstaltungen im öffentlichen Raum viel Druck ausgeübt. Themen wie Feiern im öffentlichen Raum und die Schaffung von Kulturquartieren waren entscheidend und haben die Wahl beeinflusst. Es gab große Demonstrationen, wie den Tag der Kulturarbeit mit tausenden Teilnehmer*innen, die gezeigt haben, wie wichtig diese Themen für die junge Bevölkerung sind. Die Stadt hat mittlerweile  eine Stelle für Veranstaltungsberatung für Freiluftkultur und Feiern im öffentlichen Raum initiiert, was ein wichtiger Schritt ist.

    Die junge Freie Szene hat im Vorfeld der Wahlen gegenüber der Stadt-Politiker*innen viel mobilisiert. Die Szene hat sich stark für neue Kulturzentren und Veranstaltungsräume im öffentlichen Raum eingesetzt, nachdem in Innsbruck sehr viele Kultur- und Club-Räume geschlossen wurden. Besonders hervorzuheben sind das Kulturzentrum BALE und das Industriegelände in St. Bartlmä, die nun beide als dauerhafte Kulturorte etabliert werden sollten. Innsbruck hat ein großes Raumproblem, und diese Projekte könnten wesentlich zur Lösung beitragen.

    Wie war die Kommunikation zwischen der Freien Szene und der Politik bisher?

    Der Austausch war oft informell und basierte auf Eigeninitiative. Es gab Arbeitskonferenzen mit der Stadtpolitik. Auf diese gehen Projekte wie das stadt_potenziale-Förderprogramm zurück, das Kulturprojekte von einer externen Jury bewerten lässt. Mit der neuen Stadtregierung und dem Kulturbeirat erhoffen wir uns eine bessere, institutionalisierte Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass die Expertise der Szene ernst genommen und in die Politik integriert wird.

    Was erwartest du konkret von der neuen Stadtregierung?

    Wir erwarten, dass die neue Stadtregierung die Notwendigkeit der zentralen Punkte erkennt und offensiv angeht. Diese wurden bereits in der Vergangenheit in Gesprächen und in Podiumsdiskussionen thematisiert und von den Parteien, die jetzt koalieren, unterstützt. Es ist an der Zeit, dass diese Themen in die Tat umgesetzt werden.

    Wie hat die Freie Szene bisher ihre Anliegen an die Politik gebracht?

    Die Zusammenarbeit mit den früheren Stadtregierungen war teilweise schwierig, da hier meistens jede*r gegen jede*n gearbeitet hat. Wir hatten drei Jahre lang ein “freies Spiel der Kräfte” ohne Koalition. Dementsprechend gab es wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Freien Szene. Die ehemalige Kulturstadträtin Uschi Schwarz war jedoch eine positive Ausnahme. Sie hatte ein gutes Verständnis für die Freie Szene und war immer offen für Gespräche. Mit der neuen Stadtregierung erhoffen wir uns eine Fortsetzung dieses offenen Austauschs. Bisher geschah dies oft informell, durch Treffen und Arbeitskonferenzen. Es gab immer wieder Initiativen wie die battlegroup for art, die sich aus verschiedenen Kulturplattformen zusammensetzt. Diese Gruppen haben Projekte wie das stadt_potenziale-Förderprogramm initiiert und sich für die Schaffung neuer Räume eingesetzt. Mit der neuen Stadtregierung und dem Kulturbeirat hoffen wir auf eine bessere, institutionalisierte Kommunikation.

    Welche Rolle nimmt die FPÖ in der Kulturpolitik Innsbrucks ein?

    Die FPÖ hat in Innsbruck bei der letzten Wahl schlecht abgeschnitten, was positiv für die Freie Szene ist. Sie hat regelmäßig gegen kritische Initiativen wie freie Radios, freie Medien, Kulturinitiativen gestimmt und versucht, diese zu diskreditieren. Das sind alles Initiativen, die regelmäßig von der FPÖ als nicht förderwürdig betrachtet worden sind. Da ist es natürlich positiv, wenn es jetzt Mehrheiten gibt, die die Notwendigkeit solcher Institutionen begreifen. Eine stärkere FPÖ-Präsenz wäre problematisch für Kulturinitiativen in Innsbruck. Seit einigen Monaten gibt es bei der FPÖ auch auf Landesebene Versuche, Kulturinitiativen zu diskreditieren. Es wird versucht, ein Bild von den “bösen Kulturinitiativen” zu malen. Das geht auch damit einher, dass die FPÖ auf Bundesebene seit Herbst 2023 verstärkt versucht, ominöse Argumente „gegen Linksextremismus“ anzubringen. Wir hoffen, dass wir mit der neuen Regierung vernünftig arbeiten und langfristige Projekte etablieren können. 

    Die FPÖ stimmt aber wie gesagt grundsätzlich gegen alle Projekte, die von uns kommen – da ist es egal, worum es im Einzelnen geht. Das betrifft die Jahresförderung der Kulturinitiative p.m.k genauso wie Diskussionsreihen, sonstige Spezialformate oder mit uns in Verbindung stehende Festivals. Sollte die Partei auf Stadtebene also mehr mitzureden haben, gehen wir natürlich davon aus, dass das für uns problematisch wäre.

