Schick – zum ersten Mal Post vom Landeshauptmann persönlich. Ab nun kann/darf/soll ich als Kulturbeirat des Landes Tirol ein paar meiner bisher gemachten Erfahrungen und Ideen, die mir vor allem die Sub- und Clubkultur mit auf den Weg gegeben haben, auch auf dieser Ebene einbringen. Das freut mich natürlich sehr, ich bedanke mich an dieser Stelle für das Vertrauen der Landesregierung und werde versuchen den Spirit der Bögen auch im Landhaus würdig zu vertreten.
Das Innsbrucker Kulturmagazin KOMPLEX hat vor Kurzem ein Interview mit mir veröffentlicht, in dem wir über unseren Kulturverein „skin on marble“ sprechen. Zusätzlich beinhaltet der Text eine Rezension zu unserem letzten Konzert des „TÄUBLING“s, der gemeinsam mit Teresa Riemann in der p.m.k gespielt hat. Vielen Dank für den tollen Text und das Interview, es ist nicht gerade einfach den Zugang von „skin on marble“ zu Kulturarbeit darzulegen, aber dieser Text macht es auf die bestmögliche Art und Weise.
Im Wechselbad der Zitronen – der Täubling in der p.m.k, hosted by skin on marbl
Der Verein skin on marble ist seit 2014 mit schwieriger Musik aller Art in der p.m.k aktiv. Im Dezember präsentierten sie hier – in Kooperation mit Verschubu Records – den Täubling, ein Konzert, das sich irgendwo zwischen Hiphop, Punk und grotesker Theaterperformance bewegte. komplex nutzt die Chance, etwas mehr über den Verein in Erfahrung zu bringen und einige Impressionen eines sehr speziellen Konzertabends festzuhalten. Der Täubling | Bild: Rene Nuderscher
„Was mache ich hier eigentlich?! Ich hätte auch einfach Germanistik studieren können!“ jammert der Mensch mit Frack und Hasenmaske, bevor er wieder zu rappen beginnt. Wir befinden uns bei einem Auftritt des Künstlers Der Täubling, welcher in der Pause zwischen zwei Songs recht überzeugend vermittelt, dass er gerade so ziemlich alles andere lieber tun würde, als für uns dieses Konzert zu spielen. „Wir sind hier ja eigentlich gar nicht in der Provinz! Aber alles sieht so aus! Sogar die Leute!“ schreit er und starrt uns in unsere so schrecklich durchschaubaren, provinziellen Gesichter. Die Musik lässt sich wohl am einfachsten als Hiphop beschreiben, wohlüberlegte, von Referenzen übergehende Sprachkunst jedenfalls. Die offenkundige Intelligenz, die hinter den Worten steckt, das Übermaß an Bildung, macht das Ganze nur noch schlimmer – er hasst uns nicht nur, er ist noch dazu klüger als wir! Und urbaner sowieso.
„Ich bin eine einzige Bedürfnispyramide“ wimmert er im nächsten Augenblick, während er von der zweiten Gestalt auf der Bühne in einem Akt irgendwo zwischen Fürsorge und Grausamkeit abwechselnd mit Zitronen und Sekt gefüttert wird. Der Täubling kriecht, bettelt und leidet demonstrativ, nur um im nächsten Moment wieder zu beleidigen, angebotene Zigaretten abzuweisen, nicht über wohlgemeinte Witze zu lachen, es kurzgesagt einfach völlig zu verweigern, irgendeine Form von versöhnlicher Artist-Publikum-Bindung einzugehen. Dazu ein ständiges Rotzen, Schlucken, Spucken in alle Richtungen, ein widerliches Gemisch aus jammervoll-röchelnden Geräuschen. Diese leeren Hasenaugen, eher Hasenlöcher eigentlich, verfolgen einen auch einfach überall hin, bis in die letzte Ecke des Raumes stieren sie einem hinterher.
Einzig durchbrochen wird das Ganze von einem zarten Intermezzo des Alter Egos Jean-Baptiste Revál, das in vollendeter Zerbrechlichkeit ein kleines Lied ins Mikrophon hauchen darf, bevor es vom Hasen wieder von der Bühne gedrängt wird. An eben jenes Alter Ego ist auch das Liebeslied „Für Jean-Baptiste“ gerichtet – beim Nachlesen entdecke ich, dass der Täubling diesen schon beim Erscheinen seines Debutalbums 2017 als seinen „einzigen Vertrauten seit 25 Jahren“ bezeichnet – am besagten Konzertabend ist diese Beziehung kein Jahr gealtert. Jenseits der Zeit bleiben auf der einen Seite Zynismus und Perversion ebenso konstant, wie auf der anderen Verletzlichkeit und Hingabe.
