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  • Afrika Bambaataa und die widersprüchliche Geschichte der Clubkultur

    Afrika Bambaataa (17. April 1957 – 9. April 2026) gehört zu jenen Figuren, ohne die sich die Geschichte moderner Clubkultur nur unvollständig erzählen lässt. Als früher Hip-Hop-DJ, Produzent und Mitbegründer der Universal Zulu Nation prägte er die Verbindung von Breakbeat, Electro und urbaner DJ-Kultur entscheidend mit. Vor allem Planet Rock wurde zu einem Wendepunkt: Der Track verband elektronische Klangästhetik mit schwarzer US-amerikanischer Tanzmusik und verschob damit die Grenze zwischen Bronx, Dancefloor und globaler Popzirkulation. Sein Einfluss reichte weit über den frühen Hip-Hop hinaus und wirkte tief in die Entwicklung von Electro hinein; mittelbar prägte er auch jene musikalischen und technischen Logiken, aus denen spätere Clubkulturen hervorgingen. 

    Bambaataas Bedeutung lag dabei nicht nur in einzelnen Produktionen, sondern auch in einer kulturellen Infrastruktur: in der Idee, DJing, Soundsysteme, Szeneorganisation und kollektive Identität zusammenzuführen. Die frühe Clubkultur verdankt solchen Figuren nicht nur neue Sounds, sondern auch neue Formen von Vernetzung, Zirkulation und Zugehörigkeit. Gerade deshalb wäre es falsch, seine historische Wirkung einfach zu tilgen. Ebenso falsch wäre jedoch jede rückblickende Heroisierung. 

    Denn zur Geschichte dieser Figur gehören auch die schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfe, die seit 2016 öffentlich wurden. Die Universal Zulu Nation entschuldigte sich damals bei den mutmaßlich Betroffenen für ihre Reaktion, und 2025 wurde gegen Bambaataa in einem Zivilverfahren ein Versäumnisurteil wegen Missbrauchs- und Trafficking-Vorwürfen erlassen. Diese Gewaltgeschichte ist kein nachträglicher Zusatz zur Kulturgeschichte, sondern Teil derselben Machtverhältnisse, in denen Szenen, Autorität und Schutz organisiert wurden. 

    Ein ernsthafter Nachruf muss deshalb beides zugleich festhalten: den prägenden Einfluss auf Hip-Hop, Electro und die Genese moderner Clubkultur – und die Tatsache, dass dieser Einfluss nicht von den Vorwürfen und den ihn umgebenden Strukturen getrennt betrachtet werden kann. Kritische Clubkulturgeschichte beginnt dort, wo sie weder ausblendet noch verklärt. 

  • Diskurs reicht nicht mehr – wir müssen anfangen, Entscheidungen zu strukturieren.

    Diskurs reicht nicht mehr – wir müssen anfangen, Entscheidungen zu strukturieren.

    Das gestrige Panel „Zwischen Kritik und Konsequenz“ in Wien hat für mich sehr deutlich gezeigt, in welchem Spannungsfeld wir uns aktuell bewegen.

    Aus meiner Arbeit für die Vienna Club Commission, im Veranstaltungsbereich und in der kulturpolitischen Interessenvertretung kenne ich viele dieser Fragen seit Jahren – aber ich habe selten so klar gesehen, wie sehr sich die Erwartungen verschoben haben.

    Was gestern sichtbar wurde:

    Es reicht nicht mehr, über Prozesse zu sprechen, wenn konkrete Konsequenzen eingefordert werden.

    Es reicht nicht, Konflikte zu moderieren, wenn struktureller Machtmissbrauch im Raum steht.

    Und es reicht nicht, Verantwortung auf Einzelne abzuschieben, wenn die eigentlichen Fragen auf institutioneller und systemischer Ebene liegen.

    Gleichzeitig zeigt meine Erfahrung aus der Praxis auch:
    Diese Themen sind nicht einfach aufzulösen.

    Ein Übergriff ist kein Konflikt.
    Nicht jede Kritik ist gleich gelagert.
    Und viele Situationen bewegen sich in Graubereichen, in denen Entscheidungen trotzdem getroffen werden müssen.

    Genau hier entsteht aktuell die größte Unsicherheit – und auch der größte Druck auf Veranstalter:innen, Clubs und Institutionen.

