there is no rave on a dead planet – clubkultur und ökologie

Heute Abend FR 11.11. findet in der p.m.k ein Abend zum Thema Clubkultur und Ökologie statt! Kommt vorbei – bringt euch ein – tanzt mit uns!

Doors 21:00
Talk 21:30
Sound ab 23:00

Der Philosoph und Autor Fahim Amir schreibt in seinem 2018 erschienenen Werk „Schwein und Zeit“ über den Berliner Techno Club Berghain:

„Der Berliner Techno-Club Berghain hisst hingegen die Fahne des Undergrounds. Den Underground des Undergrounds trifft man jedoch weder im Clubraum des Berghain, auch nicht darüber in der Panoramabar oder dem darunterliegenden Lab.Oratory. Den »echten« Underground findet man noch weiter unten in der Kanalisation: Denn all die Drogen, die da oben konsumiert werden, müssen ja auch mal raus, sie fließen die Kanalisation hinab, wo die dort lebenden Tiere in wahren Duschen und Hormonen und anderen potenten Molekülen gebadet werden. Es gibt zwar keine Forschung zu diesem besondern Habitat urbaner Ökologie, aber warum sollt es hier nicht Amphetamin gedopte Ratten geben, die vor sich hinraven, hochfrequent kopulierender Kakerlaken auf Kokain, kuscheltrunken aneinander abrutschende Kröten auf MDMA oder Ketamin Mäuse in psychoaktiver Dissoziation?“
Fahim Amir wirft durch seinen Blick auf den anderen Underground die Fragen auf den Zusammenhang von Clubkultur und Ökologie. Genau daran schließt der Philosoph Kilian Jörg (philosophy unbound) an, wenn er sich die Frage stellt:

Wasting our selves for the environment – wie gehen Clubkultur und Ökologie zusammen?
 
Im Anschluss werden Aida Arko (System A Records), BC-A (Inseminoid) und i_am_not_god (club:against:reality) den Underground der p.m.k mit Visuals von Clemens Haas zum Tanzen bringen, wenn die MDMA getränkten Mäuse in den Bögen zum Sound unserer DJs tanzen.

Hier noch ein Ausblick in den Vortrag von Kilian Jörg:

„Es dämmert immer mehr Menschen, dass wir in einem Zeitalter der Katastrophen leben. Wohingegen die ersten eineinhalb Jahrzehnte des 21ten Jahrhunderts noch vielfach hedonistischer Leichtigkeit gefrönt haben, scheint durch die Pandemie, den Ukraine-Krieg, den zunehmenden globalen Rechtsruck und die ökologische Katastrophe nun überall der politische Ernst eingezogen zu sein. Ist die Party also vorbei? Seien wir ehrlich: die Stimmung unter den Ravern ist gedrückt.
 
Umweltschutz und Ravekultur – tatsächlich scheinen sich diese beiden Unternehmungen auf den ersten Blick auszuschließen. Erster befasst sich mit der Schaffung nachhaltigerer und weniger energieintensiver Lebensweisen, zweitere ist mit Hedonismus und Ekstase verbunden: die übermäßige Verschwendung unserer und der Energie anderer, um ein größeres Gemeinschaftsgefühl zu schaffen.
 
Muss eine nachhaltige Gesellschaft prinzipiell also auf Raves verzichten und brav, geordnet und im biederen Sinne „vernünftig“ sein? In diesem Vortrag möchte ich für das Gegenteil argumentieren. Anhand eines Nachdenkens über den Exzess werde ich auf Gefahren des entstehenden grünen Kapitalismus hinweisen, welcher Verantwortung individualisiert und ein ähnlich rigides Verhältnis zu Körperlichkeit entwickelt wie der Katholizismus. Ich werde zeigen, dass eine wirklich radikal ökologische Transformation keinesfalls den Exzess verbieten darf, sondern diesen vielmehr kultivieren muss. Ein ökologische Handlung besteht nicht darin, den am Papier sparsameren Tesla zu kaufen und sonst nichts zu ändern – es geht darum, andere Interaktions- und Seinweisen untereinander und mit dem Planeten zu entwickeln. Hierbei können Raves und Clubs Labore einer neuen Kultur des nachhaltigen Verschwendens sein. In ihnen kann ein Anti-Realismus – ein Verweigern der hegemonialen Wirklichkeitserzählung – gedeihen, der für jeden radikale Wandel unabdingbar ist. Gerade in einem Zeitalter der Katastrophen müssen wir Räume der Leichtigkeit bewahren, um an den traurigen Erzählungen des grün-angestrichenen Desasterkapitalismus vorbei zu tanzen – hin zu besseren und bunteren Welten… .“

Kilian Jörg
Kilian Jörg

Kilian Jörg (philosophy unbound)