So taumelt der Täubling irgendwo zwischen maßloser Selbstüberhöhung und bodenlosem Selbsthass auf der Bühne herum, gefangen in einem kranken Zyklus des Erniedrigens und Erniedrigt-Werdens. Und frisst dabei eine unmenschliche Menge an Zitronen. Ein Großteil davon findet nach und nach in hohem Bogen den Weg ins Publikum – einmal erwischt mich eine ganze Ladung Zitronen am Kopf, die mich beinahe ins Straucheln bringt. Jeder Moment auf diesem Konzert eine geladene Metapher. Man will hinausflüchten und die Tür hinter sich schließen, bevor die Metaphern nachkommen. Gleichzeitig verführt der Auftritt mit einem hypnotischen Charme, der zynische Humor reißt nicht ab, jedes Wort trifft ein Ziel, die Musik wirkt umgarnend, die kollektive Verstörung verbindend, wir tanzen und grausen uns simultan. Unnütz die Fragen, die uns nach dem Konzert umtreiben – wie ist der Täubling wirklich? Der Täubling ist nicht wirklich. Als ich erwähne, dass ich über das eben Erlebte etwas schreiben werde, meint eine meiner Freund:innen: „Ich war so aggressiv, dass ich ihn schlagen wollte. Es war toll!“
Der Täubling verlangt nicht danach, verstanden oder gemocht zu werden. Alle, die Hass oder Ekel oder Mitleid oder Liebe oder irgendein anderes Gefühl an diesen Moment spenden können, sind am richtigen Ort, und die Gefühllosen sowieso. Ich fühle ich mich an einen alten Sticker des Veranstaltervereins erinnert: „Für den sehr Einsamen ist schon Lärm ein Trost“, so die Aufschrift (ein Zitat von Friedrich Nietzsche). Bei skin on marble-Veranstaltungen ist dieser Lärm oft eine harte Geräuschkulisse, in die man abtauchen kann – der Ton übertüncht, übernimmt alles, nimmt es einem kurz ab, zu sein, einsam oder sonst wie. Aber auch dieses ganze leidvolle Tamtam, dieses zügellose Zelebrieren des eigenen Schmerzes ist ein solcher Lärm und Trost; es verzaubert wie verstört uns und reißt uns gleichzeitig aus unserer Taubheit, unserem Täubling-Sein vielleicht, in seiner grausigen Komik.
Interview mit Delia Salzmann zum Kulturverein „skin on marble“
Wie ist skin on marble entstanden? Erzählt ein bisschen von der Idee hinter dem Verein.
Unser Verein ist vor knapp zehn Jahren in etwa zur gleichen Zeit entstanden, als unsere Mitglieder Rene, Ricardo und David gemeinsam das Harsh-Noise-Projekt KREUZ 17 gegründet haben. Das mittlerweile etablierte HEART OF NOISE Festival war damals noch recht jung und in Innsbruck gab es endlich wieder vermehrt offene Ohren für musikalische Abenteuer. Wir wollten Shows machen, bei denen es um eine Art von Intensität und Atmosphäre ging, die wir damals zu wenig vertreten sahen. Wir wollten auf der Bühne mehr düsteres Zeug und weniger ‚Rock Shows‘ sehen und vor allem Klänge hören, auf die man sich länger als nur für ein paar Minuten einlassen muss. Nichts zwingend Elitäres, aber halt auch keinen Klamauk und ewig Abgedroschenes. Da war von Anfang an von vertrackter Elektronik über Black Metal bis hin zu Noise Rap alles Mögliche dabei. Es kommt nicht von Ungefähr, dass eine unserer ersten Veranstaltungen den Titel “DAS IST KEINE PARTY, DAS IST DISZIPLIN” getragen hat.
Wie stellt ihr euer Programm zusammen?