    Das Panel konnte diese Spannungen nicht auflösen.
    Aber es hat etwas anderes geschafft:

    Es hat sichtbar gemacht, wo die Bruchlinien verlaufen.

    Zwischen Aufarbeitung und Konsequenz.
    Zwischen individueller und struktureller Verantwortung.
    Zwischen dem Anspruch, „richtig“ zu handeln – und den realen Handlungsspielräumen in einem komplexen System.

    Und auch zwischen unterschiedlichen Vorstellungen davon, was ein öffentliches Diskursformat überhaupt leisten kann.

    Für mich ist daraus klar ableitbar:

    Wir kommen an einen Punkt, an dem Diskurs alleine nicht mehr ausreicht.

    Was fehlt, sind nachvollziehbare Entscheidungslogiken – also Strukturen, die klären:
    Wie gehen wir mit Vorwürfen um?
    Wer entscheidet?
    Und auf welcher Grundlage?

    Genau daran arbeite ich aktuell gemeinsam mit der Vienna Club Commission und anderen Akteur:innen im Feld.

    Der nächste Schritt kann aus meiner Sicht nur sein:
    Formate zu entwickeln, die nicht nur Austausch ermöglichen, sondern zu konkreten Orientierungen und Entscheidungen führen.

    Denn die eigentliche Herausforderung beginnt genau hier:

    Wie kommen wir von Diskussion zu Struktur?

    Danke an alle, die sich gestern eingebracht haben – am Podium und im Publikum. Die nächsten Schritte folgen.

  • Wer entscheidet eigentlich im Club, wenn es ernst wird?

    Wer entscheidet eigentlich im Club, wenn es ernst wird?

    Der Clubszene fehlt weniger Haltung als Verfahren.

    Über diese These habe ich hier bereits vor zwei Wochen geschrieben. Seitdem lässt mich eine Frage nicht los: Wie entstehen in Clubs eigentlich verantwortungsvolle Entscheidungen – und wer trifft sie?

    Konflikte, Vorwürfe und Boykottforderungen gehören längst zum Alltag kultureller Räume. Gleichzeitig arbeiten viele Clubs, Festivals und Veranstaltungsorte noch immer ohne klare Verfahren, wenn solche Situationen auftreten. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem.

    Die Szene diskutiert intensiv über Haltung – aber deutlich seltener über Zuständigkeiten, Prozesse und Entscheidungslogiken. Genau dort entscheidet sich jedoch, ob Kulturorte langfristig handlungsfähig bleiben. Ohne Verfahren entstehen Entscheidungen unter Druck: situativ, intransparent und oft abhängig von Einzelpersonen. Mit Verfahren entsteht etwas anderes – Verantwortung, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Lernfähigkeit.

    Vor diesem Hintergrund haben wir als Teil der Vienna Club Commission ein Panel konzipiert, das genau diese Lücke adressiert.

    Zwischen Kritik und Verantwortung
    Do. 19.03. | 19:00
    O – der Klub, Wien
    Eintritt frei

    Am Podium sitzen Akteur:innen, die täglich mit diesen Fragen arbeiten – aus unterschiedlichen Perspektiven:

    • Susanne Kirchmayr (Electric Indigo / female:pressure) – langjährige Erfahrung mit internationalen Szenen und strukturellen Machtfragen
    • Meike Lauggas (vera*) – Aufbau von Vertrauens- und Beratungsstrukturen im Kulturbereich
    • Laura Platzer (Universo Diverso) – Entwicklung von FLINTA*-Räumen als konkrete Praxis im Clubkontext
    • Judith Staudinger (Wiener Festwochen) – Mitentwicklung institutioneller Verfahren im Umgang mit öffentlichen Konflikten
    • Michael Gröss (U4) – 20 Jahre Clubbetrieb und Konfliktpraxis ohne standardisierte Prozesse

    Moderiert wird das Gespräch von Antonia Rauth (DER STANDARD / Inside Austria).

    Im Zentrum stehen Fragen, die aktuell viele Kulturorte betreffen: Wie politisch kann oder soll Clubkultur sein? Spalten gesellschaftliche Konflikte zunehmend die Szene? Wie können Clubs mit Vorwürfen umgehen, ohne vorschnelle Urteile oder institutionelle Blindheit? Und was passiert nach Konflikten – gibt es Wege der Rehabilitation und Weiterarbeit?