Kilian Jörg beschäftigt sich künstlerisch und philosophisch mit der ökologischen Katastrophe. Er ist hauptsächlich in Berlin, Wien und Brüssel tätig, schreibt Bücher und Artikel, baut Installationen, macht Performances und legt manchmal auf. Er ist Grüner des Kollektivs philosophy unbound und langjähriger Teil der Künstler*inneninitative Im_Flieger und des transdisziplinären Forschungscluster Stoffwechsel – Ökologien der Zusammenarbeit. Zur Zeit arbeitet er als Post-Doc am SFB Affective Societies der FU Berlin und forscht dort zum Auto als Metapher für unser Verharren in ökologisch katastrophalen Lebensweisen. Seine Buchveröffentlichungen umfassen: Neue Vorsicht – Philosophie des Abstands im Zeitalter der Katastrophen (Edition Konturen 2022); Toxic Temple – An Artistic & Philosophical Adventrue into the Toxicity of the Now (with Anna Lerchbaumer, de Gruyter 2022); Backlash – Essays zur Resilienz der Moderne (Textem 2020) und Die Clubmaschine (Berghain) (with Jorinde Schulz, Textem 2018).
kilianjoerg.blogspot.com

Aida Arko
Aida Arko


Aida Arko
Aida Arko is a electronic music Producer, DJ, Label owner and resident at ‘Grelle Forelleʼ Austria, one of the most demanding clubs in Europe. She has gained huge international recognition thriving from Vienna with her latest releases, which include a rmx to the iconic track ‘Ghost Storiesʼ from Rebekah, a powerful debut EP on Sura, plus releases on the mighty Soma, Elements and Meat Recordings.
 
Having grown up in Iran in the 1990s, Aida wasinfluenced by the Persian underground scene, as well as the wealth of cultural musical heritage her home country.
As a former biology student, she left the academy in pursuit of her real passion: Performance and music. Therefore she left the country in search of her teenage dreams, starting off working with a circus in Dubai and from there touring and traveling globally with a number of teams, performers, and infamous circus shows for several years.

2017, after a life changing journey around the globe, she found her base in Austria nd turned her years of artistry experience, focusing solely on music.

2018, she started organizing her own events, promoting, djing, and hosting floors at the most respected clubs in Vienna, while at the same time touring and working countless hours in the studio, unfolding her own sound.

2020 releases:
– ‘Story Of My Makerʼ debut Ep on Phunk Tr%x
– ‘Electrainʼ on Gain Records.
– ‘No Turning Backʼ & ‘Kikkofuʼ on her L%bel System A Recordings.
– ʼRenaissanceʼ on Suara NRG compilation.

2021 releases:
– ‘Unholyʼ Ep on Suara. All four tracks of the EP have been charted in the
Beatport Top 100 Hard Techno Chart with the title track ‘Unholyʼ being as far
up as number 7.
– ‘Subatomicʼ on Meat Recordings, has received major support from Amelie Lens, who played the track at her BBC Radio1 residency.
– Rebekah ‘Ghost Storiesʼ rmx on Element Records.
– ʼA New Empireʼ on Soma.
soundcloud.com/aida-arko
linktr.ee/aidaar

BC-A Foto Credit Museion_Occupy_Rosario Multari
BC-A Foto: Museion_Occupy_Rosario Multari

BC-A:
BC-A, short for Barbara Caroline Alt, is a techno DJ based in Innsbruck. Her obsession for fast-paced electronic music has been growing steadily since her early teen years and ultimately resulted in her playing her first DJ set in 2017. Teaming up with FUAD for their side project night:service and joining the multi-genre collective INSEMINOID in 2020 has allowed for her to explore new styles across the spectrum of techno, merging hard grooves with sprinkles of breakbeats, hardcore and gabber. Her recent sets are driven by an atmospheric yet ravey, energetic style that will hopefully put a smile on your face and that feeling of lightheartedness and bliss in your soul.
soundcloud.com/night_service/sets/bc-a

i_am_not_god
i_am_not_god


i_am_not_god (club:against:reality)
Er kommt aus Innsbruck und ist zu 50% Ontolog und zu50% Krawallbeauftragter beim Kulturkollektiv ContrApunkt mit Mission zum Aufmischen. Technoider und elektrisierender Sound für die hedonistischen Akteur*innen der Nacht. „Why they hide their bodies under my garage?“ Wir wissen es nicht. Gott ist er nicht. Dj will er auch keiner sein und eigentlich ist es auch ein bisschen egal. Der Körper will in den Raum, kollektiver Eskapismus, esoterischer Körperscheiß und dennoch so geil wie gar nichts. Techno kam aus der Zukunft, der Terminator auch. Lasst sie uns Feiern, die Präzision der Maschinen, die Tanzwütigen, die Euphorie, die Musik… Techno geht überall!
soundcloud.com/iamnotgod



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