Als Kulturarbeiter bewegt man sich in einem Bereich, den man politisch und wirtschaftlich niemals wirklich ernst nimmt – und den man deshalb ständig verteidigen muss.
„nutzlos und schön“ – das Motto unseres Filmfestivals klingt deshalb auf den ersten Blick nach strategischer Selbstsabotage. Ist es aber nicht. Oder zumindest: nicht nur. Das Nutzlose und das Schöne zu ehren bedeutet für mich eine unerschütterliche Liebe zum (zwischen)menschlichen Tun, zur Intensität und zum Scheitern. Es wirft dem Drang, sämtliche Lebensbereiche durchzuökonomisieren, mit Freude Prügel vor die Füße. Und es nickt wohlwollend all jenen zu, die sich der Verzögerung der Zeit verschrieben haben – innezuhalten, wo blinder Aktivismus und partikulare Interessen Scheinlösungen produzieren.
Das diesjährige, beigestellte Jubiläumsmotto lautet: Apokalypse LOL. Auch dieses lässt erahnen: Im Grunde geht’s um nicht so viel. Was natürlich gleichzeitig bedeutet, dass es irgendwie um alles geht.
Denn weshalb streben wir nach Erfolg, Selbstoptimierung, Likes, Karriere? Weil wir uns wohlfühlen, gut essen, schön lieben und uns von Menschen – die wir im Idealfall schätzen – gut behandelt fühlen wollen. Mehr steckt da eigentlich nicht dahinter. Und im Idealfall erlauben wir uns, das auch zuzulassen.
Ein kleiner Gruß an die Nachgeborenen, die sich aktuell mit einem schauderhaften Vergleichsdruck herumschlagen müssen: Lasst euch von ein paar Menschen, die sich ihrer Lebensmitte nähern, diesen einen Rat mitgeben – Im Grunde geht’s um nicht so viel. Oder: Man darf sich den Investment-Punk als scheiternden Menschen vorstellen.
Ich habe in meinen 30ern begonnen, neben den zugegeben inspirierenden Kräften Dreck, Schmerz und psychologischer Kriegsführung auch die entspannteren Dinge des Lebens zu schätzen. Ein bisschen spazieren. Im Schatten auf der Bank sitzen. Schauen, ob die Schneeglöckchen schon blühen. Und: Je älter ich werde, desto lieber esse ich Kuchen.
Was ich dabei gelernt habe: Man muss nicht immer erreichbar sein – auch wenn man die Leute gerne mag. Man sollte sich aber bewusst melden – wenn man die Leute gerne mag. Und FOMO ist etwas für Menschen, die noch ihre Bezugsgruppen suchen. Wer seine gefunden hat, kann sich entspannt zurücklehnen und das Buffet genießen.
Damit das Böse in der Welt seinen Schrecken verliert, brauchen wir das Nutzlose und das Schöne. Wir befinden uns gesamtgesellschaftlich gerade an der Kippe zur Verrohung – und Kultur ist eine der wenigen Gegenkräfte, die tatsächlich wirkt. Nicht immer laut. Nicht immer effizient. Aber nachhaltig.
DIAMETRALE #10 | Apokalypse LOL | 11.–15. März 2026 | Innsbruck
Filmfestival für Experimentelles & Komisches – nutzlos und schön, seit 10 Jahren.
www.diametrale.at