    Wir werden an diesem Abend nicht klären, wer „cancelbar“ ist. Uns interessiert etwas anderes: Was passiert, wenn Kulturorte keine Verfahren haben – und was möglich wird, wenn sie beginnen, welche zu entwickeln.

    Clubs sind Teil urbaner Öffentlichkeit. Wenn sie gesellschaftlich ernst genommen werden wollen, müssen auch ihre Entscheidungsprozesse ernst genommen werden. Ohne Governance bleibt Haltung folgenlos.

  • Nachtstrategie Innsbruck (Leserbrief TT)

    Heute wurde ein kurzer Leserbrief von mir in der Tiroler Tageszeitung veröffentlicht.

    Ausgangspunkt dafür war eine Beobachtung, die viele Städte derzeit beschäftigt: Die Nacht wird politisch und planerisch oft erst dann sichtbar, wenn Konflikte entstehen – etwa rund um Lärm, Sicherheit oder die Nutzung öffentlicher Räume.

    Gleichzeitig ist die Nacht längst ein zentraler Teil des urbanen Lebens. Nach Einbruch der Dunkelheit arbeiten Menschen in Gastronomie, Kultur, Mobilität oder Sicherheitsdiensten. Clubs, Festivals und Veranstaltungen schaffen soziale Räume für Begegnung, kulturelle Produktion und Austausch.

    In meiner Arbeit an Kulturorten und Festivals erlebe ich regelmäßig, wie stark diese nächtlichen Strukturen das soziale Leben einer Stadt prägen – und wie wenig sie bislang strategisch gedacht werden.

    Viele europäische Städte beginnen deshalb, ihre Nacht bewusster zu organisieren – etwa mit Nachtbeauftragten, koordinierten Verwaltungsstrukturen oder eigenen Nachtstrategien.

    Auch Innsbruck wird sich früher oder später intensiver mit dieser Frage beschäftigen müssen. Gerade in Städten mit lebendiger Kultur- und Veranstaltungsszene entstehen hier sowohl Nutzungskonflikte als auch große Potenziale für urbane Begegnungsräume.

    Der Leserbrief greift diesen Gedanken kurz auf: Eine Stadt, die ihre Zukunft gestalten will, sollte nicht nur den Tag planen – sondern auch verstehen, wie sie ihre Nacht organisiert.

  • Kulturräume als demokratische Infrastruktur: Warum „Reich für die Insel“ erhalten werden muss

    Im Zukunftsvertrag 2024–2030 bekennt sich die Innsbrucker Stadtregierung ausdrücklich zu Transparenz, nachvollziehbaren Entscheidungsprozessen, verantwortungsvollem Umgang mit öffentlichen Mitteln und echter Bürger:innenbeteiligung. Diese Grundsätze sind kein rhetorischer Rahmen. Sie sind Maßstab politischen Handelns.

    Genau an diesen Maßstäben muss sich der Umgang mit dem Glaskubus und der dort angesiedelten Kulturinitiative „Reich für die Insel“ messen lassen. Es geht nicht um einen einzelnen Raum, sondern um den größeren Zusammenhang.

    Kulturräume sind keine dekorativen Ergänzungen einer Stadt. Sie sind soziale Infrastruktur. Sie sind jene „dritten Orte“, die nicht primär Wohnen oder Arbeiten dienen, sondern Begegnung ermöglichen. Orte, an denen Menschen einander nicht als Kund:innen oder Konkurrent:innen begegnen, sondern als Mitgestaltende.

    Viele kulturelle und gesellschaftliche Innovationen entstehen nicht in durchoptimierten Institutionen. Sie entstehen in Experimentierfeldern. In Zwischenräumen. In selbstorganisierten Strukturen. Der Glaskubus ist ein solcher Ort. Er ist kein fertiges Produkt, er ist ein Möglichkeitsraum. Und genau solche Räume sind in einer Stadt wie Innsbruck, die mit steigenden Mieten und hohen Eintrittsschwellen konfrontiert ist, strukturell gefährdet. Wenn diese Räume verschwinden, entstehen sie nicht automatisch neu. Sie entstehen nur dort, wo politische Entscheidungen sie ermöglichen.

