Statement der Innsbruck Club Commission zu Karl Ischias rassistischem Posting

Aktuell werden mein Facebook-Profil und meine Posts wieder verstärkt von Leuten bei Facebook gemeldet (Hatespeech, usw) und mir deshalb vom Zuckerberg angedroht, dass mein Account gesperrt wird, wenn ich nicht brav bin. Das kam schon in der Vergangenheit immer wieder mal vor, wenn zu viel Kritik gegen FPÖ, ÖVP & Friends lief, was ich an und für sich stets als Kompliment genommen hab und das auch weiterhin so handeln werde. Auf jeden Fall ist es schön, dass der Ischia Karl zurückgetreten ist – trotzdem haben wir von der Innsbruck Club Commission gestern noch ein paar Worte zum Thema niedergeschrieben, weil es im Prinzip ja nicht nur um einen einzelnen Typen, sondern um größere, strukturelle Probleme geht.
Bleibt stabil, Bussi Bussi

Innsbruck Club Commission (23.09.20)
Der gestrige Post von (ehemaligem) WKO Obmann, Karl Ischia, nach welchem man besser „die Somalier-, Türken-, Jugo- und Hipsterclubs, wo die Infektionen nach Mitternacht stattgefunden haben“ zusperren sollte, anstatt Hotels, Restaurants und Bars mit einer vorgezogenen Sperrstunde zu bestrafen, ist von derart verblüffend rassistischer Schlichtheit, dass wir uns als Club Commission, trotz seines heutig vermeldeten Rücktritts, dazu gezwungen sehen ein paar Dinge festzuhalten.

Eine Interessenvertretung, die sich auf die Fahnen schreibt für Modernität, Internationalität und ökosoziale Marktwirtschaft zu stehen und sich überdies als zukunftsorientiert verstanden wissen will, disqualifiziert sich in dem Moment selbst, in dem sie unreflektierte Pauschalurteile über Bevölkerungsgruppen erlässt und gezielt versucht Minderheiten für gesundheitliche und wirtschaftliche Probleme an den Pranger zu stellen.In seinem getätigen Facebook-Eintrag erschafft Karl Ischia das Bild des „guten“ und des „schlechten“ Wirtschaftens, der „guten, ehrlichen, inländischen“ Betriebe und der „schlechten und gefährlichen“ Betriebe, die von fahrlässigen Ausländern betrieben werden und in denen sich auch nur jene schlimmen Gruppen aufhalten. In seinem Wutposting verschweigt Ischia dabei allerdings bewusst, dass es Anfang des Jahres vor allem klassische Tiroler Tourismusbetriebe waren, die für die Verbreitung des Virus von maßgeblicher Bedeutung waren und, dass es aktuell auch vor allem private Zusammenkünfte wie Familien- und Geburtstagsfeiern sind, die die Infektionszahlen nach oben treiben. Ebenfalls verschweigt Ischia, dass auch die Betriebe, die ein junges, weltoffenes (=Hipster?) und internationales Publikum bewirten, Teil der heimischen Wirtschaft sind – hier ihre Steuern bezahlen, mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen und als gleichberechtigte Elemente der Innsbrucker Gesellschaft gelten sollten. Ein wertschätzendes Wort für deren Wirtschaftsleistung und ihren diesbezüglichen Beitrag zur Gesellschaft verliert Karl Ischia hier nicht.

Zudem können wir in den vergangenen Monaten in Innsbruck eine unglaublich große Solidarität unter Nachtlokalen und Clubs unterschiedlichster Ausrichtung und Profile erleben. Es taten sich neue Kommunikationskanäle auf, in denen man sich gegenseitig über Neuigkeiten und Hilfsangebote informierte; es fanden mehrere Treffen statt, saß an einem Tisch und versuchte gemeinsam an Lösungsstrategien zu arbeiten. Dabei war es egal, ob der jeweilige Betrieb sich auf Chart-Musik, Schlager, HipHop, Subkultur oder modernen Barbetrieb spezialisierte. Uns war und ist klar, dass gerade die Vielfalt der Lokale und Clubs die Reichhaltigkeit des Innsbrucker Nachtlebens ausmacht. Dass nun ein Vertreter der örtlichen Wirtschaftskammer mit einem derart unqualifizierten Posting in die Öffentlichkeit geht und anschließend trotz seines Rücktritts nicht die Einsicht besitzt sich angemessen zu entschuldigen, macht einen einfach nur sprachlos.

Gerade in einer Stadt wie Innsbruck, die sich bei jeder Gelegenheit als Weltstadt präsentieren möchte und die stolz auf ihren Standort als „junge Universitätsstadt“ ist, sollte der Horizont einer wirtschaftlichen Interessengemeinschaft weiterreichen als Wirtschaftskammer-Obmann Karl Ischia es hier vorgelebt hat.

Wir sehen die Aufgabe einer Interessenvertretung nicht in der Spaltung und Diffamierung der Betriebe, so wie wir es hier in diesem Negativbeispiel aufzeigen können. Sondern in der Lösungssuche und -Umsetzung, um gemeinsam aus dieser Krise hervor zu kommen. So zum Beispiel die Schaffung von Hilfspaketen, welche der Innsbrucker Wirtschaft aus dieser Krise helfen können. Genau diesen Ansatz verfolgen wir momentan, unter anderem auch mit der WKO.