Wer bei gutem Wetter durch Innsbrucks Innenstadt fährt, weiß: Innsbrucks Jugend sitzt mittlerweile vor allem auf dem Asphalt zwischen Inn und Straßenkreuzung herum, der im Volksmund „Marktplatz“ genannt wird (die Vorgeschichte rund um das Innufer kennen wir). Eine unwürdige Situation. Es leben rund 44.000 Menschen zwischen 15 und 29 Jahren in Innsbruck, für viele gibt es im öffentlichen Raum viel zu wenig Angebote. Gleichzeitig wird verschiedenen Kulturinitiativen das Leben schwer gemacht – auch wenn sie in verschiedenen Industriegebieten tätig sind (zu laut, zu nervig). Tirol Heute hat sich dem Thema vergangenen Samstag recht umfangreich gewidmet und es war mir wichtig auch hier wieder ein paar klare Worte zur Situation zu finden.
In zwei Wochen wird gewählt und dieses Mal wird es für alle Parteien wichtig sein auch all jene Menschen bei Laune zu halten die in dieser Stadt etwas gestalten oder erleben wollen, wenn diese Stadt eine Zukunft haben soll
In Kürze ist es soweit: die Innsbrucker Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen stehen vor der Tür und die Themen „Öffentlicher Raum“ und Begegnungsorte für junge/erlebnishungrige Menschen liegen noch immer beharrlich in der Schublade. Aus diesem Grund organisiert das BONANZA-Kolektiv eine Podiumsdiskussion zum Thema; und ich darf bei diesem Anlass als Moderator agieren, hallelujah!
Kommt in Scharen, kommt mit konstruktiver Kritik und starken Stimmen. Die allgegenwärtige Erzählung des Neustarts nervt umso mehr, da in den Bereichen Kultur- und Begegnungsräumen seit Jahren der Wurm drin ist.
Hier die Einladung für alle Interessierten: „Obgleich der öffentliche Diskurs zunimmt, bleibt die inhaltliche Auseinandersetzung in vielen Themenbereichen noch immer auf der Strecke. Dies gilt insbesondere bei dringend notwendigen Lösungen für altbekannte Problemfelder: Ein Mangel an (öffentlichen) Frei- räumen und flächen, Clubsterben, Förderungsungleichheit, Sonnendeck.
Nicht nur deswegen veranstalten wir, das Bonanza Kollektiv, am 09. April, im Vorfeld der Gemeinderatswahlen, eine Podiumsdiskussion.
Die Veranstaltung wird in Innsbruck im Kater Noster (Leopoldstraße 7) stattfinden. Der Fokus liegt auf Themen im (sub)kulturellen Kontext.
Vertreter*innen folgender Parteien werden wir einladen: Die Grünen, Das neue Innsbruck, SPÖ, JA – Jetzt Innsbruck, FPÖ, Neos, ALI, Gerechtes Innsbruck, Liste Fritz, KPÖ.
Anbei die Eckdaten:
Thema: Podiumsdiskussion: Innsbrucks Kultur(frei)räume: Von der Dystopie zur Utopie! Mehr als heiße Luft?
Alle reden über Clubkultur und warum Menschen und Städte dringend Clubs brauchen, aber worum gehts dabei überhaupt? Morgen findet Innsbrucks erste ClubKultur-Konferenz statt! Und unser umtriebiges @kulturkollektiv_contrapunkt hosted dabei ebenfalls zwei Panels mit super interessanten Menschen, die ich moderieren darf
⌦ Ab 16:00 (@pmk_ibk ) LICHT AN, SPERRSTUNDE! Der Club als Auslaufmodell? mit BC-A (DJ/TKI), Steve Hope (DJ/Gewerkschaft DECK), ed royal (DJ/Ex-Cubique) und Martina Brunner (Vienna Club Commission)
⌦ Ab 20:00 (@rfdinsel ) Lesung und Diskussion: DIE CLUBMASCHINE (BERGHAIN) mit Kilian Jörg.
Danke an die @ibkclubcomm für die tolle Organisation. Wir sehen uns morgen im Strobo
Good News! Viele werden es im aktuellen Kuddelmuddel vielleicht überlesen haben, aber der dringliche Antrag der SPÖ im Tiroler Landtag mit dem Titel „Die Tiroler Jugendkulturszene ruft nach Hilfe – und wir werden helfen“ wurde einstimmig angenommen. Wiederhole: SÄMTLICHE Fraktionen – ungeachtet des politischen Hintergrunds – konnten sich im Tiroler Landtag darauf einigen, dass das Thema extrem wichtig ist und raschestens bearbeitet gehört. Dass ein Thema von allen Fraktionen mitgetragen wird, erlebt man aktuell auch nicht mehr jeden Tag.