    Transparenz ist kein Versprechen – sie ist Verpflichtung
    Die Stadt Innsbruck hat 2025 öffentlich betont, dass neue Kulturräume in Kooperation mit der IIG entwickelt werden sollen – mit dem Ziel eines „fairen, transparenten Prozesses“. Auch in der medialen Darstellung wurde die Schaffung von mehr Raum für die alternative Szene als politisches Ziel formuliert. Diese Aussagen sind verbindliche politische Setzungen. Sie erzeugen Erwartungen.

    Transparenz bedeutet in diesem Zusammenhang:

    • klare Kriterien für Auswahl und Weiterführung von Standorten
    • nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen
    • dokumentierte Bewertungsprozesse
    • transparente Kommunikation über Alternativen, Fristen und Perspektiven

    Gerade weil im Kulturbereich häufig mit befristeten Nutzungen, individuellen Vertragsmodellen und projektbezogenen Lösungen gearbeitet wird, braucht es besonders saubere Verfahren. Ein intransparenter oder situativer Umgang mit einem bestehenden Kulturort untergräbt die Glaubwürdigkeit jener Offensive, die gleichzeitig neue Räume verspricht. Beteiligung ist kein Informationsformat – sie ist Mitgestaltung

    Im Zukunftsvertrag wird Bürger:innenbeteiligung als Leitlinie definiert. Wenn über die Zukunft eines bestehenden Kulturortes entschieden wird, betrifft das nicht nur eine einzelne Initiative. Es betrifft Netzwerke, Szenen, Nutzer:innen, Anrainer:innen und die kulturelle Identität eines Stadtteils.

    Beteiligung bedeutet hier:

    • frühzeitige Einbindung
    • transparente Diskussion von Szenarien
    • nachvollziehbare Abwägung öffentlicher Interessen

    Nicht nachträgliche Information, sondern Mitgestaltung im Prozess.

    Gerade „Reich für die Insel“ steht exemplarisch für eine Form von Stadtproduktion von unten. Wenn solche Orte ohne klar kommunizierte Perspektive verschwinden, entsteht nicht nur räumlicher Verlust, sondern politischer Vertrauensverlust.

    Kulturelle Gerechtigkeit ist soziale Gerechtigkeit
    Im Zukunftsvertrag bekennt sich die Stadtregierung zur Verantwortung gegenüber allen Menschen dieser Stadt – unabhängig von sozialem Status oder ökonomischer Leistungsfähigkeit.

    Freie Kulturräume sind oft die einzigen Orte, an denen Menschen ohne große finanzielle Ressourcen Sichtbarkeit erlangen können. Sie sind Labore für junge Initiativen, Underdogs, neue Formate.

    Wenn der Zugang zu Raum ausschließlich über Marktmechanismen funktioniert, entsteht strukturelle Ungleichheit. Der Glaskubus muss kein Luxusobjekt sein. Er kann ein Instrument kultureller Durchlässigkeit darstellen.

    Wer solche Orte als verzichtbar betrachtet, verengt den Zugang zu kultureller Teilhabe.

    Innsbruck hat zuletzt öffentlich den Bedarf an alternativen Kulturräumen anerkannt. Es wurden neue Liegenschaften präsentiert, Exposés veröffentlicht, Interessensbekundungen eingefordert. Diese Schritte sind wichtig. Doch es wäre widersprüchlich, neue Räume in Aussicht zu stellen und gleichzeitig bestehende funktionierende Strukturen ohne klaren, transparenten Entwicklungsplan aufzugeben.

    Die zentrale Frage lautet daher: Werden Kulturräume als austauschbare Zwischennutzungen behandelt oder als Teil demokratischer Infrastruktur?

    Wenn wir akzeptieren, dass Orte wie „Reich für die Insel“ verschwinden, weil sie nicht dauerhaft abgesichert oder nicht maximal verwertbar sind, dann verschiebt sich die Logik urbaner Entwicklung dauerhaft. Dann werden Möglichkeitsräume zur Ausnahme. Dann wird kulturelle Innovation dem Zufall überlassen. Dann verlieren wir nicht nur einen Kulturraum, sondern soziale Verdichtungsräume, solidarische Netzwerke und Experimentierfelder. Und vor allem verlieren wir Vertrauen in politische Verlässlichkeit.

  • Bogenpunsch – Punschen für den guten Zweck

    Heute ist es soweit: Der Kulturverein Bögen Innsbruck und seine Mitglieder laden von 16:00 bis 21:00 Uhr zum „Bogenpunsch“ – einem gemeinsamen solidarischen Abend, bei dem Gastronom*innen, eine Brauerei, Clubs, Kreativräume und ein Tanzstudio zusammenkommen, um gemeinsam einen netten Raum zu schaffen und dabei Spenden für die Kinderkrebshilfe zu generieren.

