Freiheit im Club ist kein Selbstläufer

Die aktuellen internationalen Debatten über sexualisierte Gewalt in Teilen der elektronischen Musikszene treffen auch in Wien auf einen sensiblen Hintergrund. Spätestens seit #TechnoMeToo im Jahr 2023 ist sichtbar geworden, dass Übergriffe, Grenzverletzungen und Machtmissbrauch auch in lokalen Clubkontexten stattfinden – und dass viele Betroffene lange keinen sicheren Rahmen hatten, um darüber zu sprechen.

Clubkultur versteht sich oft als Raum von Freiheit, Selbstbestimmung und gegenseitigem Respekt. Gerade deshalb müssen wir auch bereit sein, hinzusehen, wenn diese Werte verletzt werden. Eine Szene, die sich als progressiv versteht, muss auch den Mut haben, ihre eigenen Strukturen kritisch zu hinterfragen.

Übergriffe entstehen selten im luftleeren Raum. Sie passieren dort, wo Macht ungleich verteilt ist: in informellen Netzwerken, bei Abhängigkeiten rund um Bookings und Tourstrukturen, in Backstage-Situationen ohne klare Regeln oder in Szenekontexten, in denen Loyalität wichtiger erscheint als Verantwortung. Wenn solche Strukturen nicht reflektiert werden, entsteht ein Klima, in dem Grenzverletzungen leichter passieren – und Betroffene oft alleine bleiben.

Eine sichere Clubkultur entsteht deshalb nicht durch einzelne Statements, sondern durch gemeinsames Handeln. Verantwortung tragen alle, die Teil dieser Szene sind: Clubs, Veranstalter:innen, Artists, Agenturen, Crew und Publikum.

Das bedeutet konkret: klare Hausregeln und Codes of Conduct, funktionierende Awareness-Strukturen, sichere Wege für Meldungen und Unterstützung sowie Teams, die geschult sind, in schwierigen Situationen einzugreifen.

In Wien arbeiten u.a. Strukturen wie die Vienna Club Commission daran, Wissen, Tools und Austauschformate bereitzustellen – etwa über die Workshopreihe „Safer Feiern“. Ziel dieser Arbeit ist es, gemeinsam mit der Szene Standards zu stärken, die Clubs zu Orten machen, an denen Freiheit nicht nur behauptet, sondern aktiv geschützt wird.

Gerade rund um den Feministischen Kampftag erinnert uns die Debatte daran, dass Sicherheit, Respekt und Selbstbestimmung keine Selbstverständlichkeit sind – auch nicht im Nachtleben. Eine lebendige Clubkultur lebt davon, dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, Grenzen respektieren und nicht wegschauen.

Wenn du akut Unterstützung brauchst (Österreich): Frauenhelpline 0800 222 555 · Gewaltschutzzentren 0800 700 217 · LEFÖ-IBF +43 1 796 92 98 · Männernotruf 0800 246 247


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