Ich zitiere an dieser Stelle SP-Jugendsprecher Christian Kovacevic: „Darin geht es um rasche, effektive Maßnahmen zur Absicherung der Klubkultur- und Nachtklubszene in Tirol.“ Es ist schön zu sehen, dass die konsequente Mobilisierung und Energie der Szene etwas bewirkt und die gegebene Dringlichkeit im Tiroler Landtag Gehör findet.
Next Stop: Termin im Jänner mit Vertreter:innen von Land, Wirtschaft und der Szene! Gemma Gemma 🙂
Das aktuelle 6020 Magazin legt einen Schwerpunkt auf das aktuelle Clubsterben, die anstehende Gemeinderatswahl im April 2024, sowie die Power die Studierende in Innsbruck hätten, gingen diese in größerer Zahl zur Wahl. Einige Statements meinerseits finden im Artikel ebenfalls Platz – vielen Dank für das Interesse und den interessanten Überblick zur derzeitigen Lage. Viel mehr zu sagen gibts an dieser Stelle nicht zu sagen – der Artikel spricht für sich selbst.
Kommenden Dienstag sehen wir uns ab 18:30 am Inn zu einer gemeinsamen Kundgebung! Es geht hier nicht „nur“ um „dieses eine Geländer“, sondern um grundsätzliche Haltungen und den Wert des öffentlichen Raums. Seit Jahren benötigt Innsbruck endlich zusätzliche Flächen ohne Konsumzwang, sowie Begegnungsorte für junge Menschen, leistbare Räume für die Nachtkultur und Partys. Innsbruck braucht endlich sichtbare und erlebbare Ergebnisse!
Diese Kundgebung wird von mehreren Institutionen und Initativen aus der Innsbrucker Szene getragen – eine parteipolitische Trägerschaft ist explizt unerwünscht Zusätzlich darf festgehalten werden, dass vor allem die bremsenden konservativen Kräfte der letzten Jahre nun nicht zu glauben brauchen, dass sie die aktuelle Situation nutzen können, um die alte Leier von „alle gegen den BGM“ weiterzuspinnen. Das hier ist unser Leben und nicht euer Wahlkampf!
Dass der Dachsbau in Kürze nicht mehr existiert, ist der nächste dicke Sargnagel für die Innsbrucker Nachtkultur.
Wir erinnern uns: An die Probleme die die (Junge) Talstation regelmäßig durch Anrainerbeschwerden bekommen hat und die nun schon seit ein paar Jahren(!) auf ihren Wiedereinzug wartet. Die Dachziegelflow-Crew die ihren Veranstaltungsort in einem Innsbrucker Industriegebiet wegen Lautstärkebeschwerden räumen musste. Aktuell: Aus eigener Tasche aufgewertete Hallen in St Bartlmä (weil mans als Stadt bekanntlich nicht hinbekommen hat), die aufgrund von Lautstärkebeschwerden – ebenfalls in einem Industriegebiet – nur mehr bis 24 Uhr veranstalten dürfen. Und nun geht auch noch der Dachsbau verloren – einer der wenigen Clubs der physisch im Tiefgeschoss verortet und somit lautstärkemäßig noch „etwas“ handlebarer war als zeitgenössische Kulturarbeit zu ebener Erde. Von der Generation davor – sprich „Weekender Club“ (Tod aufgrund von Lautstärkebeschwerden durch 1 Anrainer) und „Hafen“ haben wir dann noch nicht mal gesprochen.
Ich bin es leid nach der Schließung eines Orte sagen zu müssen: Ja is schad, aber was willsch machen?
Was hier in Innsbruck passiert, ist für tausende Menschen eine systematische Zerstörung von Lebensqualität. Was wir hier erleben, ist ein kulturpolitischer und gesellschaftspolitischer Missstand. Was in unserer Stadt passiert, ist nicht in Ordnung und muss auch genau so benannt werden.