    Was euch erwartet:

    Punsch, Kasspatzeln, Bagels und weitere Schmankerln

    – Direkt in den Bögen gebrautes Bier

    DJ Fu & Friends sorgen für Sound zwischen Hip-Hop und Elektronik

    Der Bogenpunsch versteht sich als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot der Weihnachtsmärkte: ein niedrigschwelliger Treffpunkt, getragen von Innsbrucks Sub- und Clubkultur. Hier zeigen die unterschiedlichsten Bogen-Initiativen – von Gastronomie über Musikräume bis zu Tanzstudios gemeinsam Haltung:

    Aus der Szene, für die Stadt – und für den guten Zweck.

    Mit jedem eingenommenen Euro unterstützen wir krebskranke Kinder.

  • VCC Podiumsgespräch: Visions of Black Club Culture – Past, Present, and Future

    22. November 2025 | 18:00–20:00 | Villa Vida Café
    In Kooperation mit: oltreoceano
    Anmeldung: viennaclubcommission.at

    Über die Veranstaltung

    Wie hat Black Club Culture den Sound, die Bewegung und die Politik des Dancefloors geprägt?
    Wie ist sie mit der Arbeiter*innenkultur Schwarzer Communities verbunden?
    Und was bedeutet es, Clubkultur heute als Raum der Befreiung in einem europäischen Kontext zu verstehen?

    Dieses Podium bringt Wiener Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen der Black Community zusammen,
    in Kooperation mit dem unabhängigen Magazin oltreoceano.
    Gemeinsam beleuchten sie die Ursprünge Schwarzer Clubkultur in Widerstand, Kreativität und Gemeinschaft –
    und diskutieren, wie diese Grundlagen heutige und zukünftige Clubkulturen in Europa und Österreich prägen.

    Die Diskussion widmet sich den Erfahrungen und Herausforderungen Schwarzer Kulturarbeiter*innen,
    insbesondere in mehrheitlich weißen Szenen, und fragt nach Perspektiven für eine solidarische, diverse
    und selbstbestimmte Clublandschaft.


    Mitwirkende

    Kassandra Mona Steiner (she/her) | ORF
    Kassandra Mona Steiner wurde in ländlichen Regionen Österreichs geboren und hat österreichisch-beninische Wurzeln.
    In Wien arbeitet sie als Journalistin beim ORF Wien mit Fokus auf Themen wie Diversität, Kultur, Politik und junge Generationen.
    Sie engagiert sich außerdem in der Musik- und Kulturszene, wo sie neue Räume der Sichtbarkeit für Schwarze Perspektiven schafft.

    Gawdesque (they/she) | Booster Club
    Kreative*r Multitalent: Poet*in, DJ und Organisator*in. Mitglied des DJ- und Skillsharing-Kollektivs Booster Club.
    Mit Black TLC kuratierte Gawdesque 2025 ein multidisziplinäres Event mit Ausstellung, Konzert und Clubnacht.
    Der Künstler*innenname steht für die kreative und göttliche Kraft in uns – ein Ausdruck kollektiver Selbstermächtigung
    der Schwarzen Diaspora.

    DJ Taff | Na Nang Club
    DJ Taff leitet den Na Nang Club im 17. Wiener Gemeindebezirk, ein Non-Profit-Space, der seit 2016 Festivals,
    Konzerte und kulturelle Formate organisiert. Der Club vernetzt Künstler*innen aus Österreich, Senegal und Gambia,
    fördert kreativen Austausch und stärkt die afro-diasporische Community in Wien und darüber hinaus.

    Solo (he/him)
    Solo schafft und kuratiert Räume für queere, intime und interaktive Clubformate.
    Nach seiner Zeit im Technokollektiv hausgemacht liegt sein Fokus nun auf Veranstaltungen mit BIPoC-geführten Teams
    und der Schaffung von Räumen für Ausdruck, Begegnung und Sichtbarkeit.

