Der Clubszene fehlt weniger Haltung als Verfahren.
Über diese These habe ich hier bereits vor zwei Wochen geschrieben. Seitdem lässt mich eine Frage nicht los: Wie entstehen in Clubs eigentlich verantwortungsvolle Entscheidungen – und wer trifft sie?
Konflikte, Vorwürfe und Boykottforderungen gehören längst zum Alltag kultureller Räume. Gleichzeitig arbeiten viele Clubs, Festivals und Veranstaltungsorte noch immer ohne klare Verfahren, wenn solche Situationen auftreten. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem.
Die Szene diskutiert intensiv über Haltung – aber deutlich seltener über Zuständigkeiten, Prozesse und Entscheidungslogiken. Genau dort entscheidet sich jedoch, ob Kulturorte langfristig handlungsfähig bleiben. Ohne Verfahren entstehen Entscheidungen unter Druck: situativ, intransparent und oft abhängig von Einzelpersonen. Mit Verfahren entsteht etwas anderes – Verantwortung, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Lernfähigkeit.
Vor diesem Hintergrund haben wir als Teil der Vienna Club Commission ein Panel konzipiert, das genau diese Lücke adressiert.
Zwischen Kritik und Verantwortung
Do. 19.03. | 19:00
O – der Klub, Wien
Eintritt frei
Am Podium sitzen Akteur:innen, die täglich mit diesen Fragen arbeiten – aus unterschiedlichen Perspektiven:
- Susanne Kirchmayr (Electric Indigo / female:pressure) – langjährige Erfahrung mit internationalen Szenen und strukturellen Machtfragen
- Meike Lauggas (vera*) – Aufbau von Vertrauens- und Beratungsstrukturen im Kulturbereich
- Laura Platzer (Universo Diverso) – Entwicklung von FLINTA*-Räumen als konkrete Praxis im Clubkontext
- Judith Staudinger (Wiener Festwochen) – Mitentwicklung institutioneller Verfahren im Umgang mit öffentlichen Konflikten
- Michael Gröss (U4) – 20 Jahre Clubbetrieb und Konfliktpraxis ohne standardisierte Prozesse
Moderiert wird das Gespräch von Antonia Rauth (DER STANDARD / Inside Austria).
Im Zentrum stehen Fragen, die aktuell viele Kulturorte betreffen: Wie politisch kann oder soll Clubkultur sein? Spalten gesellschaftliche Konflikte zunehmend die Szene? Wie können Clubs mit Vorwürfen umgehen, ohne vorschnelle Urteile oder institutionelle Blindheit? Und was passiert nach Konflikten – gibt es Wege der Rehabilitation und Weiterarbeit?
Wir werden an diesem Abend nicht klären, wer „cancelbar“ ist. Uns interessiert etwas anderes: Was passiert, wenn Kulturorte keine Verfahren haben – und was möglich wird, wenn sie beginnen, welche zu entwickeln.
Clubs sind Teil urbaner Öffentlichkeit. Wenn sie gesellschaftlich ernst genommen werden wollen, müssen auch ihre Entscheidungsprozesse ernst genommen werden. Ohne Governance bleibt Haltung folgenlos.