Alle im Verein sind heavy user wenn es um den neuen heißen Scheiß in Musik und/oder sonstigen künstlerischen Ausdrucksformen geht; außerdem sind wir Teil eines aktiven Netzwerks von Menschen, die ähnliche Obsessionen pflegen. Zusätzlich fahren einige von uns selbst oder unserer Alliierten auf mehrere Festivals pro Jahr (donaufestival, Unlimited, HEART OF NOISE, Unsound, Unsafe & Sounds, Roadburn, etc.) – so sieht und hört man über das Jahr verteilt dann doch recht viel. Und natürlich gibt es auch die jahrelange Zusammenarbeit mit diversen Booking-Agenturen, die regelmäßig neue Künstler:innen vermitteln. Irgendwie ergibt sich das Jahresprogramm dann immer recht organisch. Wichtig ist uns, nichts zu überstürzen und lieber ein paar Shows weniger zu machen. Dann aber welche die knallen.
Die letzte Veranstaltung habt ihr mit den Verschubus gemeinsam gemacht. Wie funktioniert so eine Kooperation bei euch und was sind da die Vorteile?
Kooperationen sind in der p.m.k meistens ein recht unkomplizierter Weg, um kosten- oder arbeitsintensivere Abende überhaupt erst stemmen zu können. Kurz gesagt teilt man sich die Arbeit und das finanzielle Risiko auf – versucht aber auch das Stammpublikum beider Vereine zu erreichen. Das haben wir im Laufe unseres Bestehens immer wieder gemacht, beispielsweise bei Wiegedood und Chaostemple oder auch bei the body und Uniform. Innsbruck ist zwar ein recht gutes Pflaster für Spezialitätenprogramm, aber die Anzahl an Menschen, die wir erreichen (können) ist trotzdem begrenzt. Leute aus Bayern, Südtirol oder aus anderen Bundesländern kommen zudem nur selten, bzw. eher für die populäreren Acts oder Genres wie Stoner und Psychedelic Rock. Sobald Sachen in die fiesere Richtung gehen, muss man meistens mit finanziellen Rücklagen arbeiten. Man bekommt recht schnell ein gutes Gefühl dafür, was finanziell noch abzufedern ist und wofür man sich Partner:innen suchen muss.
Was war eure Lieblingsveranstaltung bisher?
Schwer zu sagen, denn es gab wirklich einige sehr besondere Abende, die uns von der Intensität her umgehauen haben. Der Abend mit the body und Uniform zum Beispiel, oder auch das MASKHARAT Festival, das wir 2016 veranstaltet haben. Wir sind auf jeden Fall extrem froh darüber, dass wir letztes Jahr wieder ein paar so Momente hatten, in denen uns bewusst wurde, weshalb wir das alles machen. Der Abend mit DUMA, Ecko Bazz, Abu Gabi und Klimentina Li zum Beispiel. Oder diese absolut irre Show von GEWALT. Von solchen Erlebnissen zehrt man lange und dann hat man auch wieder Bock die nächsten Sachen zu planen.
Gibt’s vielleicht auch irgendein amüsantes Malheur aus der Veranstaltungsgeschichte zu erzählen?
Die Malheure von damals sind die guten Geschichten von heute. So waren bei unseren Shows anfangs oft nur sehr wenige Zuschauer:innen zugegen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Show mit FULL OF HELL, bei der wir lediglich 14 Leute im Publikum hatten. Und das zu einer Zeit, als sie gerade dabei waren, im Powerviolence- und Hardcore-Bereich richtig groß durchzustarten – die Band spielte Headliner-Slots auf internationalen Festivals. Nach dem Gig haben wir irgendeine sturzbetrunkene Polter-Gruppe in die p.m.k gelotst und ihnen mit aller Gewalt Tequila Shots verkauft, um noch irgendwie etwas Kohle reinzubekommen. Die Band inklusive Vorband übernachtete anschließend in Davids damaliger 4er-WG, weil wir uns keine Hotel-Übernachtung für so viele Menschen leisten konnten. Good times.
Anfangs haben wir vielleicht selbst ein bisschen zu viel mitgefeiert und nach einer Veranstaltung mal die Kassa mit der kompletten Veranstaltungs-Kohle einfach auf dem Gehsteig vor der p.m.k liegen lassen. Irgendeine herzensgute Straßenreinigungskraft hat die dann zur Polizei gebracht. Diese hat dann zuerst in der p.m.k, und anschließend über Umwege bei mir (David) angerufen. Als ich dann, recht angestochen und mitgenommen vom Vorabend, bei der Polizei aufgetaucht bin, wollten sie die Kassa aber nicht mehr rausgeben, auch nicht als ich recht genau beschreiben konnte, wie sie aussieht, welche Sticker draufkleben und wie viel Geld in etwa drin sein müsste. Ich habe dann irgendwann entnervt gesagt: „Aber IHR habt ja MICH angerufen – wofür bin ich denn sonst hier? Was wollt ihr denn noch von mir hören?!“. Irgendwann haben sie die Kasse dann rausgerückt. Sehr nervig war das.
