Der frittierte Steinadler

Manche Menschen misinterpretieren meine manchmal mehr oder weniger kritischen Kommentare zum zeitgenössischen Lokalgeschehen wohl als Abneigung gegenüber meinem alpenländischen Lebensmittelpunkt. Es sollte allerdings klar sein, dass ich wie viele andere auf manchen Sachen eher gerade deshalb so herumreite, weil mir unterm Strich einfach sehr viel an diesem Plätzchen liegt. Es ist ja auch super süß hier leben zu können im vermurten Nadelwald; die Lebensqualität ist unglaublich hoch, die Berge auch und mit einer läppischen Zirbenschnapsvergiftung ramponiert man noch keine Alpenleber. Und genau deswegen gilt es genau hinzuschauen wie man so prinzipiell mit seinen Mitmenschen umgeht, wie man ihnen auf Augenhöhe und unvoreingenommen begegnet. Man sollte sich auch immer mal wieder den Gedanken vergegenwärtigen, dass unser Lebensstandard nur so hoch sein kann, weil er prinzipiell auf struktureller Ausbeutung von Schlechtergestellten fußt (Capitalism 101). Und als hauptberuflicher Fußkettchenfetischist und nebenberuflicher Kulturarbeiter muss ich dann natürlich auch immer meinen Senf zu allem Kulturzeugs geben.

Worum gehts hier gerade? zB darum, dass alles was so unter Club- Sub- Pop- und dem ganzen Gschnal verstanden wird, von politischer Seite tagein, tagaus lediglich als nicht ernstzunehmende Tachinose gehandelt wird. Wenn ein Bürgermeister Willi Sonntagabends bei im Zentrum sagt: „Diese Enge, wo in irgendeiner Bar die Leute aufeinanderpicken und bis tief in die Nacht hinein sich belustigen, das wird sich nicht mehr spielen in dieser Form. Und ich finde das ist in einem Kulturland wie Österreich durchaus gut so“, dann muss ich mir halt auch denken, dass der Kulturbegriff vom Kirchenchor-Grünen und seinem Stimmvieh hier offenbar verblüffend weit auseinanderliegt. Vor nicht allzulanger Zeit gabs noch schmissige Slogans wie „Bogenmeile retten“ und sogar einige Clubbetreibende machten Werbung für die Grünen, weil die unser Nachtleben noch am wenigsten mit Füßen treten würden. Und dann sitzt man da vorm Fernseher und freut sich über den Konter von Ministerin Köstinger, dass Feiern an sich halt auch nicht nur scheiße ist. Damn ÖVP, where have you been all my life? Hände falten, Bass einschalten
Clubkultur ist also keine Kultur, weil da hängt kein schönes Bild im Rahmen und die Leute sitzen auch nicht im Schachbrettmuster in ihren Logen, trinken in der Hälfte vom Set ihren Campari-Soda und überbieten sich mit sinnigen Sentenzen wie ‚die Darbietung des Dirigenten heute war mal wieder un-über-troffen‘.
Hart: Das Wissen, dass Fragen wie „was ist die Gesellschaft“ oder Konzepte wie „was bedeutet es seinen Lebensraum aktiv mitgestalten zu können“ auch abseits vom mittigen Parkett verhandelt werden können, darf also nicht vorausgesetzt werden.
Härter: Wie die meisten habe auch ich nach dem achten Bier am Tresen schon deepere Sachen gehört als was der mit mehrfachplatin bedachte Operntenor von den Bühnen dieser Welt erbricht.

Aber eh, natürlich motze auch ich gern im Internet herum, weils halt einfach Spaß macht und man sich in dieser Zeit ja irgendwie auch bei Laune halten muss. Ich zum Beispiel lackiere mir dann die Nägel und sinniere über die ästhetische Königsklasse von einriemigen(!) Birkenstocksandalen mit dazupassendem Fußkettchen (nicht an mir selbst – nur an anderen), wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin mein Dasein als entrückte Problemschönheit zu idealisieren. Aber ich schweife ab, eigentlich wollte ich mich noch darüber aufregen, dass Musiker wie Jo Stöckholzer nach jahrelanger künstlerischer Tätigkeit von Seiten des Landes ohne einen müden Cent Förderung abgestraft werden – weil kein einschlägiges Studium. Und die dies noch dazu mit lapidaren Nullaussagen in krächzendem Amtsdeutsch übermittelt bekommen. Weil Popmusik ist auch keine Kultur, die Popmusik finanziert sich selber – nicht so wie die Ziachorgel vom Onkel Willi und der neue alpenländische Blaskapellen-Kalender „Auf der Heidi gibts koa Sünd“. Das gehört subventioniert, weil da sind Berge drauf und das hat dann auch einen Tirolbezug – nicht so wie diese schmutzige Erotik der Popmusik, die war mir schon seit Von Seiten der Gemeinde ein Dorn im Auge. Immer dieses neumodische Tschingbumm wo man sich fragen muss, ob rappen nicht auch irgendwann endlich einmal heilbar wird. Alles Verbrecher durch die Bank. Aber wie wir wissen tut der Teufel in Tirol genau eines, wenn er es nicht mehr aushält: ER WINDET UND BIAG SICH WIAR A WOADENE RUATN AM BACH.

Wie gehen wir also heute nach Hause? Was ist hier das Fazit? Vorschlag: Da Kulturbegriff im Landl hat an Detschn. Da Willi hat koan Bock auf Rave und wer Popmusik macht kassiert am Amt a Luftwatschn.
Wie sagt der Opa nachm siebten Schnapsl gern? SCHIAN IS WAS ANDAS.

Achja und bevor ich vergess: Momentan sind viele Fakeprofile im Umlauf, die einen hinzufügen wollen, um private Profile auszuspionieren. Passt auf, eventuell ist es die Alpen-Kripo, die klopft dann an eure Türe und frisst euren letzten Rest Kernseife auf