NEUE REIHE: TRANSGRESSIONS #1

PMK Poster 2020 term-1Bild (c) Christoph Hinterhuber

Die p.m.k ist ein Zusammenschluss von mittlerweile 38 Kulturinitiativen, die seit 16 Jahren selbstständig und eigenverantwortlich Kulturveranstaltungen umsetzen. Diese arbeiten zum allergrößten Teil ehrenamtlich, in ihrer Freizeit und stecken in jede einzelne Veranstaltung jede Menge Herzblut, um überregionale Künstler*innen in die kleine Stadt Innsbruck holen zu können. Aufgrund der derzeitigen Covid-19 Eindämmungsbemühungen und der damit einhergehenden Einschränkungen im Veranstaltungs- und Kulturbetrieb steht die p.m.k nun zum ersten Mal seit ihrer Gründung vor der Situation, dass wir gemeinsam Veranstaltungen großflächig absagen mussten. Kein Techno, kein HipHop, kein Black Metal. Keine engumschlungenen Menschentrauben, keine hedonistischen Ausschweifungen im Zuge des so dringend benötigten Wochenendeskapismus. Kein Bier zu viel an der Bar, das vielleicht nicht mehr hätte sein müssen und in Wirklichkeit doch noch so absolut notwendig war. Kein Sturm aus der PA, der einem das Hirn zersägt und keine Diskussion zum Thema groteske Artefakte im subkulturellen Bermudadreieck oder Care-Arbeit und beim-Feiern-aufeinander-Acht-geben. Pop- & Post- & Sub – alles komplett im Arsch also.

Und gleichzeitig auch wieder nicht. Die vereinsinterne Arbeit ging auch während der veranstaltungsfreien Zeit via Onlinekanäle weiter; es wurde politisiert, diskutiert, abgewogen, verworfen und neuaufgerollt. Es ist nicht in Stein gemeißelt was die p.m.k war, ist oder sein muss. Weder ist sie per Definition ausschließlich eine Konzertvenue, noch ist sie nur Ort für Diskussionen. Wie bereits in ihrem Namen lesbar, ist sie eine Plattform für Kulturinitiativen, die es lieben diesen Raum gemeinsam zu gestalten. Neben Musik, Klangkunst und diversen diskursiven Formaten, hatten in der p.m.k, neben der Kunst am Bau (Hinterhuber, Feuerstein, Fränek) immer auch performative und darstellende Formate ihren angestammten Platz. Deshalb haben wir gemeinsam beschlossen die p.m.k in diesen besonderen Zeiten mit ebenso besonderen Inhalten zu bespielen. In den nächsten Monaten werden wir die Räumlichkeiten der p.m.k gemeinsam mit unterschiedlichen Künstler*innen in eine audio-visuelle Klanggalerie verwandeln. Es wird die Möglichkeit geben, monatlich wechselnde intensive Arbeiten von jeweils 2 Künstler*innen (bzw Kollektiven) zu erleben und diese in kleinen Gruppen zu besuchen. Den Anfang machen wir ab 4. Juni mit 2 jungen Künstlern, die der p.m.k bereits seit vielen Jahren verbunden sind und die uns dazu anhalten werden, unsere altbekannten Räumlichkeiten wieder aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen.

Gleichzeitig ist es uns aber auch ein großes Anliegen, die aktuelle Situation rund um Corona langfristig zu konservieren, um auch den Nachgeborenen die Chance zu geben, nachzulesen wer was aktuell in Tirol alles richtig gemacht hat. Denn wenn der französische Philosoph Baudrillard sagt, dass „die Wahrheit da ist, wo nichts mehr verborgen bleibt“ und somit „die Pornographie wohl wahrer als die Wahrheit“ ist, dann sind die hier noch erscheinenden Texte unserer vier Autor*innen Martin Fritz, Marco Russo, Rene Nuderscher und Marco Frei feingeschliffenes pornografisches Edelmetall, mit dem sich dann auch der letzte Tiroler Steinadler fachmännisch häuten lässt.

Und ja klar: Genauso wie ihr hoffen auch wir, dass wir uns dann im Herbst wieder gemeinsam an der Bar und vor der Bühne in die Arme fallen können. Was diesbezüglich jetzt schon mal feststeht – es wird wunderbar.
Bis dahin: Bleibt gesund und passt auf euch auf.

– David Prieth

VERNISSAGE 04.06.2020
Ort: p.m.k, Viaduktbogen 18-20, 6020 Innsbruck
Start: 19:00 Uhr

Fabian Lanzmair: 16 million pixels (Viaduktbogen 19)
Eine Komposition für drei Stroboskope, Filter und Spulen.

Drei computergesteuerte Stroboskope werden an den Blitzröhren mittels Spulen mikrofoniert. Jeder Blitz erzeugt einen hörbaren Impuls, welcher bearbeitet und über Lautsprecher im Raum hörbar gemacht wird. Es entsteht eine Koppelung zwischen optischen Mustern auf der Netzhaut und psychoakustischen Phänomenen im Innenohr. Das Ergebnis ist eine intime und hyper-synästhetische Erfahrung, in der die eigene körperliche Beschaffenheit zu subjektiven Bildern und Eindrücken führt. Die Installation soll mit geschlossenen Augen erlebt werden.
Warnung: Es wird sehr starkes Licht verwendet. Nicht mit geöffneten Augen in das Licht schauen.
Warnung: Diese Installation verwendet starke Stroboskopeffekte und kann bei gefährdeten Personen epileptische Anfälle verursachen.

Lukas Moritz Wegscheider: Memoire (Viaduktbogen 18)
In seiner neuen Installation beschäftigt sich der Klangkünstler Lukas Moritz Wegscheider, mit Erinnern und Vergessen. Es scheint als wäre zurzeit vieles auf Vergessen gestellt. Einigen Vertretern der Politik käme dies, nach vergangenen Entscheidungen, wahrscheinlich auch gelegen.
ver|ges|sen / Ver|ges|sen

du vergisst, er/sie/es vergisst; vergessen; vergiss!; etwas vergessen

1. aus dem Gedächtnis verlieren; nicht behalten, sich nicht merken können
2. nicht [mehr] an jemanden, etwas denken
3. die Beherrschung über sich selbst verlieren

er|in|nern / Er|in|ne|rung

du erinnerst, er/sie/es erinnert; erinnern; erinnere!; sich erinnern

1. die Erinnerung an jemanden, etwas bei jemandem wachrufen; wieder ins Bewusstsein rufen
2. veranlassen, an etwas zu denken, jemanden, etwas nicht zu vergessen
3. durch seine Ähnlichkeit ins Bewusstsein bringen
4. vorbringen, zu bedenken geben

Was in Raum A, als das Abbild von Geschehenem, also als erste Erinnerung dargestellt wird, wird in Raum B in recycelter Form noch einmal aufgegriffen und konfrontiert erneut.
Eine erinnerte Erinnerung.
Die Installation thematisiert, dass man nicht einfach vergessen kann, dass man nicht einfach vergessen macht und dass man sich auch nach vergessenem Vergessen, immer wieder an Vergessenes erinnern wird. Von vergessenem Vergessen – zur erinnerten Erinnerung.