    Naomi Kelechi Di Meo (she/her) | oltreoceano
    Naomi Kelechi Di Meo ist Schriftstellerin und Herausgeberin von oltreoceano, einer Plattform, die Schwarze Perspektiven
    in Europa durch einen kritischen kulturellen und politischen Blick beleuchtet.
    Sie studierte Medien- und Informationswissenschaft in Amsterdam und Storytelling in Mailand.
    Ihre Arbeiten erschienen u. a. in Vogue Italia, GRIOT Mag, Vice Italia und C41 Magazine.


    Details

    • Datum: Samstag, 22. November 2025
    • Zeit: 18:00–20:00
    • Ort: Villa Vida Café, Wien
    • Anmeldung: viennaclubcommission.at
  • Innsbruck Club Commission (2018–2025)

    Interessenvertretung für Club-, Nacht- und Subkultur in Innsbruck und Tirol

    Die Innsbruck Club Commission (ICC) war eine unabhängige Interessenvertretung der Innsbrucker Club-, Nacht- und Subkulturszene. Sie wurde am 18. Dezember 2018 als gemeinnütziger Verein gegründet (ZVR 1560484667) und verstand sich als Schnittstelle zwischen Kulturbetrieben, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft.

    Gründer:innen: Frederik Lordick, Konrad Wolfgang und David Prieth, Mona Sarah Paschinger

    Auftrag und Zielsetzung

    Die ICC trat dafür an, die strukturellen Rahmenbedingungen für Club- und Nachtkultur in Tirol zu verbessern, deren kulturelle Bedeutung sichtbar zu machen und notwendige kulturpolitische Veränderungen einzuleiten.

    Zentrale Zielsetzungen:

    • Anerkennung von Club- und Subkultur als relevanter Kultur-, Sozial- und Stadtraum
    • Verbesserung gesetzlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen (u. a. Veranstaltungsrecht, Lärmschutz, Nutzungsräume)
    • Vermittlung zwischen Clubkultur, Verwaltung und Politik
    • Aufbau sicherer, solidarischer und inklusiver Nachtkulturstrukturen
    • Förderung nachhaltiger Organisationsformen und Fair-Pay-Standards

    Thematische Schwerpunkte & Projekte

    „Luisa ist hier“ (2019–2024)

    Die ICC setzte das Präventions- und Awareness-Projekt „Luisa ist hier“ erstmals in Österreich um. Ziel war die Förderung eines sichereren Nachtlebens und die Prävention sexualisierter Gewalt.

    Bausteine:

    • Awareness-Schulungen für Clubs und Bar-Teams
    • Aufbau konkreter Hilfsmechanismen für Betroffene
    • Öffentlichkeits- und Sensibilisierungskampagnen
    • Kooperationen u. a. mit Frauen gegen VerGEWALTigung, Z6 Drogenarbeit, Frauenhaus Tirol und der Stadt Innsbruck

    Mit Ende 2024 wurde „Luisa ist hier“ in Tirol eingestellt, da keine ausreichenden Förder- und Strukturmittel mehr zur Sicherstellung der Qualitätsstandards bereitgestellt werden konnten.

    „Ohne regelmäßige Schulung besteht die Gefahr einer symbolischen Sicherheit. Um dieser Vereinnahmung entgegenzuwirken, wurde das Projekt verantwortungsvoll beendet.“ – Innsbruck Club Commission

    Kulturpolitische Arbeit & Advocacy

    Die ICC war maßgeblich daran beteiligt, clubkulturelle Anliegen in den kulturpolitischen Diskurs der Stadt einzubringen — u. a. im Kontext der Innsbrucker Bogenmeile, der Städteentwicklung, Awareness-Standards im Nachtleben und der Anerkennung von Clubkultur als förderwürdiger Bereich. Indirekt mit der Arbeit der ICC verbunden war die Gründung des Kulturverein Bögen Innsbruck.


    Kontext: Wandel der Clubkultur

    Mit der Pandemie und gesellschaftlichen Veränderungen veränderte sich das Ausgeh- und Konsumverhalten deutlich:

    • weniger Alkohol- und Konsumorientierung
    • selektiveres Ausgehverhalten
    • wirtschaftlicher Druck auf Betreiber:innen
    • steigende Miet- und Betriebskosten
    • abnehmende private und öffentliche Finanzierung

    Diese Entwicklungen führten in Innsbruck — wie in vielen europäischen Städten — zu einer Ausdünnung clubkultureller Räume und stellten die ICC zunehmend vor strukturelle Grenzen.