Was habt ihr in der Zwischenzeit übers Veranstalten gelernt?
Im Lauf der Jahre sind wir um einiges gelassener geworden. Wir wissen mittlerweile, wo wir auch kurzfristig noch etwaige Technik auftreiben können, haben besser im Gefühl, was von einem Hospitality-Rider wirklich wichtig ist und wie wir Künstler:innen schnell eine Atmosphäre bieten können, damit sich diese wohl fühlen. Mittlerweile haben wir deshalb mehr Zeit für die Feinheiten und Details. Schön ist aber vor allem, dass wir noch nicht betriebsblind geworden sind und uns noch immer wie die Teenager über eine gelungene Veranstaltung freuen können. Da wir alle nebenher auch andere Jobs haben, ist der gemeinsame Spaß an der Sache das Wichtigste, denn sobald der fehlt, müssten wir damit aufhören. Bei uns bekommt keiner Kohle für irgendwelche Vereinstätigkeiten, deshalb muss sich die Arbeit zumindest emotional lohnen.
Offener Brief an die Mitglieder des Innsbrucker Gemeinderates betreffend Kulturstrategie Innsbruck 2030
Innsbruck, am 19. Dezember 2022
Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Sehr geehrte Damen und Herren des Innsbrucker Gemeinderates!
Im Dezember 2019 beschloss der Innsbrucker Stadtsenat, eine Kulturstrategie Innsbruck 2030 zu entwickeln, die im Rahmen eines offenen partizipativen Prozesses erarbeitet werden sollte. Das damals formulierte Ziel bestand darin, eine „tragfähige Grundlage für das kulturpolitische Handeln“ zu erhalten, die auch „Prioritäten, Leitlinien und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung beinhalten (…) und für die Akteur*innen in Politik, Verwaltung und Kulturszene als Orientierungsrahmen dienen“ soll.
2020 wurde der Prozess unter Einbeziehung einer externen professionellen Prozessbegleitung gestartet, die auf Basis von 33 qualitativen Interviews mit Persönlichkeiten aus den Innsbrucker Kulturszenen und Vertreter*innen anderer Schnittstellen eine umfangreiche Analyse und Grundlagenarbeit erstellte. Im April 2021 begann der öffentliche Beteiligungsprozess. Darüber hinaus wurde eine siebenköpfige Arbeitsgruppe mit Vertreter*innen des Innsbrucker Kunst- und Kulturbereichs sowie ein Advisory Board mit 33 Expert*innen aus den Fachbereichen Wissenschaft, Bildung, Jugend, Soziales, Integration, Tourismus, Kreativwirtschaft und Stadtplanung unter der Leitung des städtischen Projektteams eingerichtet.
In insgesamt sechs öffentlichen Workshops mit einer unentgeltlichen Beteiligung von rund 500 Bürger*innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen wie beruflichen Bereichen wurde mit viel Engagement, Ernsthaftigkeit und vor allem partizipativ ein umfangreiches Papier erarbeitet, das auf Basis von Analysen des Status quo in diversen Bereichen – von Jugendkultur über Fragen der Diversität bis hin zur kulturellen Stadtentwicklung – Defizite benannte und konkrete Lösungsansätze und Maßnahmen formulierte.
Ein großer Teil dieser formulierten Ziele und Maßnahmen wurde nun von einzelnen politischen Vertreter*innen – ohne Rücksprache mit den am Prozess Beteiligten, dem Advisory Board oder der Arbeitsgruppe – gestrichen und das Papier in einer wesentlich verkürzten Fassung dem Gemeinderat am 15. Dezember 2022 zur Beschlussfassung vorgelegt.
Für einen partizipativen Beteiligungsprozess ist jedoch ein sensibler Umgang mit den Beiträgen aus der Bevölkerung unabdingbar! Eine klare und offene Kommunikation, wie und in welcher Form Vorschläge in die Entscheidungsfindung einfließen werden, ist grundlegend, um Missverständnisse und Frustration zu vermeiden. Für die Akzeptanz eines Beteiligungsprozesses reicht die “Inszenierung von Beteiligung” nicht aus! Nach einer Sammlung von Lösungsvorschlägen sollten diese in einem konstruktiven Prozess zwischen den Beteiligten und der Politik zu konkreten Leitlinien und Strategien verdichtet werden. Diese Auseinandersetzung und diesen Dialog auf Augenhöhe gab es nicht.
