Der peep.klub macht weiter; trotz allem.

oder: Kultur als Gesundheits- und Sozialleistung in Zeiten der Pandemie

Seit 4 Wochen bieten wir in der p.m.k Künstler:innen und Techniker:innen die Möglichkeit aufzutreten, zu arbeiten und wieder ihrer Passion nachzugehen. Konzipiert war die Reihe als eine wöchentlich stattfindende Aktion, im Rahmen derer Performances in der p.m.k Bar stattfinden und Menschen die Möglichkeit bekommen sollten, dieser per Stream oder auch im öffentlichen Raum durch die Scheibe beizuwohnen. Ein Eintreten in den Raum war zu keinem Zeitpunkt möglich, auch ging es nicht darum Ausschank zu betreiben oder Eintritt zu verlangen. Vielmehr ging es darum, Menschen, an denen die in unseren Breiten mittlerweile seit einem Jahr grassierende Pandemie immer deutlicher nagt, einmal die Woche ein sicheres Kulturprogramm zu ermöglichen.

Wir waren und sind sehr froh, dass das Format von unseren Besucher:innen so gut angenommen wurde und wöchentlich immer mehr Menschen in den öffentlichen Raum vor den Innsbrucker Viaduktbögen gekommen sind. Besucher:innen trugen Masken; sämtliche Menschen der Technik- und Performance-Teams auf der p.m.k Innenseite absolvierten zuvor Antigen-Tests an den offiziellen Test-Stellen. Trotzdem können bzw. dürfen wir dieses Angebot so nicht mehr weiterführen, da wir nach den bisher 3 stattgefunden Ausgaben, mit Anzeigen über eine Gesamtsumme von mehreren tausend Euro belegt wurden. Das ist schade; legten und legen wir doch großen Wert darauf, dass diese wöchentlich stattfindende Reihe so sicher wie möglich für alle Beteiligten abläuft und wieder so etwas wie ein gewisses Maß an „Normalität“ zurückbringt. Noch bedauerlicher finden wir die Tatsache, dass wir nicht bereits nach der ersten Einheit von den Behörden auf etwaige Probleme hingewiesen worden sind, sondern wir im Laufe der Bearbeitungszeit der Akten noch 2 weitere Termine abhielten und so munter weiter Anzeigen sammelten.

Keine Sorge, der p.m.k peep.klub geht weiter, nun allerdings ausschließlich als Streaming-Event von der p.m.k Bühne aus. Es wird also von Außen nichts mehr zu sehen geben und somit müssen wir euch auch leider bitten euch nicht mehr in Grüppchen vor der p.m.k aufzuhalten.

Wir müssen also feststellen, dass die „Normalität“ in der wir auch bereits vor der Pandemie gelebt haben, auch zu einem großen Teil davon gekennzeichnet ist, dass Bereiche wie die Kultur (und hier besonders die freie Kulturarbeit) als deutlich weniger überlebenswichtig eingeschätzt werden, als es beispielsweise der Wintersport oder das Verweilen in dicht besuchten Einkaufszentren ist. Selbstverständlich ist es immer problematisch das Eine gegen das Andere auszuspielen oder aufzuwägen. Aber in einer Situation, in der es immer mehr Krisen- und Expert:innensitzungen zur psychischen Belastung im anhaltenden Ausnahmezustand gibt, sollte man als Gebietskörperschaft und/oder Behörde im Idealfall auch den psychischen Nutzen einer solchen Veranstaltungsreihe mitdenken. Es ist nur schwer zu verdauen, dass es nicht möglich sein soll, dass Menschen im öffentlichen Raum (outdoor), maske-tragend einer Performance, die hinter einer Scheibe stattfindet, zusehen können. Besonders bitter ist das vor dem Hintergrund, dass für öffentliche Verkehrsmittel, den Arbeitsplatz und zahlreiche Orte mehr wieder Ausnahmeregelungen geschaffen werden. Wenn man von Seiten der Politik hört, dass „der Arbeitsplatz wahrscheinlich kein Hotspot ist“, glaubt man sich ein wenig an die letztjährige Expertinnen-Einschätzung „Eine Übertragung des Coronavirus auf Gäste der Bar ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich“ erinnern zu müssen.

Kurzgesagt: Es wäre schön, wenn es von Seiten der Politik ein ähnliches Commitment gegenüber der Kulturarbeit gäbe wie gegenüber anderen Bereichen.

Seit Beginn der Pandemiemaßnahmen haben sich die 38 Mitgliedsvereine der p.m.k beständig darum bemüht, auch in diesen schwierigen Zeiten ein abwechslungsreiches Kulturprogramm in Innsbruck anzubieten. Dabei entstanden sind mehrere (Theorie)texte, grafische Arbeiten, Projektionen, interaktive Installationen und einiges mehr. Die Idee des Konzerte-Streamings nahm die p.m.k Community schon länger vorweg, ist es doch bereits seit Novmeber 2006 jeden Freitag möglich p.m.k Programm live oder archiviert bei unserem Kooperationspartner FREIRAD zu hören. Es war und ist den in der p.m.k tätigen Vereinen stets ein Anliegen, so gewissenhaft und sicher wie möglich, bei gleichzeitig anhaltendem Qualitätsanspruch, weiterzumachen. Seien es Sitzkonzerte mit drastisch reduziertem Publikum, ohne Ausschank und früher Sperrstunde. Bei den auch während der Pandemie wöchentlich stattfindenden (online)-Beiratssitzungen bestätigte sich das, was wir schon seit mittlerweile 18 Jahren kommunizieren möchten: Es gibt in Innsbruck viele Menschen, denen die Gestaltung eines reichhaltigen und abwechslungsreichen Kulturangebots eine Herzensangelegenheit ist. Die allermeisten machen dies ehrenamtlich und ohne einen Cent dabei zu verdienen.

Mahoney im peep.klub #3