    Welche langfristigen Ziele verfolgt die Freie Szene?

    Langfristig wollen wir sicherstellen, dass die Kulturpolitik in Innsbruck nachhaltig aufgestellt ist. Dazu gehören die genannten Punkte wie die Indexierung des Kulturbudgets, die Schaffung neuer Räume und die Etablierung eines Kulturbeirats. Wir wollen, dass die Kulturpolitik über Legislaturperioden hinweg Bestand hat und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Es ist zudem wichtig, dass die Expertise der Szene in die Politik einfließt und ernst genommen wird.

    Gibt es abschließend noch etwas, das du hervorheben möchtest?

    Es ist entscheidend, dass die neue Stadtregierung die Notwendigkeit erkennt, Kultur als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung zu sehen. Kultur schafft Identität und Gemeinschaft. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die kulturelle Vielfalt gefördert und unterstützt wird. Nur so kann Innsbruck zu einer lebendigen und kreativen Stadt werden, die für alle Menschen lebenswert ist.

    Forderungen an die Kulturpolitik

    • Schaffung neuer Räume für Kunst und Kultur: Dies umfasst sowohl Proberäume als auch Veranstaltungsorte, die dringend benötigt werden.
    • Indexierung des Kulturbudgets: Um finanzielle Sicherheit zu gewährleisten und die Inflation auszugleichen, sollte das Kulturbudget regelmäßig angepasst werden. 
    • Etablierung eines Kulturbeirats: Dieser soll als Schnittstelle zwischen der Szene und der Politik fungieren und die kulturelle Entwicklung der Stadt unterstützen.
    • Anpassung der Lärmschutzverordnung: Um mehr Freiräume für kulturelle Veranstaltungen zu schaffen, ist eine zeitgemäße Lärmschutzverordnung notwendig. Aktuell liegt es immer noch in der Zuständigkeit des zufällig anwesenden Organs festzustellen, was als “zu laut” gilt.
    • Förderschiene stadt_potenziale: Dieser speziell für die Freie Szene gewidmete Kulturfördertopf, der jährlich ausgeschrieben wird und Projekte unterstützt, die sich mit dem Thema Stadt im Allgemeinen und Innsbruck im Besonderen beschäftigen, soll wieder auf €100.000 aufgestockt werden.

    Die meisten dieser Forderungen wurden durch jahrelange Lobbyarbeit und verschiedene Initiativen, wie die Arbeitskonferenzen der battlegroup for art, entwickelt und forciert.

  • Interview Tirol Heute SA 30.03.

    Wer bei gutem Wetter durch Innsbrucks Innenstadt fährt, weiß: Innsbrucks Jugend sitzt mittlerweile vor allem auf dem Asphalt zwischen Inn und Straßenkreuzung herum, der im Volksmund „Marktplatz“ genannt wird (die Vorgeschichte rund um das Innufer kennen wir). Eine unwürdige Situation. Es leben rund 44.000 Menschen zwischen 15 und 29 Jahren in Innsbruck, für viele gibt es im öffentlichen Raum viel zu wenig Angebote. Gleichzeitig wird verschiedenen Kulturinitiativen das Leben schwer gemacht – auch wenn sie in verschiedenen Industriegebieten tätig sind (zu laut, zu nervig). Tirol Heute hat sich dem Thema vergangenen Samstag recht umfangreich gewidmet und es war mir wichtig auch hier wieder ein paar klare Worte zur Situation zu finden.

    In zwei Wochen wird gewählt und dieses Mal wird es für alle Parteien wichtig sein auch all jene Menschen bei Laune zu halten die in dieser Stadt etwas gestalten oder erleben wollen, wenn diese Stadt eine Zukunft haben soll

  • Heute live zu Gast in „Hallo Tirol“ (Radio Tirol) ab 13:00 Uhr

    Wieviel konstruktiver ist eine große Fläche voller Schotter als das vor 4 Jahren abgerissene Veranstaltungszentrum HAFEN? Wieviele Anrainer:innen hat es benötigt, um den Weekender-Club umzubringen? (Spoiler: < 2). Warum hat eine gezielte Entwicklung des Areals St. Bartlmä nicht geklappt? Und wie viele Projekte werden noch im Inn versenkt, weil die Umgangsformen im Innsbrucker Gemeinderat ungefähr so konstruktiv sind wie die Pressekonferenz von Tic Tac Toe 1997? (never forget)

    Als bekennender Radio-*Bundesland*-Enthusiast freut es mich heute ab 13:00 Uhr in der Sendung „Hallo Tirol“ als Interviewpartner im Landesstudio zu Gast zu sein. Das Thema: Fehlende Begegnungsorte, Lokale, Kultur- und Konzertmöglichkeiten für Innsbrucks Jugend. Es handelt sich dabei um eine Phone-In Sendung, sprich: Man kann dort anrufen und selbst Fragen einbringen. Gemma gemma