Diese Vorgangsweise ist sowohl kultur- wie vor allem demokratiepolitisch bedenklich, da damit der Partizipationsprozess nicht ernst genommen und die Expertise sowie das Engagement der am Prozess Beteiligten für unerwünscht bzw. irrelevant erklärt werden. Dies verstärkt in Zeiten wie diesen die ohnehin vorhandene Politikverdrossenheit, denn der öffentliche Beteiligungsprozess wurde so zu einem unverbindlichen Brainstorming degradiert, das von der Politik nach Belieben zurechtgestutzt werden kann. Damit wurde der Beteiligungsprozess grundlegend missverstanden.
Die nun beschlossene Kulturstrategie Innsbruck 2030ist kein Strategiepapier, denn es enthält großteils vage Formulierungen, die unverbindlich bleiben und nicht wirklich strategisch gedacht sind, um die Kulturentwicklung der Stadt zukunftsfähig zu machen. Abgesehen davon, dass alle Hinweise auf den Beteiligungsprozess fehlen, wurden die konkret erarbeiteten Lösungsansätze zu einem großen Teil gestrichen. Auch wurde die an manchen Stellen formulierte aktive Rolle der Stadt Innsbruck bei der Umsetzung der Kulturstrategie eingeschränkt.
Weder die interessierte Öffentlichkeit, noch die an dem Prozess Beteiligten kennen die sachlichen Argumente, die für die Streichung von vielen Zielen und Maßnahmen jeweils maßgeblich waren.
Das nun vorliegende Ergebnis der Kulturstrategie Innsbruck 2030 basiert offensichtlich weniger auf sachlichen Argumenten als auf parteipolitischem Kalkül. Das “toxische” Klima innerhalb der Innsbrucker Stadtpolitik hat auch den Verlauf und das Ergebnis der Kulturstrategie überlagert – sehr zum Bedauern der beteiligten Kulturakteur*innen. Die Wortmeldungen der Kulturausschussmitglieder in der Gemeinderatssitzung am 15. Dezember 2022 zeigen, dass ihnen der zu erwartende Frust in der Kulturszene bewusst ist und in Kauf genommen wird. Sie betonen jedoch mehrfach, dass das Ergebnis nun “mehrheitsfähig” sei, was auf den Gemeinderat zutreffen mag, aber kaum auf die Kunst- und Kulturszenen in Innsbruck.
Die im Ergebnispapier aus dem Partizipationsprozess formulierten Ziele und Maßnahmen wurden auf ein unverbindliches Minimum gekürzt, zudem fehlen eine klare Priorisierung der Maßnahmen, sowie Budget und Zeitplan für die Umsetzung. Das vermittelt wenig Hoffnung auf Veränderung. Die Vorsitzende des Kulturausschusses Frau Irene Heisz hat vor der Abstimmung über die Kulturstrategie in der Gemeinderatssitzung besonders die beschlossenen Punkte Fair Pay und Gedenkkultur positiv hervorgehoben. Jedoch sind diese ohnehin bereits in Umsetzung bzw. haben breiten politischen Konsens.
Mitglieder des Kulturausschusses argumentieren mehrfach damit, dass die beschlossene Kulturstrategie nun “realisierbar und leistbar” wäre. Dabei fällt auf, dass viele Maßnahmen gestrichen wurden, die sehr leicht umsetzbar gewesen wären und zudem kaum Kosten verursachen hätten, insbesondere Maßnahmen, die zu mehr Vernetzung, Mitsprache und Teilhabe an kulturpolitischen Prozessen führen würden (Stichwort “Kulturbeirat”). Diese Expertise in einen strukturell verbindlich verankerten Kontext einzubinden, scheint unerwünscht.
Die Arbeit an der Kulturstrategie Innsbruck 2030 ist vor drei Jahren mit Enthusiasmus gestartet. Viele kulturinteressierte Menschen in Innsbruck haben große Hoffnungen in den Beteiligungsprozess gesetzt und darin ein Potenzial für eine positive kulturelle Entwicklung der Stadt gesehen. Daher fordern wir die Mitglieder des Gemeinderates auf, ihre Entscheidung zu überdenken, und ersuchen um eine Stellungnahme, warum viele der im Prozess erarbeiteten Ziele und Maßnahmen gestrichen wurden.