    Wie ich (David Prieth) in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung 2025 formulierte:

    „Der Alkoholverkauf alleine wird es nicht mehr richten. Clubs brauchen neue Organisationsformen und öffentliche Förderstrukturen.“

    Und weiter:

    „Österreich als Kulturnation sollte Geld in die Hand nehmen und Club- und Subkultur genauso fördern wie Hochkultur.“


    Auflösung & Legacy (2025)

    Nach sieben Jahren intensiver Arbeit, aktiver Vernetzung und pionierhafter Strukturentwicklung wurde der Verein mit Ende 2025 geordnet aufgelöst.

    Grund war nicht mangelnde Relevanz, sondern das Fehlen langfristiger Förder- und Infrastrukturmittel, die zur Verstetigung professioneller Clubkultur-Arbeit notwendig sind.

    Die ICC bleibt damit ein wichtiges Referenzprojekt für kulturpolitische Arbeit im Feld Nachtkultur im alpinen Stadtkontext und wirkt durch Know-how-Transfer, Netzwerke und Erfahrungen weiter — u. a. in Richtung Vienna Club Commission, Szeneinitiativen und kommunale Kulturpolitik.


    Eigene Rolle (David Prieth)

    Ich war Mitgründer und Mitgestalter der Innsbruck Club Commission und in folgenden Bereichen aktiv:

    • strategische Entwicklung & kulturpolitische Positionierung
    • Netzwerk- und Stakeholder-Management zwischen Szenebetrieben, Verwaltung und Politik
    • Beratung und Strukturentwicklung für nachhaltige Club- und Kulturräume

    Die ICC war ein Baustein auf dem Weg zur Anerkennung von Club- und Subkultur als essenziellen Bestandteil einer lebendigen, inklusiven und urbanen Stadtgesellschaft.

  • Teaser Trailer: Das Archiv am Meeresgrund

    Im Sommer 2025 tauchte im zentralen Mittelmeer, zwischen Libyen und Sizilien, ein geheimnisvolles Artefakt auf: eine versiegelte Metallkapsel, gefüllt mit Dokumenten, Fotos, Festplatten und Tonaufnahmen. Erste Hinweise deuten auf einen Zusammenhang mit dem „Langen Sommer der Flucht“ 2015 hin. Doch kurz nach der Sicherung der Daten verschwand die Kapsel spurlos – ebenso wie alle digitalen Kopien. Das Archiv beinhaltet unter Anderem die Beschreibung eines mysteriösen „Schwarzen Dreiecks“ im Mittelmeer, ein „Manifest der Umkehr“, und auch Stellungnahmen der Europäischen Kommission. Doch bleibt unklar, ob es sich um gesicherte Fakten, gezielte Desinformation oder ein spekulatives Konstrukt handelt.

    von Melanie Hollaus und Markus Schennach

    mit (alphabetisch): Klaus-Peter Bülz, Katarina Csanyiova, Michael Haupt, Gabi Geist, Anna Ladinig, Joachim Leitner, David Prieth, Heidi Schleich, Hannes Schlosser

    Video-Footage: Emad Husso

    Premiere am 7. November 2025 im Leokino Innsbruck

    Im Rahmen von: Remembering 2015 /ZeMIT und in Kooperation mit dem Inncontro Filmfestival und Freies Radio Innsbruck.

    Mit Freundlicher Unterstützung von: ZeMIT/ TKI open24 – Remembering 2015 kulturimpulstirol Stadt Innsbruck

  • Statement der p.m.k zur aktuellen Situation rund um die Talstation

    Seit der Verein im Jahr 2022 die von ihm bespielten Räumlichkeiten nicht mehr verwenden darf, konnte er in der p.m.k zumindest Teile seines ambitionierten Kulturprogramms fortsetzen. Wir freuen uns, dass die Talstation in dieser Übergangszeit Teil der p.m.k-Familie geworden ist. Von Beginn an war aber klar: Diese Lösung kann und darf nur vorübergehend sein.

    Die p.m.k vereint derzeit 35 ehrenamtlich geführte Kulturvereine, die mit großem Engagement und unter oftmals prekären Bedingungen einen wesentlichen Teil des freien Kulturprogramms dieser Stadt realisieren. Schon jetzt sind unsere räumlichen Kapazitäten an der Belastungsgrenze. Innsbruck braucht dringend weitere selbstbestimmte Kulturorte, die diesen Namen auch verdienen – Orte, die kulturelle Nutzung nicht nur ermöglichen, sondern aktiv fördern. Das bedeutet: rechtlich gesicherte Strukturen, technische Adaptionen, langfristige Perspektiven und faire Rahmenbedingungen für jene, die Kulturarbeit leisten.

