Zur Debatte über die künftige Nutzung des „leerstehenden“ Pavillon-Würfels: oder ‚Alpine Phantomschmerzen‘

Seit 2 Jahren findet im stadtbekannten Glaswürfel am Rennweg gute und engagierte Kulturarbeit statt. Der Ort „Reich für die Insel“ steht für kulturelle und künstlerische Vernetzung auf Augenhöhe, zu erleben gibt es dort Ausstellungen, Performances, Diskussionen, Konzerte und mehr. Festivals wie die Innsbruck International Biennale, das Heart of Noise oder das Alles Gute Festival docken hier genauso an wie Institute der Universität Innsbruck und Kulturinitiativen aus der freien Szene. Severin Sonnewend betreibt hier mit viel Engagement einen Raum, der im sogenannten „Kulturquartier“ eine essentielle Ergänzung zwischen Tiroler Landestheater, Congress, Hofburg, Haus der Musik, Volkskunstmuseum und Hofkirche darstellt.
Nun muss man allerdings in den letzten Wochen vermehrt hören und lesen, dass man mit dem „leerstehenden“ Gebäude doch endlich etwas machen müsse, denn so mutterseelenallein wie es aktuell der Fall ist, könne es ja nicht bleiben. Was also tun mit so einer komplett brachliegenden Stadt-Immobilie in bester Innenstadtlage?

Nun, es bedarf schon eines ziemlich hohen Levels an Ignoranz und Überheblichkeit, um die Arbeit von „Reich für die Insel“ mit keinem Wort zu erwähnen, sondern ständig nur die Leerstands-Erzählung durchs Dorf zu treiben. Fast scheint es so, als ob nur die Tiroler Dreifaltigkeit von „Tschigg, Schnitzl & Klo“ eine räumliche Ausdehnung von Glas und Stahl mit einem dem Menschen greifbaren Sinn auszukleiden vermag.

Die Pläne der jüngeren Vergangenheit (Bushaltestelle, Leihcenter für Sportequipment) wirken, gelinde gesagt, uninspiriert. Auch die Idee hier einen Info-Point für Tourist:innen einzurichten, mutet angesichts der Tatsache, dass in 3 Minuten Fußweg die Tourismus-Information am Burggraben erreichbar ist, absurd an. Kein Witz: Es kamen von verschiedenen Quellen ernsthaft die Bedenken, dass Tourist:innen gar nicht mehr auf die Idee kommen würden auf die Berge zu steigen, wenn man ihnen das nicht im Tal ständig und konsequent aufs Auge drückt.
Eine kurze persönliche Einschätzung am Rande: Die Möglichkeit, dass man in Innsbruck auf die Berge gehen und dort alpine Dinge tun kann, müsste sich mittlerweile herumgesprochen haben. Schließlich winken sie aus sämtlichen Himmelsrichtungen 24/7 ins Tal hinab. Radlfoan, klettern, figln, Zipflbob – hauptsach die Maut stimmt. Und oamal einkehrn auf a Schnapsl. Ist ja alles gut und recht, aber wieviele Paar Ski man in ein Schaufenster stellen muss, bis eine Stadt endlich Alpin-Urban genug geworden ist, muss aktuell noch nachgerechnet werden.

Dass es einige wenige Politker:innen gibt, die sich eine kulturelle Nutzung des Ortes im Kulturquartier vorstellen können und wünschen, ist ein kleiner Hoffnungsschimmer. Dass es nun einen Ideenwettbewerb zum Thema geben soll, in dem „Das beste Konzept gewinnen soll“ (hat schon wer Franz Hörl angerufen?)…nun ja. Wenn das Ding maximal transparent und ohne Beeinflussung durch die Tourismus-Lobby abläuft (lol), dann wäre das durchaus interessant.

Mit REICH FÜR DIE INSEL zeigt Severin Sonnewend seit mittlerweile 2 Jahren was dieser Ort sein könnte und aktuell auch ist: Ein Ort der sich nicht auf eine eindimensionale, strenge Nutzung festlegen muss; ein Begegnungsort für Viele, ein Raum in dem einem nach wenigen Minuten schon mindestens 3 gute Ideen zufliegen. Hier ignorant eine Bushaltestelle oder einen Schiverleih reinzuklatschen mieft dermaßen nach 1961, dass man einfach zum Spaß einen Kanister Erdöl anzünden möchte.
Ohne eine so unkomplizierte und wertschätzende Art und Weise wie hier im Reich für die Insel gearbeitet wird, hätten wir uns das Alles Gute Festival in die Haare schmieren können. Danke Severin, danke an alle Menschen, die im Reich für die Insel tätig sind, ihr bereichert Innsbruck mit eurer Arbeit ungemein. Ich hoffe ihr bleibt uns noch lange erhalten und habt ein gewichtiges Wörtchen bei der zukünftigen Gestaltung mitzureden.

David Prieth – p.m.k / TKI / IG Kultur Österreich

Foto: Daniel Jarosch

(c) Daniel Jarosch