Die Mitglieder der battlegroup for art sind natürlich jederzeit bereit, ihren oben dargelegten Standpunkt näher zu erklären.
Unterzeichnet von den Mitgliedern der battlegroup for art (Netzwerk der in Innsbruck tätigen Interessenvertretungen, Plattformen und Zusammenschlüssen aus dem Bereich zeitgenössischer Kunst und Kultur)
Arno Ritter – aut. architektur und tirol, Kulturbeirat des Landes Tirol, Mitglied des Advisory Board der Kulturstrategie Innsbruck 2030
Vor Kurzem befragte mich der ORF in der Sendung „Thema“ zu Tiroler Identitäten und zu meiner Verortung innerhalb dieses Komplexes. Grundsätzlich gibt es eine recht große Diskrepanz zwischen dem „Klischee“ und der gelebten Realität – auch wenn das einige Institutionen noch immer gerne etwas anders verkaufen. Identitäten sind in Tirol genauso vielfältig wie an anderen Orten der Welt und im Idealfall durchbricht diese Realität immer stärker das althergebrachte Narrativ.
Als Austragungsorte haben wir wieder den wunderschönen Botanischen Garten und den Nebenplatz des Tiroler Landestheaters gewählt, um mit euch zur Musik von Acts wie EsRap, Restless Leg Syndrome, Dives, Hearts Hearts, Franca, Re.You und vielen mehr zu tanzen.
Es war uns wichtig, dass auch in Zeiten der extremen Teuerung und mit deutlich weniger Förderderbudget als letztes Jahr ein feines Festival zustande kommt, im Rahmen dessen alle involvierten Menschen fair bezahlt werden und dass die Veranstaltung trotzdem gleichzeitig so niederschwellig zugänglich wie möglich bleibt. Aus diesem Grund gibt es neben einem Festivalpass und regulären Tagestickets auch günstige €3-Euro Soli-Tickets für Menschen, die es gerade finanziell nicht so dicke haben. Menschen, die den Kulturpass „Hunger auf Kunst und Kultur“ nutzen, erhalten selbstverständlich auch hier kostenlosen Eintritt. An dieser Stelle vielen vielen Dank an unsere Fördergeber:innen von Stadt und Land, IKB, IVB und dem SKE Fonds, die diese Veranstaltung unterstützen.
Es gibt in diesem Jahr zudem Performances und Installationen im „Reich für die Insel“ und Workshops im Botanischen Garten zu erleben. Durch eine neue Kooperation mit den Innsbrucker Verkehrsbetrieben könnt ihr eure Tickets auch vor und nach der Veranstaltung als Öffi-Ticket nutzen und wir haben einen kostenlosen Shuttle-Service eingerichtet, der euch vom Stadtzentrum zum Botanischen Garten und zurück bringt.
Ich freu mich schon auf ein paar schöne Tage mit euch allen und allen Menschen, die in dieses gemeinsame Projekt involviert sind. Auch wenn sich vieles aktuell sehr schwer anfühlt, ich hoffe, dass wir mit dieser Veranstaltungsreihe möglichst vielen Menschen einige schöne Momente bereiten können
Gespräch im Wiener Podcast von „Fremde werden Freunde“ (Juni 2022)
„Aktivismus ganz anders!“ In dieser Folge Salongespräche spricht Munira Mohamud mit David Prieth über sein Leben als Künstler und Aktivist. Durch künstlerische und aktivistische Beiträge versucht er auf seine Art und Weise eine Message an die österreichische Gesellschaft zu senden. Dabei kann schon einiges passieren, wie bei seinem Aktionskunstprojekt „Haute Couture Straßenchef*in“, wo er sogar vor Gericht gestanden ist. Was es mit diesem Projekt auf sich hat, seine Sicht zu Kunst, Kultur und Aktivismus und den Spaß, den er bei all dem hat, erfahrt ihr in dieser Folge hier:
Nachdem die freie Kulturszene vor über 10 Jahren eine »Fair Pay«-Kampagne für angemessene Bezahlung im Kunst- und Kulturbetrieb initiiert hat, ist das Thema mittlerweile endlich auch auf Bundesebene im Regierungsübereinkommen verankert. Theoretisch. Denn praktisch wird vielerorts noch immer händeringend versucht, Kunst- und Kulturarbeiter*innen anderweitig zu besänftigen; zum Beispiel mit Fragestellungen zum Thema »Fairness« im Allgemeinen.