    Seit Jahren ist bekannt, dass Innsbruck über keine ausreichend großen, niederschwellig zugänglichen Räume für mehrere hundert Menschen verfügt. Die Talstation könnte einen dieser dringend benötigten Orte darstellen – ein Raum für Musik, Diskurs, Kunst und Begegnung. Ein Ort, der zeigt, was kulturelle Arbeit jenseits kommerzieller Logiken leisten kann.

    Es ist positiv, dass die Vorgänge rund um die Talstation endlich auch politisch rezipiert werden und nun ein Sondergemeinderat dazu einberufen wurde. Bedenklich bleibt jedoch, dass es dafür erst massiven öffentlichen Druck gebraucht hat, um dieses Thema ernsthaft auf die Agenda zu bringen.

    Hier geht es nicht um Einzelinteressen oder parteipolitische Positionen, sondern um eine langfristige kulturpolitische Perspektive für Innsbruck. Die Talstation ist ein Symbol dafür, wie diese Stadt mit ihrem kulturellen Erbe, ihren Initiativen und ihren kreativen Potenzialen umgeht.

    Als Kulturarbeiter*innen – und als Bürger*innen dieser Stadt – erwarten wir uns einen professionellen, wertschätzenden Austausch auf Augenhöhe.
    Das bedeutet auch politische Verantwortung zu übernehmen, unangenehme Gespräche zu führen, Entscheidungsprozesse transparent zu gestalten und endlich gemeinsam an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

    Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie lähmend politische Blockaden und parteitaktische Grabenkämpfe für die Entwicklung dieser Stadt sein können. Ignoranz und Sprachlosigkeit dürfen aber ebenfalls kein Ersatz für demokratischen Diskurs sein.

    Wir fordern daher:

    Die dauerhafte Sicherung der Talstation als Kulturstandort, einschließlich der dafür notwendigen Sanierungs- und Adaptierungsmaßnahmen.

    Die Einbindung des Vereins Talstation und der freien Kulturszene in alle weiteren Entscheidungs- und Planungsprozesse – von Beginn an, nicht nachträglich.

    Eine verbindliche Perspektive bis Frühjahr 2026, wie die Talstation wieder kulturell genutzt werden kann.

    Ein klares politisches Bekenntnis zur Förderung und finanziellen Absicherung

    Kulturinitiativen müssen in die Gestaltung solcher Prozesse aktiv eingebunden werden – nicht nur angehört, sondern beteiligt. Nur so entsteht Vertrauen, Nachhaltigkeit und ein Verständnis dafür, dass kulturelle Arbeit in dieser Stadt kein Freizeitvergnügen ist, sondern ein gesellschaftlich relevanter Beitrag: für Vielfalt, Teilhabe, Sichtbarkeit und soziale Kohäsion.

    Die Arbeit der freien Kulturszene basiert auf Professionalität, Leidenschaft und oft unbezahltem Engagement. Sie verdient Respekt, verlässliche Rahmenbedingungen und politische Unterstützung. Wer diese Strukturen schwächt, riskiert den Verlust eines wesentlichen Teils urbaner Lebendigkeit und sozialer Innovation.

    Die Talstation könnte zu einem Modellprojekt werden – für offene, generationenübergreifende und partizipative Kulturarbeit. Ein Ort, an dem sich Künstler*innen, Vereine, Nachbar*innen und junge Menschen gleichermaßen begegnen können. Dafür braucht es Mut, Zusammenarbeit und den politischen Willen, Kultur nicht als Problem, sondern als Chance für die Stadtentwicklung zu begreifen.

    Wer Räume für Kultur, Begegnung und Vielfalt erhalten will, muss jetzt handeln – mit Offenheit, Weitsicht und echtem Respekt gegenüber jener Arbeit, die Tag für Tag von hunderten Kulturarbeiter*innen in dieser Stadt geleistet wird.

    Die p.m.k steht solidarisch an der Seite der Talstation – und für eine Kulturpolitik, die auf Dialog, Verlässlichkeit und gemeinsames Gestalten setzt.

    – plattform mobile kulturinitiativen, 2025