Stadtpolitik für einen halben Tag

Am vergangenen Samstag ist in Der Presse mein Gastkommentar „Stadtpolitik für einen halben Tag“ erschienen.

Der Text beschäftigt sich mit einer Frage, die mich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Rollen begleitet: als Veranstalter, als Geschäftsführer eines Kulturzentrums, in der Zusammenarbeit mit Städten, Verwaltungen und Kulturinitiativen sowie zuletzt verstärkt durch meine Arbeit im Bereich Nachtpolitik.

Ausgangspunkt ist eine Beobachtung, die auf den ersten Blick erstaunlich wirkt: Tagsüber behandeln Städte Themen wie Wohnen, Mobilität, Gesundheit, Sicherheit oder öffentlichen Raum mit strategischem Ernst. Nachts hingegen schrumpfen politische Debatten oft auf Lärm, Beschwerden und Kontrolle. Dabei verdichten sich gerade in der Nacht zentrale Fragen urbanen Zusammenlebens.

Wer bewegt sich wann durch die Stadt? Wie werden Nutzungskonflikte bearbeitet? Welche Räume stehen zur Verfügung? Wie funktioniert Mobilität? Wer wird mitgedacht – und wer nicht?

Die Nacht ist kein Randthema. Sie ist ein Querschnittsthema zwischen Kultur, Stadtplanung, Verkehr, Gesundheit, Sicherheit und öffentlichem Raum.

Genau deshalb plädiere ich im Gastkommentar dafür, die Nacht nicht länger als Ausnahmezustand oder Störfall zu behandeln, sondern als öffentliche Infrastruktur. Infrastruktur meint dabei nicht nur Straßen, Leitungen oder Schienen. Infrastruktur sind auch jene Voraussetzungen, die gesellschaftliche Teilhabe, Zugänglichkeit, Koexistenz und kulturelles Leben ermöglichen.

Die Debatte ist keineswegs neu. Viele europäische Städte beschäftigen sich seit Jahren mit Nachtbeauftragten, Nachtbürgermeister:innen oder anderen Formen institutionalisierter Nachtpolitik. In Österreich wird das Thema dagegen oft erst dann sichtbar, wenn Konflikte bereits eskaliert sind. Die Frage lautet daher nicht, ob die Nacht konfliktfrei werden kann. Die Frage lautet, ob Städte Verfahren, Zuständigkeiten und Gestaltungskraft entwickeln, bevor Konflikte entstehen.

Der vollständige Gastkommentar ist nachfolgend dokumentiert.

Gastkommentar erschienen in Die Presse, 20. Juni 2026.


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