Was bedeutet »fair« denn eigentlich in einer Welt wie der unseren? Meist mäandern entsprechende Diskussionen anschließend schnell in Richtung von Stellvertreterthemen wie »Wertschätzung«, »Transparenz«, »Verantwortung« und darüber, ob wir uns vielleicht grundsätzlich nicht einfach alle darüber freuen können, dass allmorgendlich die Sonne aufgeht. Denn das Thema »Geld« ist im Kulturbereich aus mehreren Gründen nur schwer anzusprechen. Das naheliegendste Argument: Es gebe keines. Und tatsächlich zeichnet sich ein ernüchterndes Bild ab, wenn man die Kulturbudgets der letzten Jahrzehnte vergleicht. Besonders in der freien Kulturszene sind Erhöhungen die Ausnahme, die Inflation steuert das Ihrige dazu bei und grundsätzlich werden lieber einzelne Projekte unterstützt, als Kulturinitiativen längerfristig abzusichern und aufzubauen. Neue Initiativen gelten schnell als »Fässer ohne Boden« oder weitere Futterneider an den Subventionsbuffets, die den »eigentlichen« Kulturplattformen (Hoch und Volk und Erbe) gegenübergestellt werden.
In entsprechenden Gesprächen wird deshalb oft das verklärte Bild der darbenden Künstlerseele beschworen – besonders sobald es um die Priorisierung von Haushaltsausgaben geht. Wer könnte am ehesten darauf verzichten? Wer hat den weltlichen Bedürfnissen denn vielleicht ohnehin schon längst abgeschworen und fände durch das Joch eines dünnen Geldbeutels im Idealfall sogar näher zur Muse oder zu Gott?
Hinzu kommt der moralische Anspruch, der regelmäßig an Kunst- und Kulturschaffende gestellt wird. Man verrichte seine Arbeit ohnehin gerne, weshalb man nun nicht auch noch eine zusätzliche Entlohnung in Form harter Währung obendrauf legen müsse. Immerhin gehe es hier um die Sache an sich und die übergeordneten Werte, oder nicht? Doch. Auch. Dass diese übergeordneten Werte allerdings einem relativ schwachen Wechselkurs auf dem freien Markt von Mampf und Miete unterworfen sind, ist lediglich die eine Sache. Dass Arbeit aber nicht nur dann echte Arbeit ist, wenn man sie mit Freude und nicht etwa gebrochen an Leib und Seele ausübt, die andere.
Darüber hinaus ist es auch so, dass Kunst- und Kulturschaffende (hier gern auch Quereinsteiger*innen, die ursprünglich aus ganz anderen Bereichen gekommen sind) ihre Arbeit oft selbst nicht wirklich als Arbeit ansehen. Mehr sei es eine Art Selbstverwirklichung, die es nun eben einmal mit sich bringe, dass man prekär lebt – dafür aber sein Glück im Tun finde.
All diesen Argumentationsweisen muss man entgegnen: Kultur ist Arbeit und Arbeit verdient Geld.
Weder geht es hier um eine Schmälerung des Ehrenamtes, das in Österreich besonders im Sport- und Kulturbereich eine große Rolle spielt, noch um die Gleichstellung von Hobbytum und ausgebildeten Spezialist*innen. Es geht ganz einfach darum, es Kunst- und Kulturschaffenden zu ermöglichen, von ihrer Arbeit ordentlich leben zu können. Besonders in der freien Szene hapert es hier auch an ganz praktischen Gründen: Es gibt keine verbindlichen Mindeststandards. Klarer ausgedrückt: Es gibt meist weder Kollektivverträge noch regelmäßige Lohnanpassungen. Kulturarbeiter*innen sind in den allermeisten Fällen selbst dafür zuständig, über ihre Entlohnung zu verhandeln. Was für 98 % der Arbeitnehmer*innen in Österreich selbstverständlich ist, greift hier schlicht und ergreifend nicht. Ist das Budget knapp, wird deshalb im Regelfall am schnellsten bei sich selbst gespart und die eigene Arbeitsleistung entsprechend weniger finanziell honoriert. Meist ist diese der einzige Posten, an dem sich wirklich sparen lässt, im Gegensatz zu Mietkosten oder Energiepreisen.
