Öffentlichkeit entsteht nicht von selbst. Sie entsteht auch nicht einfach dort, wo möglichst viele Menschen etwas sehen. Öffentlichkeit entsteht dort, wo Menschen sprechen, widersprechen, zuhören und einander begegnen. Sie braucht Medien, aber sie braucht ebenso Räume.
Gerade deshalb erscheinen mir freie Medien und freie Kulturorte näher verwandt, als es auf den ersten Blick scheint. Ein freies Radio sendet – ein Kulturort versammelt. Beide schaffen Voraussetzungen dafür, dass unterschiedliche Stimmen sichtbar werden können. Beide beantworten dieselbe demokratische Frage: Wer kommt vor? Wer darf sprechen? Wer wird gehört?
Genau darin entscheidet sich Öffentlichkeit. Nicht dadurch, dass möglichst viele Menschen dieselben Inhalte konsumieren, sondern dadurch, dass unterschiedliche Menschen überhaupt sichtbar, hörbar und widersprechbar werden.
In einer Zeit, in der Öffentlichkeit zunehmend über Plattformen vermittelt wird, Aufmerksamkeit ökonomischen und algorithmischen Logiken folgt und gemeinsame Erfahrungsräume seltener werden, ist das keine romantische Vorstellung von Kultur, sondern eine Frage demokratischer Infrastruktur.
Über diese Zusammenhänge schreibe ich in meinem Gastkommentar für die aktuelle Ausgabe der Programmzeitung von FREIRAD 105.9 Freies Radio Innsbruck. Der Text knüpft an Überlegungen an, die mich seit Längerem beschäftigen – zur Nacht als öffentlicher Infrastruktur, zu kulturellen Räumen und zur Frage, wie demokratische Öffentlichkeit organisiert werden kann.
LINK: Hier gibt es die dazugehörige Sendung zum Nachhören

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