Klar, es ist um jeden einzelnen Laden, der mit Herzblut etwas aufgebaut hat und letztendlich krachend schließen muss, schade. Aber mittlerweile müssen wir dazu übergehen und die größeren Zusammenhänge benennen. Seit Jahren tun wir jetzt wegen öffentlichen Plätzen für junge Menschen herum, nur um dann zu hören, dass „es nicht geht“ weil (insert xyz here). Nicht erst seit der letzten Sillschlucht-Party fantasiert ein Lokalpolitiker davon, die Sillschlucht mit Zäunen abzusperren. Letzten Sommer wurde die Franz-Gschnitzer-Promenade über Monate hinweg gesperrt, um sich hier Scherereien mit feiernden jungen Menschen zu ersparen. Und ob die Club Commission, die versucht hier zu vermitteln und konstruktive Arbeit zu erbringen, in Zukunft weiterarbeiten kann, steht aktuell auch bereits auf wackeligen Beinen.
Gehts eigentlich noch? Wie soll man sich das Zusammenleben in dieser Stadt als Mensch zwischen 16 und 40 mittlerweile konkret vorstellen? Wenn man diese Art von Lebensqualität an diesem Universitätsstandort nicht mehr haben möchte, dann muss man das auch offen so kommunizieren. Kommt her, um zu studieren und bezahlt gerne auch überhöhte Mieten. Aber bildet euch nicht ein, hier nach 22 Uhr noch etwas erleben zu können. Nachtschicht is nimma. Und an die gebürtigen Innsbrucker:innen sei gesagt: Ziagts weck, mia brauchen mehr Gäschtebettn.
Was passiert hier? Die Story vom kriegstreibenden Anrainer, der sich nächtens die Haare rauft und nur das nächste Wummern herbeisehnt, um via Telefon das SEK rufen zu können, ist nämlich auch nicht wahr. Klar, Menschen haben ihr Recht auf Ruhe und Erholung, aber das kann man ja auch anders lösen. Zeigen andere Städte ja auch, dass das geht. Bevor man zB über Jahrzehnte Millionen von Euro an Wertschöpfung und Umsatz für die heimische Wirtschaft/Innenstadt (und Lebensqualität!) liegen lässt, könnte man beispielsweise mal ordentliche Schallschutzmaßnahmen und Umbaumaßnahmen ko-finanzieren. Und im selben Moment dazusagen: Ja, auch das ist Stadt. Da schwingen auch gewisse Geräusche mit. Das macht die Stadt auch bis zu einem gewissen Grad lebenswert. Der Flughafen mitten in unserer Stadt ist z.B auch mega-laut (was war das eigentlich für eine Idee damals?). Das fällt uns nur nicht mehr wirklich auf, außer wenn irgendwelche ortsfremden Tourist:innen vor Schreck die Köpfe nach oben reissen.
Wie gesagt: Dass der Dachsbau in Kürze nicht mehr ist, ist schlimm. Noch schlimmer ist allerdings der Gesamtzustand einer Stadt, die sich um die Lebensbedürfnisse ihrer jungen Einwohner:innen nicht schert.
HASCH SCHO GSEGN WAS IN DA ZEITUNG SCHTEAT?! Es ist bekannt, dass sich Periodika mit reisserischen Titeln leichter verkaufen lassen, da sich so einjeder denkt was ischn jetzt scho wieder los mit de Zipfl; lei ballern saufen nix buggln ma zach. Lässt man sich im Anschluss mit niedrigerem Puls auf den Artikel ein und die ersten Absätze hinter sich (bitte beim nächsten Mal etwas öfter die Begriffe „illegal“ und „verboten“ verwenden, sonst checkt keiner um was es geht weil es ist illegal), erschließt sich die Botschaft der beiden Interviewten auch dem müdesten Auge: Ein Team von jungen Menschen hagglt über 2 Tage hinweg Tonnen von Material an einen entlegenen Ort und zurück, da sie sich mit ihren Anliegen in der Stadt grundsätzlich unerwünscht fühlen. Viel Miete zahlen ja bitte, aber dann auch gerne dabei die Pappm heben. Alles verständlich und bekannt. Doch was tun im stolzen Alpenland von dem alle anderen Länder auf da Seitn oahängen wia von am Tischtuach die Franzn? Eh nix. Denn hierzulande wird man in den nächsten Monaten zu sehr damit beschäftigt sein sämtliche Partei-Abkürzungen durchzudeklinieren und sich gegenseitig Geringschätzigkeiten auszurichten. Somit muss die Jugend von heute eben leider draußen bleiben. Sad. Wenn das so weitergeht, muss dann doch noch jemand als Bürgermeister:in antreten, um das freie Spiel der Bässe auszurufen. „Liste 808 – Referat für Schalldruck, ja bitte?“