Interessenvertretungen wie die TKI in Tirol oder die IG Kultur können zwar Empfehlungen für Mindestlöhne oder Honorare in unterschiedlichen Bereichen bereitstellen; rechtlich verbindlich ist davon allerdings nichts. Ganz im Gegenteil begibt man sich hier beinahe schon in rechtliche Graubereiche, da man dies als illegale Preisabsprache deuten könnte, wie in Glühbirnen- oder Schweinefleisch-Kartellen. Fun Fact: Oft sind nicht einmal in den »großen Tankern« Kollektivverträge flächendeckend vorhanden. So wundert es nicht, dass jede*r dritte Kunst- und Kulturarbeiter*in armutsgefährdet ist. Die fehlenden Absicherungen während der Erwerbsbiografie schlagen sich zu guter Letzt auch in der Absicherung im Alter oder im Krankheitsfall nieder. Nicht selten schlittern prekär Beschäftigte nach getaner Arbeit direkt in die Altersarmut. Und selbstverständlich sind hier Frauen noch einmal stärker betroffen als ihre männlichen Arbeitskollegen. Die Coronapandemie hat nur diejenigen Probleme verdeutlicht, die bereits zuvor schon vorhanden waren. Wer niederschwellige Kulturangebote sowie soziale Experimentier- und Möglichkeitsräume vorfinden möchte, muss auch den Humus pflegen, auf dem diese gedeihen können. Kulturräume sind Labore für neue gesellschaftliche Entwicklungen, sie erarbeiten neue Veranstaltungsformate, Kunstformen und Ausdrucksweisen und beherbergen das kulturelle Erbe von morgen.
Den Anspruch zu haben, diese Umstände ändern zu wollen, sollte in einem Land, das sich gerne als Kulturnation versteht, eigentlich selbstverständlich sein. Mit salbungsvollen Sonntagsreden und Klatschen vom Balkon ist allerdings niemandem geholfen (den Arbeiter*innen im Sozial- und Gesundheitsbereich im Übrigen auch nicht). Ob Kunst und Kultur systemrelevant sind oder nicht, ist eine andere Frage, die eng mit unseren Interpretationen von gesellschaftlichen Werten und Potenzialen verknüpft ist. Grundsätzlich erwirtschaftet der erweiterte Kulturbereich laut einer Studie, die 2020 vom Wirtschaftsforschungsinstitut veröffentlicht wurde, knapp 10 Milliarden Euro pro Jahr, was knapp 3 % des BIP entspricht. Zudem kann die Kunst in Österreich (wie es gesetzlich verankert ist) auch nur dann wirklich frei sein, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen vorhanden sind, in denen sie sich entfalten kann.
Ich durfte heute Teil einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Jugendliche im Öffentlichen Raum“ sein. Teil des Podiums waren dabei auch Vertreter:innen von Stadt, Land, Polizei, Jugend- und Sozialarbeit. Ich habe versucht, ein wenig die Wichtigkeit des öffentlichen Raumes besonders für junge und auch feierlaunige Menschen zu thematisieren (u.a. auch als konsumfreie Lebens- und Begegnungsräume). Danke an POJAT Dachverband Offene Jugendarbeit Tirol für die Einladung und an alle Beteiligten; schauen wir, dass wir den öffentlichen Raum für alle Menschen so lebenswert wie möglich gestalten
Danke an die über 20.000 Menschen, die diesen Tag mit uns gefeiert haben! So kann ein zeitgemäßes Stadtfest im Jahr 2022 aussehen, das unter der Beteiligung zahlreicher Menschen und Initiativen entsteht. Danke auch an unser großartiges Team – nächstes Jahr machen wirs noch besser!
Achtung freie Szene: Aktuell gibt es wieder die Möglichkeit im Rahmen des Fördertopfes stadt_potenziale Kulturförderungen für eure Ideen/Projekte zu ergattern. Es werden Kulturprojekte gefördert, die sich mit den Themen Stadt und Stadtentwicklung im Allgemeinen sowie mit Innsbruck im Besonderen beschäftigen. ABER: Ihr müsst dazu NICHT in Innsbruck wohnen, um einreichen zu können! Ihr könnt z.B. Innsbruck auch als Umsetzungsort eures Projektes anvisieren oder anderweitig begründen inwiefern euer Projekt einen Innsbruck-Bezug hat. Persönlich würd ichs überhaupt extrem bereichernd finden, wenn auch zunehmend mehr Projekte von außerhalb mehr Vernetzung mit der lokalen Szene finden würden.
Der Umsetzungszeitraum beträgt 2 Jahre; die Projekte können zu 100% durch den Fördertopf ausfinanziert werden; Fair Pay für euch und alle Involvierten ist key!
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